Gedankenwelten

Ge-krückt

Der Fuß befindet sich ganz am unteren Ende des menschlichen Körpers. Ist er verletzt, spürt man es dennoch bis hoch zu den Haarspitzen. Eigentlich müsste ich nämlich dringend zum Friseur. Das kann ich allerdings erstmal vergessen. Eine Woche ist es her, dass ich mir beim Canyoning den rechten Fuß gebrochen habe – und derzeit bin ich noch froh, wenn ich es heil die kleine Treppe bis zum Briefkasten runter und wieder rauf schaffe. Oder zur Toilette. Zeit für eine erste Bestandsaufnahme in “G”.

Gelernt: Not macht erfinderisch. Da ich zur Fortbewegung beide Arme und beide Krücken benötige, wird schon der Transport einer Kaffeetasse zur Herausforderung. Eine Lösung: Zwischenstationen. Ich stelle die Tasse auf dem nächsten Schrank ab, den ich ohne Krücken und auf einem Bein balancierend erreichen kann. Anschließend gehe ich auf Krücken genau so weit vorwärts, dass ich auf einem Bein balancierend sowohl die Tasse als auch die nächste Zwischenstation erreichen kann. Als sehr praktisch hat sich hier auch mein Schreibtischstuhl erwiesen: der hat nämlich Rollen.

Geliefert: Lebensmittel, Spritzen und bei der Gelegenheit auch gleich neue Balkonstühle – Sitzen ist ja gerade so etwas wie mein neues großes Hobby. Es ist schon praktisch, was man sich alles nach Hause liefern lassen kann. An der Stelle einfach mal ein Kompliment an den Rewe-Lieferdienst und an die Karlsruher Bärenapotheke!

Gewachsen: Das mit dem Sitzen hat natürlich auch seine Nachteile. Mein Appetit ist nämlich noch auf drei Mal Sport pro Woche eingestellt. Trotz selbst auferlegter Zurückhaltung rechne ich daher mit einem gewissen Wachstum – und zwar nicht in die Höhe.

Geschockt: Die Katze meiner Eltern. Die musste sich erstmal an die Krücken gewöhnen. Ansonsten hat sie sich aber gefreut, mich zu sehen, glaube ich.

Geschnürt: So ein Vacoped-Schuh ist eine praktische Sache. Anders als bei einem Gips kann ich zum Beispiel problemlos meine Unterwäsche wechseln. Schuh auf, alte Hose hüpfend ausziehen, neue Hose hüpfend anziehen, Schuh wieder anlegen, fertig. Die Kunst dabei ist nur, die Klettverschlüsse nicht so fest zu ziehen, dass gar kein Blut mehr in den Fuß kommt. Ist mir bisher fast jedes Mal gelungen.

Gelegt: Ich soll den Fuß möglichst ruhig halten und mich nicht mehr als nötig bewegen. Dennoch sind die Krücken natürlich immer dabei. Inzwischen habe ich auch ganz gut raus, wie ich die so in Griffweite drapiere, dass sie nicht bei der ersten Gelegenheit laut scheppernd zu Boden fallen – siehe auch “geschockt”.

Gefallen: Bisher noch nicht. Toi, toi, toi!

Nun hoffe ich nur, dass ich keine OP brauche – genau weiß ich das erst nach der Computertomographie. Die ist kommende Woche angesetzt. Drückt mir die Daumen!

In diesem Sinne …

 

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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