Nicht minderjährig

Ob das Absicht war? Muss wohl, denn diese Bildunterschrift wurde inzwischen diverse Male bei Twitter und Co. kommentiert, ohne dass Heise etwas daran geändert hätte. Mir hat sie den Morgen gerettet – das erste Mal schallend gelacht heute. Danke an die Kollegen von heise.de (Link führt zum Artikel in voller Länge).

Wobei ich lügen würde, wenn ich behaupten würde, das schallende Lachen sei nicht mit einem Wermutstropfen einhergegangen. Denn auch wenn ich einerseits nachvollziehen kann, dass der eine oder andere Redakteur über das Phänomen Youtube-Star den Kopf schüttelt, wer es einfach als Kinderei abtut, denkt zu kurz – was dann in dem Artikel ja auch relativ ausführlich behandelt wird. Die Industrie dahinter ist längst zu groß und zu einflussreich, um sie als bloße Lächerlichkeit abzutun.

Andererseits: Jugendkulturen hat es immer gegeben. Dass ich und die Kollegen von heise.de hier schlicht nicht mehr hinterherkommen, ist Teil der Definition. Was allerdings nicht heißt, dass wir uns in unseren Berufen nicht mehr damit auseinandersetzen sollten.

In diesem Sinne, youtube – was?

Vergriffen

Gute Laune ist offenbar bereits vergriffen. Trotzdem eine nette Idee vom FabLab Karlsruhe, finde ich. In diesem Sinne, hat noch wer gute Laune übrig?

Passengers

Als die Schwerkraft wegbleibt, wird Jennifer Lawrence von der Schwimmerin zur Gefangenen. Sie sitzt fest in einem gewaltigen, frei in der Luft schwebenden Wassertropfen. Das ist dann allerdings auch schon die stärkste Szene des Filmes, was mehr an den Special Effects und weniger an Jennifer Lawrence liegt. Leider, denn die Grundidee des Films „Passengers“ hätte mehr hergegeben als das, was Regisseur Morton Tyldum daraus gemacht hat.

Die Zukunft. Längst ist der Weltraum nicht mehr die Domäne von Staaten. Das private Unternehmen Homestead verdient Billiarden damit, neue Planeten zu kolonialisieren, indem es auswanderwillige Menschen für viel Geld dorthin fliegt. Der Haken dabei: die neuen Welten liegen so weit von der Erde entfernt, dass die Reise dorthin 120 Jahre dauert. Um überhaupt lebend dort anzukommen, lassen sich die neuen Bewohner also in eine Art künstlichen Winterschlaf („Hyperschlaf“) versetzen, aus dem sie erst wenige Monate vor der Landung wieder aufgeweckt werden.

Bei diesem Flug allerdings geht etwas schief. Der Mechaniker Jim Preston (Chris Pratt) wird wegen eines technischen Defekts zu früh geweckt. Eingelullt von der vollautomatischen Weckroutine, die ihn aus seiner Schlafkapsel in seine Kabine und später in das erste, ebenfalls vollautomatische Einführungsseminar für Neu-Bewohner der Kolonie „Homestead II“ lotst, braucht er eine Weile, bis er realisiert: Er ist der einzige wache Mensch auf dem 5000-Passagiere-Luxusweltraumkreuzer Avalon. Verbleibende Flugzeit: 90 Jahre.

Wieder einschlafen? Technisch unmöglich. Kommunikation mit der Homestead-Kundenhotline? Mit Antwort ist frühestens in 53 Jahren zu rechnen. Hilfe von der Besatzung? Nicht zu erwarten, denn diese schläft hinter einer gut gesicherten Metalltür, die sich weder mit dem Schweißbrenner noch mit dem Vorschlaghammer öffnen lässt. Der einzige quasi-menschliche Lichtblick für Preston ist „Arthur“ (Michael Sheen), der Androiden-Barkeeper mit menschlichem Oberkörper, der hinter der Bar des Raumschiffes unermüdlich Gläser poliert – „wenn ich nichts tue, macht das die Gäste nervös.“

Der Sündenfall von „Passengers“ kommt nach dem ersten Drittel des Films. Nach über einem Jahr auf der „Avalon“ entscheidet sich der an seiner Einsamkeit verzweifelnde Preston, eine weitere Passagierin zu wecken, die Journalistin und Autorin  Aurora Lane (Jennifer Lawrence). Es entspinnt sich eine ziemlich langweilige, weil für die prekäre Situation viel zu gradlinige Liebesgeschichte, die nach einem weiteren Jahr an Bord mit einem großen Knall endet. Als Lane herausfindet, dass sie nicht etwa durch eine Fehlfunktion aus dem Schlaf gerissen, sondern von Preston vorsätzlich geweckt wurde, verweigert sie jeden weiteren Kontakt. Für die Abende in der Bar werden, wie es sich bei einer vernünftigen Trennung gehört, wechselnde Tage vereinbart – „Heute ist Dienstag, da gehört Arthur mir“.

Nun nimmt der Film plötzlich Fahrt auf. Nicht nur häufen sich die Fehlfunktionen auf dem Raumschiff, einschließlich der eingangs beschriebenen Szene mit dem Ausfall der künstlichen Schwerkraft. Auch betritt plötzlich ein dritter Mensch die Bühne, um kurz darauf wieder von ihr zu verschwinden: Deckoffizier Gus (Laurence Fishburne) wird ebenfalls von einer Fehlfunktion aus dem Hyperschlaf gerissen, stellt nach kurzer Analyse fest, dass es irgendwo auf der Avalon einen schwerwiegenden Schaden gibt, der für die sich häufenden Fehlfunktionen verantwortlich ist und das Schiff in absehbarer Zeit ganz zerstören wird. Anschließend diagnostiziert der vollautomatische Schiffs-Doc auch bei Gus eine ganze Reihe von „Fehlfunktionen“ und konstatiert trocken: „Der Sterbeprozess hat bereits begonnen, aber diese Sedativa werden Ihnen helfen, die Schmerzen zu ertragen“.

Wieder auf sich gestellt, sehen sich Preston und Lane plötzlich vor der Aufgabe, nicht nur ihre eigenen Leben, sondern auch die Leben der 4998 übrigen Passagiere und der Besatzung retten zu müssen, denn der Reaktor der Aurora steht kurz vor der Explosion.

Achtung – Spoiler!
Was folgt ist Hollywood-Actionkino in Reinform: Preston riskiert sein eigenes Leben, um einen Reaktor-Entlüftungsschacht per Hand zu öffnen, wird von Lane gerettet und findet schließlich sogar einen Weg, wie er Lane – nur Lane! – wieder in den Hyperschlaf versetzen könnte. Die entscheidet sich dagegen, weil sie sich ein Leben ohne Preston nicht mehr vorstellen kann. Beide leben glücklich und zufrieden auf der Avalon weiter. Als die Crew 90 Jahre später als erstes aus dem Hyperschlaf erwacht, sind Preston und Lane tot. Was bleibt, ist Lanes Buch, in dem sie die ganze Geschichte erzählt, und ein von Preston gepflanzter Baum im ansonsten metallisch-kargen Hauptraum des Raumschiffes.

Keine Frage, „Passengers“ ist ein interessanter Film. Alleine Gedanke, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und 120 Jahre in der Zukunft auf einem anderen Planeten ein neues zu beginnen, würde als Grundlage für eine abendfüllende Diskussion ausreichen. Im Film wird dieser Gedanke allerdings mit ein paar Sätzen abgehandelt und dann zu Gunsten der faden Liebesgeschichte zwischen Preston und Lane zurückgestellt. Auch die vermeintliche Unfehlbarkeit der Technik, die ja Voraussetzung für 120 Jahre Autopilot ohne jede menschliche Kontrolle ist, wird nur ganz am Rande thematisiert, als sich die Bordelektronik des Schiffes strikt weigert, die Fehlfunktion von Prestons Schlafkabine anzuerkennen.

Hinzu kommt, dass der Trailer zu „Passengers“ eine ganz andere Geschichte erzählt als der Film selbst. Das Hauptthema des Films – die Schuld, die Preston auf sich lädt, als er Lane aus dem Hyperschlaf weckt und damit quasi „ermordet“, wie Lane ihm später vorwirft – kommt hier gar nicht vor. Statt dessen wird der Eindruck erweckt, es gehe statt dessen um die vermeintlich mysteriösen Umstände, die für das vorzeitige Aufwachen der beiden Protagionisten verantwortlich sind.

Dass der Film am Ende doch Spaß macht, liegt vor allem an zwei Dingen: Einmal, dass man über die Grundprämissen des Films natürlich trotzdem ganz wunderbar nachdenken kann, zum anderen an der wirklich großartig in Szene gesetzten technischen Beschränktheit von Roboter-Barkeeper „Arthur“. Auch in dieser vermeintlich hochentwickelten Zukunft findet dieser zwar für jedes Problem eine passende Kalenderspruch-Antwort, ignoriert dabei aber souverän alles, was nicht sein kann, weil es ja nicht sein darf. Sehr menschlich eigentlich.

In diesem Sinne, viel Spaß im Kino!

Scheißverein

2016-11-30-scheissverein

In diesem Sinne, #Känguru #MarcUweKling #OxfordKarlsruhe

Mitte 37

Endlich bin ich da, wo ich mich ohnehin schon immer gesehen habe. Das sagt jedenfalls die Forschung. Mit 37 Jahren hat man genauso viele ältere wie jüngere Menschen um sich, haben amerikanische Wissenschaftler ausgerechnet. Man befindet sich also dem Alter nach erstmals tatsächlich genau da, wo man sich ohnehin immer schon gesehen hat: in der Mitte. Nicht alt, aber auch nicht jung. Das sagt jedenfalls das Süddeutsche Magazin.

Mir erscheint das schlüssig. Ich bin ohnehin überzeugt, dass die meisten Menschen sich bei den meisten Fragen irgendwo in der Mitte verordnen. Das fängt schon in der Schule an. In jeder Schulklasse gibt es die Coolen, es gibt die Streber und die Unangepassten. Man selbst hat natürlich zu keiner dieser Gruppen gehört, sondern war eher irgendwo in der Mitte. Ähnlich ist es bei der Einordnung der eigenen Leistung in vielen anderen Bereichen. Gefühlt ist da immer jemand, der einen besseren Job macht – aber auch mindestens einer (eher mehr), die weniger Leistung bringen. Man selbst ist also wieder einmal irgendwo dazwischen – in der Mitte eben.

Komisch an der ganzen Sache ist nur, dass es ja offenbar allen (oder zumindest fast allen) so zu gehen scheint. Befragen Demoskopen zum Beispiel eine repräsentative Gruppe Menschen, ob sie für eine höhere Besteuerung der Einkommen von Besserverdienenden sind, bekommen sie regelmäßig eine deutliche Mehrheit – weil kaum einer der Befragten sich selbst als Besserverdienenden sieht. Die meisten Menschen sehen sich eher in der Mitte, abweichend höchstens noch in der „unteren“ oder „oberen“ Mittelschicht.

Das ist zu kompliziert? Es geht auch einfacher: Man frage einfach mal jemanden in seinem Bekanntenkreis, der etwas besonders gut an, ob er selbst auch der Meinung ist, eben diese Sache gut zu können. Jede Wette, die Person wird früher oder später anfangen, Menschen aufzuzählen, die noch besser sind? Und selbst wenn es die nicht gibt, gibt es ja immer noch jemanden, der es zumindest besser hat, weil er eben diese Sache dafür ganz ohne Leistungsdruck tun kann.

So ist das eben. Irgendwie ist man irgendwo immer in der Mitte. In diesem Sinne …

Verwirrte Möbel

2016-10-25-moebel-regal

Möbel verwirren mich. Nicht die losen Blattsammlungen mit kryptischen Zeichnungen, die jeder Möbellieferung beiliegen. Auch nicht die kleinen Schrauben in den durchsichtigen Plastiksäckchen, von denen man anfangs nicht weiß, wofür man sie eigentlich braucht, und die am Ende doch irgendeine wichtige Funktion erfüllen. Es sind die Möbel selbst, die mich aus dem Konzept bringen.

Seit etwas über einem Monat wohnen I. und ich in dieser wunderbaren, großen, hellen und auch sonst perfekten Wohnung. Ich fühle mich pudelwohl und freue mich jeden Tag darüber, wie viel Glück wir hatten, hier einziehen zu können. Jeden Tag wird die Wohnung ein bisschen wohnlicher, ein bisschen mehr unsere Wohnung, und ich genieße das sehr. Trotzdem laufe ich manchmal durch die fast 100 Quadratmeter und frage mich: brauchen wir das wirklich alles?

Ich bin oft umgezogen in meinem bisherigen Leben. Mein Rekord liegt bei vier Umzügen in einem Jahr. Berufsbedingt, ich wusste, worauf ich mich einlasse. Dass ich nun seit über sechseinhalb Jahren am selben Ort wohne ist die Ausnahme, nicht die Regel. Immer wieder habe ich darüber geschrieben, wie wichtig es mir ist, beweglich zu bleiben. Ich habe den Autor Uwe Timm zitiert und dessen Protagonisten aus dem Roman Rot, Thomas Linde:  „Ein Koffer, eine Tasche. Das ist mein Hausstand. Ich kann jederzeit weiterziehen.“

Die meisten unserer Möbel passen nicht in einen Koffer und eine Tasche. Eigentlich keine davon. Mehr noch: ich befürchte sogar, dieser Umzug war der letzte, den wir noch ohne professionelle Hilfe stemmen konnten. In den vergangenen paar Wochen wurden so viele Regale, Sofateile, Schrankfragmente, Bettteile und Matratzen geliefert, dass ich mich frage, wie wir diese Wohnung überhaupt jemals wieder gegen eine andere tauschen können. Es wird vermutlich Wochen brauchen, alles wieder auseinander zu schrauben, in einen Möbelwagen zu verladen und woanders wieder neu aufzubauen.

Eben das verwirrt mich. Es ist noch nicht so lange her, dass mein kompletter Hausstand in einen Ford Fiesta mk4 passte. Ein Umzug war eine Sache von ein paar Stunden, nicht Tagen. Und jetzt bin ich zusammen mit I. auf einmal stolzer Besitzer einer Einbauküche inklusive Spülmaschine, nenne ein riesiges Sofa und einen Fernsehsessel mein Eigen und kann bei einem dringendem Bedürfnis zwischen Badezimmer und Gäste-WC wählen. Bin das noch ich?

Natürlich bin ich das! Und auch wenn ich noch nicht genau weiß, wohin das alles in meinem Kopf eigentlich führen wird, genieße ich es.

In diesem Sinne, ich gehe dann mal ins Bad … oder ins Gästebad.

Großartig

In diesem Sinne, manchmal auch an die Zukunft denken!