Gedankenwelten Wunschträume

Vorgehfreude

2015-08-20-Freude-auf

Morgen ist es auf den Tag genau einen Monat her, dass ich mir einen dreieinhalb ziemlich viele Knochen in meinem rechten Fuß gebrochen habe. Auch wenn ich mir schon öfter etwas gebrochen habe, ist es das erste Mal, dass ich durch einen Knochenbruch derart eingeschränkt war.

Kein Gang ohne Krücken. Will ich etwas von A nach B transportieren, muss es entweder in die Cargo-Taschen meiner Short passen oder sich in meiner kleinen Umhängetasche verstauen lassen. Selbst das morgendliche Reinholen der Zeitung ist eine Herausforderung, weil eine Treppe zwischen mir und dem Briefkasten liegt.

Aber ich bin optimistisch – und ich blicke nach vorne. Hier eine Liste von den Dingen, auf die ich mich schon jetzt freue, wenn ich endlich wieder normal auf zwei Beinen laufen gehen kann:

  • Duschen. Ich habe zwar inzwischen einen Weg gefunden, wie ich trotz gebrochenem Fuß in die Duschkabine und – das vor allem – wieder raus komme. Aber diese Methode involviert einen Schreibtischstuhl und ist auch sonst alles andere als elegant. Nichts für jeden Tag, was bei Temperaturen jenseits der 35 Grad natürlich super ist.
  • Putzen. So blöd das klingt, aber: ja! Schon wenn ich nicht so oft zuhause bin, habe ich nach spätestens einer Woche das Gefühl, dass hier dringend einmal sauber gemacht werden sollte. Aktuell bin ich 24/7 in meiner Wohnung – und das sieht man. Ohne die Hilfe von I. sähe es vermutlich jetzt schon aus wie in einer Bärenhöhle. Trotzdem freue ich mich darauf, bei Bedarf einfach mal selbst kurzfristig den Feudel schwingen zu können.
  • Einkaufen. Es ist wirklich ein Segen, dass man Lebensmittel auch in Deutschland inzwischen online bestellen kann. Trotzdem weiß ich inzwischen zu schätzen, was für ein Luxus das ist, seine Ernährung nicht wochenweise vorzuplanen, sondern einfach mal spontan etwas besorgen zu können, wenn einem gerade danach ist. Und wenn das nur die Zutaten für ein richtig gutes Chili sind …
  • Umdrehen. Gut ist: ich muss keinen Gips tragen. Macht man heute wohl kaum noch. Statt dessen trage ich einen Vacoped-Stiefel, ein kleines Monster aus Plastik und Luftpolstern, mit dem der Fuß ruhig gestellt wird. Zwei Mal am Tag ziehe ich diesen Stiefel aus: morgens, um mich anzuziehen, und abends, um mich wieder auszuziehen. Ansonsten trage ich ihn. Spätestens wenn man sich nachts im Schlaf einfach nur umdrehen will, merkt man dann auch, warum dieser Stiefel einen Gips ersetzt. Dann nervt er. Kurios am Rande: die Mini-Luftpumpe, um den Vacoped aufzupumpen, sieht aus wie eine Handgranate. Warum auch immer.

2015-08-20-Granate

  • Biergarten. Wer mich kennt, der weiß, wie sehr mir diese Institution fehlt.
  • Fremde Menschen. Eigentlich eine Erweiterung der Kategorie “Biergarten”. Der Mann vom Lieferdienst von Rewe ist da auch nicht wirklich ein Ersatz.
  • Bücken. Ich wäre ein gemachter Mann, wenn ich jedes Mal einen Euro bekäme, wenn meine Krücken mal wieder der Schwerkraft folgen. Zwar bin ich inzwischen ganz gut darin, meine Gehhilfen so abzustellen, dass sie nicht umfallen, aber … ach was, wen belüge ich hier? Ich bin grottig darin. Die Dinger fallen dauernd um – und ich darf dann nach ihnen angeln.
  • Sport. Kein weiterer Kommentar. Von mindestens drei Mal die Woche auf Null ist einfach sch… . Mal abgesehen davon, dass ich seit drei Jahren eigentlich jeden innerstädtischen Kilometer per Fahrrad zurücklege. Jetzt komme ich schon beim Weg von meiner Wohnung zum Mülleimer ins Schwitzen.
  • Luft. Als ich heute besagten Weg zum Mülleimer angetreten habe, bin ich unterwegs kurz stehen geblieben. Ein überdachter Balkon ersetzt einfach keinen Spaziergang an der frischen Luft.
  • Lange Hosen sind nicht kompatibel mit dem oben genannten Vacoped-Stiefel. Und auch wenn das Wetter in den vergangenen vier Woche zwar eher für kurze Hosen sprach, freue ich mich schon darauf, wenn ich das erste Mal wieder eine ganz normale Jeans tragen kann.

In diesem Sinne, auf eine krückenlose Zukunft!

PS: Eis. Hätte eigentlich auf die Liste gehört. Dank meinem lieben Freund F., der mich regelmäßig besucht, musste ich darauf allerdings nicht verzichten. Einmal gab es sogar Eis mit Weihnachtsgeschmack. Danke dafür! (Keine Ironie!)

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

3 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Ich kann dich so gut verstehen, musste auch schon die ein oder andere Zeit auf Krücken verbringen (zuletzt 2 Monate im November/Dezember 2015) und es versteht einfach niemand, wie scheiße es ist, wenn sie nicht selbst mal Leidtragender waren!

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