Einfach einfach

Es ist so einfach. Das ist es, was ich an den Motels in den USA so mag. Pass und Kreditkarte über den Tresen reichen, keine zwei Minuten später hat man die Schlüsselkarte für das Zimmer und das WLAN-Passwort in der Hand. Noch schneller geht nur das Auschecken am nächsten Tag: Schlüsselkarte in die „Check-Out-Box“ einwerfen, fertig. Das Auto parkt ja ohnehin direkt vor dem Zimmer – man hat es mit dem Koffer also auch nicht weit.

Vielleicht liegt es an der Größe des Landes. Während es in Deutschland eigentlich kein Ziel gibt, das man mit dem Auto nicht an einem Tag erreichen kann, kann es in den USA sein, dass man schon bei der Fahrt von einem in den nächsten Bundesstaat eine Übernachtung einplanen muss. Was allerdings nicht so schlimm ist: selbst in kleinen Ortschaften, in denen es nicht einmal einen Supermarkt gibt, findet sich in der Regel ein Motel, das auf Durchreisende eingestellt ist.

Vielleicht mögen es die Amerikaner auch einfach unkompliziert. Dafür sprechen Restaurantketten, die überall im Land gleich aussehen, das gleiche Menü anbieten und sich alle paar Autobahnausfahrten wiederholen. Dafür spricht auch, dass auch viele der genannten Motels nach dem selben Prinzip funktionieren. Als gäbe es im ganzen Land nur ein einziges Geschäft, von dem sämtliche Motelketten ihre Einrichtung beziehen müssen –  Ausnahme sind nur bei der Wahl der Wasserhähne erlaubt.

Ich finde das allerdings überhaupt nicht schlimm. So gerne ich auf Reisen ungewöhnliche Restaurants, interessante Kneipen und schöne Hotels entdecke, so beruhigend habe ich es bei unseren bisherigen USA-Touren empfunden, dass die Grundinfrastruktur eigentlich überall gleich aussieht und die gleiche Ausstattung bietet, mal mit, mal ohne Pool. Der Tag war in der Regel so vollgestopft mit neuen Eindrücken, dass es gut tat, hier so etwas wie eine Konstante zu haben (auch wenn man natürlich auch hier abseits der bekannten Ketten durchaus tolle Erfahrungen machen kann!).

In diesem Sinne, mehr von den beiden US-Roadtrips gibt es hier.

Beaver

Wir waren zu Fuß unterwegs. Das muss reichlich komisch ausgesehen haben. Niemand geht hier zu Fuß. Bürgersteige gibt es kaum. Verlässt man die breite Hauptstraße, die zugleich der Highway 15 von Salt Lake City nach Las Vegas ist, gar keine mehr. Der Asphalt der Straße geht übergangslos in einen Grünstreifen aus ungleichmäßig wachsendem Gras über. Der ist mal breiter und mal schmaler, je nachdem wie weit die Vorgärten der meist aus Holz gebauten Einfamilienhäuser an die Straße herangerückt sind.

Beaver, Utah, ist kein großer Ort, zumindest nicht gemessen an der Bevölkerungszahl. Nur rund 2600 Menschen leben laut dem letzten Zensus hier, der allerdings im Jahr 2004 stattfand. Betrachtet man Beaver via google maps, scheint der Ort kaum mehr zu sein als ein langgezogener Fleck, der nach oben hin breiter zu werden scheint. Ein paar Straßen im Nichts, mehr nicht.

Trotzdem fühlt Beaver sich nicht klein an, jedenfalls nicht im räumlichen Sinne. Vielmehr hat man das Gefühl, als würde Beaver an seinen Rändern dalí’est zerfließen. Die schnurgerade und im rechten Winkel von der Main Street abgehenden Stichstraßen enden nicht, sie verlieren sich irgendwo in der Prärie. Gleiches gilt fast für die weiter außen stehenden Wohnhäuser. Oft sind sie so weit weg von der Straße gebaut, als wollten sie nicht wirklich dazugehören, geschweige denn sich formell einer Adresse zuordnen lassen. Nicht immer kann man sagen, wo Wildnis anfängt und wo Vorgarten beginnt. Einen groben Eindruck vermittelt höchstens die amerikanische Fahnen, die in praktisch jedem Vorgarten hängt.

Der berühmteste Sohn des Ortes ist Butch Cassidy, ein Bank- und Eisenbahnräuber zu Zeiten des Wilden Westens, dessen Leben 1969 unter dem Titel „Zwei Banditen“ mit Paul Newman und Robert Redford in den Hauptrollen verfilmt wurde. Auch wir fragen uns, ob wir womöglich demnächst festgenommen werden, als sich von hinten plötzlich ein Auto nähert und langsam abbremst. Noch immer sind wir weit und breit die einzigen Menschen, die zu Fuß unterwegs sind. Und dann fotografieren wir auch. Das ist sicher verdächtig. Einbrecher auf Kundschaftertour oder so. Doch der Pick-Up hinter uns stoppt nicht. Herrchen wie Hund im Auto winken uns nur freundlich zu, während sie an uns vorbeifahren, um wenig später auf eines der Wohnhäuser zuzuhalten.

Wir laufen zurück zu unserem Motel. Davon gibt es in Beaver mehrere. Der Ort eignet sich zwar nicht direkt als Ausgangspunkt für die beiden nächstgelegenen Nationalparks, Zion und Bryce Canyon. Er ist aber nach amerikanischen Verhältnissen gerechnet noch dicht genug dran, um als Ersatz-Übernachtungsort zu fungieren, wenn die näher gelegenen Unterkünfte ausgebucht oder schlicht zu teuer geworden sind. Wir schlafen gut in dieser Nacht.

In diesem Sinne, ruhig auch mal abseits der Route umschauen! Mehr USA-Berichte und Bilder gibt es hier.

PS: Natürlich gibt es in Beaver auch ein Telefonbuch. Allerdings ist das nicht nur ein einfaches Telefonbuch. Es ist „the best phone book in town“!

Tierchen

Der Erste Rim-Walk-Teilnehmer ist schon da. Aufgenommen im Bryce Canyon Nationalpark. In diesem Sinne …

Panguitch II

Es war komisch, wieder hier zu sein. Zumal es erst ausgesehen hatte, als würde es dieses Mal zumindest mit der Übernachtung nichts werden: Panguitch war ausgebucht!

Ausgerechnet dieser kleine Ort, der im Reiseführer nur nebenbei erwähnt wird (in manchen Ausgaben gar nicht), für uns aber trotzdem sinnbildlich für das stand, was uns bei unserer ersten Western-USA-Tour vor zwei Jahren so gefallen hatte: diese unglaubliche Weite, nur unterbrochen von den kleinen Ortschaften, in denen der Highway zugleich Haupt- und Durchgangsstraße ist. Spontan hatten wir damals zwei Nächte hier verbracht. Und jetzt das: Kein freies Motel mehr zu bekommen.

Vielleicht lag es daran, dass Samstag war und Panguitch, wenn auch vom Reiseführer vernachlässigt, der perfekte Ausgangspunkt für einen Ausflug in den Bryce Canyon Nationalpark ist. Möglicherweise waren wir auch einfach zu spät dran. Statt in Panguitch übernachteten wir also in einem Ort mit dem schönen Namen Beaver (worüber ich vielleicht später noch schreiben werden), reservierten aber online direkt für die nächste Nacht ein Zimmer in Panguitch. Auch der Zion Nationalpark ließ sich von dort schließlich gut erreichen.

Das Motel vom letzten Mal war nicht mehr frei, dafür ein anderes Haus nahe dem Ortseingang. Das Foto oben habe ich am Türrahmen unseres Zimmers lehnend mit dem Handy gemacht. Das war, kurz bevor die Horde Kinder mit dem Eselkopf vorbei gerannt kam. Die Maske, ein kleines Kunstwerk aus Stoff und Plüsch, sah einem echten Eselkopf verblüffend ähnlich und ließ sich vollständig über den Kopf ziehen. Keine Ahnung, was die Kids damit bezweckten. Aber offensichtlich hatten sie Spaß.

Später gingen I. und ich durch den Ort, um etwas zu essen. Vor zwei Jahren hatten wir hier in einem BBQ-Laden ein tolles Abendessen bekommen. Doch heute war Sonntag und (fast) ohne Ausnahme alles geschlossen, inklusive aller Restaurants. Tatsächlich schienen eine ganze Reihe der wenigen Geschäfte an der Hauptstraße auch gar nicht mehr öffnen zu wollen. Schilder im Schaufenster kündigten Geschäftsaufgabe und Alles-muss-raus-Verkäufe an.

Geöffnet war nur die Tankstelle an der Ecke Main Street – Center Street, wo der schnurgerade nach Süden verlaufende Highway einen 90-Grad-Knick in Richtung Osten macht. Die hatte dafür aber sogar ein paar Tische im Verkaufsraum stehen. Dazu gab es eine Art Warmhaltetheke, wo hinter Plexiglas frittierte und anschließend verschieden marinierte Hähnchenflügel lagen. Dazu gab es eine Auswahl scharfer Soßen, die allesamt in kleine Plastikverpackungen eingeschweißt waren, und ebenfalls frittierte Kartoffelecken, die pro Stück bezahlt werden mussten.

Es war vielleicht nicht das beste Essen unserer Reise, aber mit Abstand das preiswerteste. Irgendwas um die neun Dollar haben wir für zwei Personen bezahlt. Und irgendwie hatte es ja auch was, mit Blick auf die Zapfsäulen Hähnchenflügel zu abzuknabbern, während die Dorfjugend auf Fahrrädern ihre Runden um die Tankstelle drehte.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal, Panguitch!

PS: Mehr USA-Berichte und Bilder gibt es hier.

Letterboxes

Man kennt das ja aus dem Fernsehen: diese länglichen Briefkästen mit dem kleinen Fähnchen an der Seite, das der Briefträger hochklappt, wenn er etwas in den Briefkasten zugestellt hat. So sieht der Bewohner der vielleicht eine halbe Meile weit entfernt liegenden Ranch, dass er Post hat, und muss nicht fünf Mal umsonst zum Briefkasten laufen.

Für mich waren diese Briefkästen irgendwie typisch USA. Trotzdem ist man überrascht, dass es das wirklich gibt. So wie ich beim ersten gelben Schulbus dachte: Wahnsinn, ein gelber Schulbus, wie im Fernsehen! Eigentlich ein komischer Reflex, denn wieso sollte sich jemand so etwas nur fürs Fernsehen ausdenken?

In welch großer Zahl an manchen Ecken diese Briefkästen stehen, hat mich indes auch bei unserem zweiten Besuch wieder verwundert. Das Foto oben wurde zum Beispiel am Highway 79 nahe dem Lake Cuyamaca aufgenommen. Immer wieder standen hier ganze Briefkastenbatterien am Straßenrand, während man die dazugehörigen Häuser nur mit viel Mühe irgendwo in der Ferne erkennen konnte.

Der Sinn der Bündelung ist klar: der Briefträger, der hier mit Sicherheit nicht mit dem Fahrrad unterwegs ist, braucht nur einmal halten und kann gleich die Post für mehr als ein Dutzend Briefkästen loswerden. Außerdem sieht es auch ganz hübsch aus, so inmitten der gefühlten Einsamkeit des amerikanischen Westens.

In diesem Sinne, das Briefeschreiben nicht vergessen!

PS: Mehr USA-Reiseberichte und Fotos gibt es hier.

Jump’n’Run-Leben

Das Leben ist ein Jump’n’Run-Spiel. Man könnte auch sagen: Das Leben ist Super-Mario-Land. Es geht immer nur vorwärts. Lässt man eine Blume aus, hat man Pech gehabt. Denn egal wie heftig man den kleinen Mario nach links gegen den Bildschirmrand rennen lässt, es geht nicht mehr zurück. Was einmal aus dem Sichtfeld verschwunden ist, bleibt es auch.

Allerdings ist nach vorne gar nicht so einfach. Das Leben Die Programmierer legen einem immer wieder neue Hindernisse in den Weg. Mario muss Schluchten überspringen und fiese Tiere bekämpfen. Meist tut er das zu Fuß, in einem Level darf er sogar in ein U-Boot steigen, in einem anderen ein Flugzeug fliegen.

Die unterschiedlichen Level waren bei Super-Mario-Land in sogenannte Welten zusammengefasst, an deren Ende ein Endgegner stand, den man besiegen musste. Je nach Welt war das mehr oder weniger schwierig. Je weiter man kam, desto aufregender wurde es. Zwischenspeichern konnte man nicht, zumindest nicht bei der ersten Mario-Land-Version, die ich damals auf dem Gameboy gespielt habe. Hatte man alle Leben verloren, musste man ganz von vorne anfangen. Je nach Religion passt das ja auch irgendwie ins Bild.

Das Komische war, dass ich anfangs ganz versessen darauf war, Super-Mario-Land endlich einmal bis zum Ende durchzuspielen. Die ersten Level kannte ich schon recht gut, weil ich sie oft bei Freunden gespielt hatte, die früher als ich einen Gameboy besessen hatten. Jetzt wollte ich wissen, was danach kommt. Also spielte ich Super-Mario-Land, wieder und wieder, und jedes Mal kam ich ein bisschen weiter als beim Mal davor. Verlor ich durch Unachtsamkeit schon früh ein Leben, startete ich neu, denn ich wollte nicht ohne Reserven ins letzte Level starten.

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wie es war, als ich es das erste Mal bis ganz zum Ende geschafft habe. Gut weiß ich allerdings noch, dass ich das Spiel anschließend nur noch selten gespielt habe.

Während des Lebens Spiels ist einem das ja gar nicht so klar, weil man so damit beschäftigt ist, das nächste Hindernis zu überspringen und weiter vorwärts zu kommen. Aber spätestens nachdem man den letzten Endgegner überwunden hat, merkt man, dass es eigentlich gar nicht darum geht, endlich bis zum letzten Level zu kommen. Der Weg ist das Ziel. Das Spiel selbst ist der Spaß, nicht das Ankommen am Ende des letzten Levels.

In diesem Sinne, hier könnt Ihr Super-Mario-Land übrigens online spielen!

Los Angeles

Eher ein Zufallsschnappschuss auf dem Weg zum Sonnenuntergang in Redondo Beach. Hat mich überrascht, wie diesig L.A. Ende September sein kann. In diesem Sinne …