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Die Zeit rast oder: Roadtrip-Papa und andere komische Vergleiche

Vielleicht ist das mit Kindern wie mit dem Urlaub. Die ersten Tage ist alles neu und aufregend. Die Zeit, die vor einem liegt, scheint endlos. Doch dann gewöhnt man sich daran. Man entwickelt Routinen. Das passiert sogar dann, wenn man einen Roadtrip macht und ständig den Ort wechselt. Oder eben mit Kindern, die jeden Tag neue Ideen haben. Man gewöhnt sich an die Veränderung. Die Zeit scheint trotzdem irgendwann immer schneller zu vergehen. Am Ende rast sie und ehe man sich versieht, ist die Reise schon wieder vorbei. Oder die Kinder sind erwachsen und aus dem Haus.

Gemessen an diesem Bild bin ich gerade erst losgefahren. Meine Tochter wird in ein paar Tagen 19 Monate alt. Bis sie auszieht wird es wohl noch ein paar Tage dauern – auch wenn sie schon jetzt ganz selbstverständlich ihren Eimer und ihre Schippe unter den Arm klemmt und mit einem fröhlichen „bye, bye“ in Richtung Sandgrube auf dem Spielplatz los läuft, ohne sich auch nur einmal umzudrehen.

Trotzdem spüre ich schon jetzt die Beschleunigung. Anfangs wurde das Alter noch in Tagen gemessen. Dann wurden daraus Wochen und irgendwann Monate. Mit dem ersten Geburtstag wurde auch diese Zählweise wieder grobmaschiger – abzulesen auch an den Beiträgen auf diesem Blog. Eineinviertel Jahre, eineinhalb Jahre … Nicht mehr lange und es sind wirklich nur noch ganze Jahre, fürchte ich.

Doch nicht nur die Zählweise hat sich geändert. Die Zeit beginnt immer wieder zu verwischen. Auch hier greift wieder die Analogie zum Urlaub. In den ersten Tagen kann zumindest ich mich normalerweise noch sehr gut erinnern, welche Orte wir in welcher Reihenfolge besucht, was wir gemacht und wo wir übernachtet haben. Je länger ich unterwegs bin, desto schwieriger wird das. Spätestens nach einer Woche muss im Reisetagebuch zurückblättern, um mich zu orientieren.

Nicht anders ist es bei unserer Kleinen. Das erste Mal selbstständig auf den Bauch gedreht, das erste Krabbeln, der erste Schritt, das erste Wort – all das waren große Momente und ich konnte auf den Tag genau sagen, wie alt sie war. Inzwischen muss ich das meiste nachlesen, wenn ich es auf dem Zeitstrahl genau einordnen will

Und ich befürchte, das wird nicht besser. Wird es im Urlaub ja auch nicht. Ehe ich mich versehe werden aus 19 Monaten ebenso viele Jahre – und spätestens dann werde ich mir eingestehen müssen, dass es viel zu schnell ging. Dass ich die Zeit womöglich gar nicht richtig genossen habe. Dass meine eben noch selig auf meinem Bauch schlafende Tochter eine erwachsene Frau geworden ist und den Teufel tun wird, auf meiner Brust einzuschlafen.

Doch hey, wenn ich schon den Vergleich mit dem Roadtrip-Urlaub bemühe: ist nicht irgendwo auch der Weg das Ziel? Am Ende kann ich aus dem Kopf zwar nicht mehr sagen, an welchem Ort wir am zweiten Tag der dritten Woche gestoppt haben. Ich blicke aber auf einen großartigen Urlaub zurück. Eine Erinnerung, die sich aus unzähligen vielleicht undatierten, aber trotzdem großartigen Erlebnissen und Ereignissen speist. So wird es auch mit dem Erwachsenwerden meiner Tochter sein. Ganz bestimmt.

In diesem Sinne, gute Fahrt und frohes Altern!

 

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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