Scheißverein

2016-11-30-scheissverein

In diesem Sinne, #Känguru #MarcUweKling #OxfordKarlsruhe

Initiativbewerbung-Online.de

initiativbewerbung-online

Die ersten E-Mails habe ich noch ernst genommen. Zum Beispiel die Bewerbung von einer freundlich dreinblickenden Dame mit ausländischem Namen. Gewundert hat mich nur das Berufsfeld, für das sich die Dame bewarb: Elektroingenieurin. Wie kommt die Dame darauf, dass wir bei dem regionalen Nachrichtenportal, für das ich arbeite, eine Elektroingenieurin brauchen?

Sie ist gar nicht darauf gekommen, das hat jemand anders für sie erledigt: die private Arbeitsvermittlung IPSER in Berlin. IPSER betreibt Webseiten wie Initiativbewerbung-Online.de, e-job.expert oder initiativbewerbungen.com. Hier wirbt man mit dem sogenannten „verdeckten Stellenmarkt“, also mit all jenen Arbeitsplätzen, die zwar da sind, aber nie ausgeschrieben würden und die man ausschließlich über Initiativbewerbungen erreichen würde. Dies seien, so habe Herr (Egon) Wahnsiedler, Gründer von IPSER, herausgefunden, circa 60 Prozent aller Stellen. Diese bräuchte der Bewerber aber nicht selbst zu finden, das übernimmt IPSER für ihn. Dazu erklärt IPSER großspurig und mit drei Ausrufezeichen: „Unser Ziel => ist Ihr Traumjob <= !!!“.

Wie das funktionieren soll, erklärt das Unternehmen so:
„Sie senden uns Ihre Bewerbungsunterlagen zu. Wir prüfen, ob eine Zusammenarbeit möglich ist. Wir senden Ihnen unsere Vertragsunterlagen zu.  Wir bereiten mit Ihnen zusammen Ihre i-Bewerbung vor. Wir versenden Ihre i-Bewerbung mit Ihrer Erlaubnis. Wir bearbeiten Ihre E-Mails und leiten Ihnen die positiven Rückmeldungen weiter. Sie führen die Vorstellungsgespräche und wählen den besten Arbeitsvertrag aus. Sie haben einen neuen Job!“

Bezahlt wird die Dienstleistung verteilt über 10 Monate, in denen ein erfolgreich vermittelter Bewerber jeweils 10 Prozent seines Brutto-Arbeitslohns an IPSER bezahlen muss – oder mit einem Gutschein von der Agentur für Arbeit. Letzteres dürfte nach meiner Einschätzung die häufigere Variante sein. Die Mehrheit der Bewerbungen, die ich bislang bekommen habe, kamen nämlich von Bewerbern, die aktuell arbeitssuchend gemeldet waren.

Und das waren einige: vom CNC-Dreher über einen Mathematiker bis zum SAP-Berater war fast alles dabei, allerdings keine einzige Bewerbung, die auch nur annähernd zu einem Online-Nachrichtenmedium oder zu der eigens ausgeschriebenen Initiativbewerber-Stelle gepasst hätte (über diese Ausschreibung informieren wir potenzielle Initiativbewerber, welche Bewerbungen bei uns Sinn ergeben – und welche nicht). Auch kamen die Bewerbungen normalerweise nicht über unsere, in allen Stellenausschreibungen angegebene, Bewerbung@-Adresse, sondern gingen ausschließlich an die E-Mail-Adresse info@. Viele Bewerber waren dem Namen und dem Geburtsort her ausländischer Herkunft, keine der Bewerbungen in irgendeiner Weise auf das Unternehmen zugeschnitten.

Das Interessanteste aber ist, dass in allen Bewerbungen ausschließlich eine E-Mail-Adresse von IPSER als Kontaktmöglichkeit angegeben wird. Eine Telefonnummer oder eine private E-Mail-Adresse des Bewerbers gibt es nicht. Bei IPSER begründet man das mit der Rundumbetreuung, die der Bewerber bekäme: IPSER hilft beim Zusammenstellen der Initiativbewerbungen, IPSER versendet diese und prüfte auch den Rücklauf. Mit anderen Worten: Wie viele vergebliche Bewerbungen initiativbewerbung-online.de, e-job.expert und Co. versenden und an wen, bekommt der Bewerber möglicherweise gar nicht mit. Ganz zu schweigen von dem seltsamen Beigeschmack, den es bei den meisten Unternehmen hinterlassen dürfte, wenn sich ein Bewerber nicht einmal mehr die Mühe macht, sich selbst um seine Bewerbung zu kümmern.

IPSER wirbt damit, über eine Millionen E-Mail-Adressen von potenziellen Arbeitgebern in seiner Datenbank zu haben. Sofern ich es beurteilen kann, werden diese auch großzügig genutzt. Im Netz finden sich mehrere Berichte von Arbeitgebern, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben wie ich (zum Beispiel hier oder hier). Gerne werden die Bewerbungen hier auch als „Spam“ bezeichnet, was es eigentlich ganz gut trifft, auch wenn es mir um die Bewerber leid tut, die sich mit ihren Unterlagen ganz offensichtlich Mühe gemacht haben (und ein Heidengeld bezahlen oder von der Arbeitsagentur bezahlen lassen, damit diese verschickt werden).

Als ich nach der siebten oder achten völlig unpassenden Bewerbung bei IPSER angerufen habe, um mich zu erkundigen, wie man darauf käme, dass ein Nachrichtenunternehmen einen CNC-Dreher bräuchte, bekam ich zunächst die routiniert klingende Auskunft, da sei sicher nur ein Fehler in der Datenbank, man würde mich aber umgehende aus dem Verteiler nehmen. Etwas unsicherer wurde der Mann am Ende der anderen Leitung allerdings, als ich ihn fragte, was wohl ihre Kunden und/oder die Agentur für Arbeit in Berlin mir erzählen würden, wenn ich sie auf die unnützen Bewerbungen ansprechen würde.

Geändert hat dies indes nichts. Die letzte Bewerbung kam gestern Abend: eine Diplomkartographin ist auf der Suche nach einer Stelle als Assistenz im Management, der Schulungs- und/oder Eventorganisation, gerne in einer international aufgestellten Firma. Stärken: Planung internationaler Meetings und Visabeschaffung. Perfekt passend also für ein regionales Nachrichtenportal.

In diesem Sinne, Initiativbewerbung gefällig, vielleicht online?

Gardasee

Gardasee

Aufgenommen im vergangenen Spätsommer in Malcesine am Gardasee. In diesem Sinne …

Mitte 37

Endlich bin ich da, wo ich mich ohnehin schon immer gesehen habe. Das sagt jedenfalls die Forschung. Mit 37 Jahren hat man genauso viele ältere wie jüngere Menschen um sich, haben amerikanische Wissenschaftler ausgerechnet. Man befindet sich also dem Alter nach erstmals tatsächlich genau da, wo man sich ohnehin immer schon gesehen hat: in der Mitte. Nicht alt, aber auch nicht jung. Das sagt jedenfalls das Süddeutsche Magazin.

Mir erscheint das schlüssig. Ich bin ohnehin überzeugt, dass die meisten Menschen sich bei den meisten Fragen irgendwo in der Mitte verordnen. Das fängt schon in der Schule an. In jeder Schulklasse gibt es die Coolen, es gibt die Streber und die Unangepassten. Man selbst hat natürlich zu keiner dieser Gruppen gehört, sondern war eher irgendwo in der Mitte. Ähnlich ist es bei der Einordnung der eigenen Leistung in vielen anderen Bereichen. Gefühlt ist da immer jemand, der einen besseren Job macht – aber auch mindestens einer (eher mehr), die weniger Leistung bringen. Man selbst ist also wieder einmal irgendwo dazwischen – in der Mitte eben.

Komisch an der ganzen Sache ist nur, dass es ja offenbar allen (oder zumindest fast allen) so zu gehen scheint. Befragen Demoskopen zum Beispiel eine repräsentative Gruppe Menschen, ob sie für eine höhere Besteuerung der Einkommen von Besserverdienenden sind, bekommen sie regelmäßig eine deutliche Mehrheit – weil kaum einer der Befragten sich selbst als Besserverdienenden sieht. Die meisten Menschen sehen sich eher in der Mitte, abweichend höchstens noch in der „unteren“ oder „oberen“ Mittelschicht.

Das ist zu kompliziert? Es geht auch einfacher: Man frage einfach mal jemanden in seinem Bekanntenkreis, der etwas besonders gut an, ob er selbst auch der Meinung ist, eben diese Sache gut zu können. Jede Wette, die Person wird früher oder später anfangen, Menschen aufzuzählen, die noch besser sind? Und selbst wenn es die nicht gibt, gibt es ja immer noch jemanden, der es zumindest besser hat, weil er eben diese Sache dafür ganz ohne Leistungsdruck tun kann.

So ist das eben. Irgendwie ist man irgendwo immer in der Mitte. In diesem Sinne …

Nachbarnacht

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Ich mag meine neue Nachbarschaft. Das war nicht immer so. Bei unseren ersten Spaziergängen, damals waren I. und ich noch auf der Suche, waren wir alles andere als begeistert. Zu steril, zu neu, zu tot.

Inzwischen ist das anders. Ich nehme sogar hin und wieder die Kamera mit, um für spontane Schnappschüsse gerüstet zu sein. Die mögen fotografisch gesehen keine Ausnahmebilder hervorbringen, fangen aber gerade deshalb ganz treffend ein, wie ich mein neues Zuhause wahrnehme.

Die neue Südoststadt ist an den meisten Stellen fertig. Trotzdem gibt es noch viele kleine und auch einige größere Baustellen. Im ersten Moment meint man, schnell alles gesehen zu haben. Gerade deshalb lohnt es, immer mal wieder in die Innenhöfe abzubiegen. Egal wie offen und gardinenlos viele der Wohnungen gehalten sind, die meisten Bewohner hier sind mir noch fremd. Vielleicht ist das ja sogar gut so. Auf jeden Fall fühle ich mich wohl, und das ist ja das Wichtigste.

In diesem Sinne, auf ein neues Zuhause!

Nacht-Camping

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Nachts bin ich wieder Camper. Zumindest komme ich mir so vor. Ich glaube, dies ist die erste Wohnung, in der das Kopfende des Bettes direkt am Fenster steht. Ich habe mir daher angewöhnt, die Rollläden nachts immer ein Stück weit geöffnet zu lassen. Das nährt die Illussion und lässt mich, das bilde ich mir jedenfalls ein, besser schlafen.

Als Kind bin ich mit meinen Eltern regelmäßig campen gefahren. Einen anderen Sommerurlaub konnte ich mir auch gar nicht vorstellen. Einer der entscheidenen Vorteile war, dass wir so nicht zwei, sondern normalerweise drei oder vier Wochen am Stück unterwegs waren. Hinzu kam, dass man als Kind auf einem Campingplatz normalerweise tun und lassen kann, was man will. So lange man abends zur vereinbarten Zeit wieder beim Wohnwagen war, war alles gut.

Während meine Eltern im Wohnwagen schliefen, übernachteten meine Schwester und ich in einem Zelt. Das war kaum größer als eine bessere Hundehütte, Grundfläche ungefähr zwei mal zwei Meter. Gerade genug für zwei Luftmatratzen und einen schmalen Gang dazwischen. Stehen konnte man in dem Zelt nicht, hatte aber dafür im Liegen eine wunderbare Aussicht nach draußen.

Das Zelt hatte vorne zwei Türen, die beide mit einem Reißverschluss geöffnet wurden. Die eine bestand aus einem wasserabweisenden Stoff, die zweite, dahinter angebracht Tür, war aus eine Art Fliegengitter. Oft war ich morgens schon deutlich vor meinen Eltern wach. Während ich wartete, dass mein Vater aufstehen würde und mit mir zum morgendlichen Schwimmen zum See gehen würde, öffnete ich Tür Nummer 1, so dass mich nur noch das Fliegengitter von Tür Nummer 2 von der Welt dort draußen trennte.

Hier war, auch zu dieser frühen Stunde, schon jede Menge los. Da das Leben auf Campingplätzen naturgemäß mehr draußen als drinnen stattfindet, gab es immer irgendetwas zu sehen. Zudem konnte man die noch kühle, verheißungsvolle Morgenluft genießen, ohne dabei auf die wohlige Wärme des Schlafsacks verzichten zu müssen. Als Kind habe ich das geliebt.

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Wenn ich jetzt morgens aufwache, ist es ähnlich. Zwar schlafe ich zwei Stockwerke höher als damals im Zelt, auch kann ich in der Wohnung durchaus aufrecht stehen. Trotzdem ist das erste, was mir morgens in die Nase steigt, die kühle Morgenluft, die durch das gekippte Fenster ins Zimmer strömt. Wenn ich den Kopf hebe, kann ich durch den Spalt zwischen Rolladen und Fensterbank sehen, wie die Wohnungen auf der gegenüberliegenden Seite des Innenhofs nach und nach zum Leben erwachen. Lichter werden eingeschaltet, in vielen Wohnungen beginnen Fernseher zu laufen oder ich sehe Menschen, die mit Kaffeebechern hin und herlaufen. Einzig das morgendliche Schwimmen im See ist komplizierter.

In diesem Sinne, man kann eben nicht alles haben …

Herbst

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Handyschnappschuss der Ronsdorfer Talsperre im Herbst. In diesem Sinne …