Kinderfrage mit Zucker

Früher, als ich noch klein war, gab es bei meinen Eltern regelmäßig „Kinderfrage mit Zucker bestreut“. Zumindest sagten sie das. Probieren durfte ich dieses besondere Gericht freilich nie. Denn „Kinderfrage mit Zucker bestreut“ war die Standardantwort meines Vaters, wenn ich ihn zum fünften Mal hintereinander mit der Frage nervte, was es heute zum Mittagessen geben würde.

Natürlich war auch dem vier- oder fünfjährigen Stöpsel, der ich damals war, schnell klar, dass „Kinderfrage mit Zucker bestreut“ gar kein echtes Essen war. Und doch klang es so lecker! In meinem Kopf formten sich sofort Bilder von einem warmen Kuchen mit einer ganz besonderen Zuckerglasur oder eine Art süßes Brot. Sofort lief mir das Wasser im Mund zusammen, und ich bettelte meinen Vater an, mir doch bitte diese Scherzantwort wirklich zu kochen.

Inzwischen bin ich etwas älter geworden. Süßes esse ich nur noch selten. Den Effekt von damals kenne ich aber weiterhin. Manchmal reicht ein Wort und schon startet das entsprechende Kopfkino. „Mekong“ ist so ein Wort. Bei der Erwähnung des Flusses in Südostasien muss ich sofort an Filme wie „Hotel very welcome“ oder „A Map for Saturday“ denken. Die Bilder aus dem Film mischen sich dann mit meinen eigenen Erinnerungen. Ich mit einem kalten Beer Lao auf einer hölzernen Restaurant-Plattform über dem Fluss. Oder ich in einem klapprigen Tuk Tuk auf dem Weg von Nong Khai  in Richtung laotische Grenze.

Erwischt mich so ein Wort wie „Mekong“ im richtigen Moment, würde ich am liebsten sofort  den nächsten Flieger nach Bangkok nehmen. Oder nach Buenos Aires. Oder nach Sydney. Oder, oder, oder. Gleichzeitig ist mir allerdings auch klar, dass ich hier in die gleiche Falle tappe wie als Fünfjähriger. Was sich bei der Erwähnung des Wortes Mekong in meinem Kopf abspielt hat mit dem, wie eine solche Reise tatsächlich ablaufen würde, in etwa so viel zu tun wie damals das tatsächliche Mittagessen mit „Kinderfrage mit Zucker bestreut“.

Als ich damals in Südostasien unterwegs war, war ich gerade mit meinem ersten Studium fertig. Ich hatte nur eine vage Ahnung davon, was ich auf dieser Reise erleben würde. Noch weniger konkret waren meine Pläne für die Zeit danach. Ich wusste ja noch nicht einmal genau, wann ich nach Deutschland zurückkehren würde. Was abzuschließen war, hatte ich abgeschlossen. Alles danach würde ich komplett neu anfangen müssen. Ich war jung und anspruchslos, was Transport, Hotels und Hostels anging. Vielleicht war ich auch ein bisschen naiv, was ich rückblickend als durchaus vorteilhaft für die Reise bewerten würde.

Heute wäre das anders. Würde ich versuchen, genau die gleiche Reise noch einmal zu machen und das gleiche Gefühl von Freiheit noch einmal zu empfinden, würde ich binnen kürzester Zeit gnadenlos scheitern – so wie mein Vater scheiterte, mir etwas zu kochen, was auch nur annähernd an meine Vorstellung von „Kinderfrage mit Zucker bestreut“ heranreichte. Ständig würde ich Phantasie und Wirklichkeit vergleichen, wobei letztere fast immer den kürzeren ziehen würde.

Trotzdem würde ich nicht sagen, dass es unmöglich ist, eine tolle Erfahrung wie diese erste richtig große Reise zu wiederholen. Ich war seitdem immer wieder unterwegs und jedes Mal war es eine tolle Erfahrung. Die Kunst besteht einfach darin, sich vorab nicht all zu sehr darauf zu konzentrieren, was man sich vorgestellt hat oder wie es beim letzten Mal gewesen ist. Eine Regel, die man übrigens auch auf viele alltägliche Erlebnisse anwenden kann. Meist hat man dann mehr davon.

In diesem Sinne: Das Bild zeigt übrigens mich auf dem Boot bei der Überfahrt von Surat Thani nach Ko Samui in Thailand. Als das Foto gemacht wurde war ich 25 Jahre alt.

PS: Gleiches Foto, ähnlicher Gedanke: The Beach.

Travemünde

Handyschnappschuss am Abend in Travemünde vergangenen Monat. In diesem Sinne, Gruß an die Ostsee!

(M)ein Lied?

Anfangs habe ich noch danach gesucht. Ich habe mir online die verschiedenen Billboard-Charts von Argentinien und Chile aus der Zeit rausgesucht. Dann habe ich einen Titel nach dem anderen bei youtube und Co. eingegeben. Stunden habe ich damit zugebracht, Lied für Lied aufzustöbern und anzuhören. Eines davon musste es doch sein!

Als ich im November und Dezember 2004 in Argentinien und Chile unterwegs gewesen war, hatten sie das Lied gefühlt mindestens einmal pro Stunde im Radio gespielt. Keine der Busfahrten, von denen die längste immerhin 37 Stunden gedauert hatte, war ohne dieses eine Lied ausgekommen. Die Melodie war eingängig, der Text spanisch. Ich mochte es und freute mich jedes Mal, wenn es lief. Er wurde schnell zu einer Art Hymne für mich, ein Soundtrack des südamerikanischen Teils meiner Weltreise.

Das galt insbesondere deswegen, weil mir in der dritten Woche meiner Weltreise mein Tagesrucksack samt MP3-Player gestohlen worden war. Wollte ich Musik hören, war ich auf Musik von außen angewiesen – ein Radio in einem Café oder die Musikauswahl in einer Kneipe, zum Beispiel. Oder eben das Radio im Bus.

In den südamerikanischen Bussen lief die meiste Zeit ein Fernseher. Manchmal hatte ich Glück und es gab einen amerikanischen Film mit spanischen Untertiteln. Manchmal wurden aber auch synchronisierte Fassungen gezeigt oder es liefen gleich originär spanische oder südamerikanische Filme. Hier verstand ich dann wenig bis gar nicht. Kurz nach der Abfahrt und kurz vor der Abfahrt allerdings schaltete der Busfahrer oft das Radio ein. Dieses eine Lied war dabei so präsent, dass ich mir nie die Mühe machte, den Titel oder den Namen der Band oder des Interpreten rauszusuchen. Bis das Lied plötzlich weg war.

Von Santiago de Chile flog ich weiter nach Auckland, Neuseeland. Wie ungewohnt, plötzlich Englisch sprechen zu können und von allen verstanden zu werden! Überhaupt fühlte sich Neuseeland, obwohl am anderen Ende der Welt gelegen, viel näher an Europa gelegen an als Argentinien oder Chile. Fast ein bisschen wie England, nur weniger dicht besiedelt und und etwas weiter abseits gelegen halt. Dass etwas fehlte, fiel mir erst später auf – und ich vergaß es auch schnell wieder.

Erst als ich einige Monate später wieder zurück in Deutschland war – nach Neuseeland hatte ich noch in Australien, Thailand und Laos Station gemacht und war herumgereist – und ich anfing, die Reise und meine Erinnerungen nach und nach gedanklich zu sortieren, fiel mir dieses eine Lied wieder ein. Ich begann zu suchen. Das tue ich bis heute, wenn auch inzwischen deutlich seltener als damals.

Dummerweise bin ich nicht einmal sicher, ob ich das Lied nicht längst gefunden habe. Inzwischen ist die Reise so lange her, dass ich mich praktisch gar nicht mehr an das Lied erinnern kann. Anfangs dachte ich noch, ich würde es schon merken, wenn ich es erst einmal gefunden habe. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr sicher. Selbst wenn mein Gedächtnis mich selbst immer mal wieder überrascht, woran es sich noch erinnern kann, wenn man es nur mit den richtigen Attributen füttert, würde ich dafür inzwischen nicht mehr die Hand ins Feuer legen.

Ich habe das Lied in einem für mich sehr besonderen Moment entdeckt. In diesem Moment hat es mir viel bedeutet. Aber vielleicht ist es wie mit einem Wein, der einem am Urlaubsort unglaublich gut schmeckt, sich aber nach der Rückkehr zuhause, wo es kein Meer und keinen romantischen Sonnenuntergang am Strand gibt, schnell als saure, pelzig schmeckende Plörre herausstellt. Vielleicht suche ich etwas, das ich, ohne es zu merken, längst gefunden habe; das mich zwar in einem bestimmten Moment sehr berührt hat, ohne diesen Moment aber völlig wirkungslos ist, und das ich deswegen gar nicht wiederfinden kann.

In diesem Sinne, gute Reise und so!

LondonPubMuseum

Eigentlich habe ich im Titel dieses Posts schon (fast) alles geschrieben, was es zu schreiben gibt. Fast.

Am Wochenende waren I. und ich für einen Kurzbesuch in London. Meine beste Freundin J. hat die erste Hälfte ihrer Hochzeit gefeiert. Die zweite Hochzeitshälfte folgt übernächsten Monat in Deutschland – wie man das eben so macht, bei Doppelpass-Hochzeiten.

Für mich war es die erste britische Hochzeitszeremonie, der ich beiwohnen durfte. Ich fand es großartig. Der Standesbeamte war die perfekte Mischung aus britischem Traditionsbewusstsein gepaart mit diesem herrlich-unterschwelligen britischen Humor. Gefeiert wurde, typisch britisch eben, in einem Pub nahe dem Haus des Paares, herrlich untouristisch in Croydon im Süden Londons. Das Pub kannte ich schon von früheren Besuchen, allerdings haben wir das erste Mal im wirklich schönen Backyard sitzen können. Sonst war es dafür immer zu kalt gewesen.

Trotz des engen Zeitplans – Landung am Freitagabend, Feier am Samstag und Rückflug am Sonntagmittag – haben I. und ich es geschafft, noch einer zweiten Londoner Institution zu huldigen: dem kostenfreien staatlichen Museum. Weil wir am Samstag ohnehin viel zu früh wach waren – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Baustelle vor unserem Fenster! – sind wir vormittags noch nach London reingefahren und haben die National Gallery besichtigt. I. war vor 15 oder mehr Jahren zuletzt hier gewesen, mein letzter Besuch lag auch schon zwei oder drei London-Trips zurück. Über Westminster ging es anschließend per Zug ab London Bridge zurück nach East Croydon.

Pub und Museum. Das zeigen die beiden Bilder oben. Für ich beides typisch London. Warum London für mich inzwischen einerseits fast so etwas wie ein Routineziel ist, habe ich erst im Dezember nach meinem letzten Besuch ausführlich beschrieben. Trotzdem ist jeder Besuch anders. Erst in der Erinnerung fangen die zahlreichen Reisen an, sich zu einem Gesamtbild zu vermengen. Das ist mir spätestens an dem Punkt bewusst geworden, als ich versucht habe, mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal in der National Gallery gewesen bin. Ganz ähnlich war es, als wir nach der Ankunft am Freitag noch auf ein Bier in einem Pub in Croydon eingekehrt sind.

In diesem Sinne, LondonPubMuseum und so!

The Beach

Es gibt diese Momente, da sieht man in einer Minute plötzlich 13 Jahre vor sich. Das heißt, eigentlich sieht man sie hinter sich. Auslöser kann ein Bild sein, ein bestimmter Song oder ein sogar Geruch. Bei mir war es heute ein Film. „The Beach“ schlug Netflix mir vor, als ich genug von meinem Hörbuch hatte und nach etwas Unterhaltung für die restlichen 40 Minuten auf dem Crosstrainer suchte.

Schon während der ersten Szenen, in denen Protagonist Richard kurz nach seiner Ankunft übermüdet durch Bangkok streift, Schlangenblut trinkt und irgendwann in einem Hostel landet, war ich nicht mehr im Fitnessstudio. Ich war in Thailand, sah mich auf einem Plastikstuhl in irgendeinem der unzähligen kleinen Restaurants in der Soi Rambuttri sitzen und viel zu scharfen thailändischen Rindfleischsalat essen. Vor allem aber sah ich, wie viel Zeit seitdem vergangen ist.

13 Jahre ist es her, dass ich meinen Rucksack gepackt habe und zum Flughafen gefahren bin. Ich hatte damals gerade mein erstes Studium beendet und, um das nötige Kleingeld zu verdienen, für ein paar Monate gejobbt. Am 1. November ging mein Flug. Von Düsseldorf über London und Sao Paulo nach Buenos Aires, dem Startpunkt meiner Weltreise, deren letzte Station Thailand gewesen war.

Lange war diese Reise in meinem Denken sehr präsent. In meiner Wohnung in Berlin, die ich ein halbes Jahr nach meiner Rückkehr bezog, pinnte ich einige der Fotos von der Reise an die Küchenwand, direkt gegenüber von meinem Esstisch. Die Reiseführer, mit denen ich meine Tour geplant hatte, standen ganz oben in meinem Bücherregal. Manchmal, wenn das Fernweh besonders schmerzte, nahm ich sie wieder in die Hand und blätterte mich sehnsüchtig durch die besuchten Orte.

Als ich aus Berlin wegzog, war die Weltreise vier Jahre her. Ich wohnte erst ein halbes Jahr in Ravensburg, dann kurz in Radolfzell und etwas länger in Konstanz am Bodensee. Bei meinem Umzug nach Karlsruhe knapp zwei Jahre später war die Weltreise bereits sechs Jahre her. Die Fotoalben von damals – ja, die sind tatsächlich noch analog – kamen nicht direkt mit, sondern blieben übergangsweise im Keller meiner Eltern. Ich holte sie allerdings irgendwann nach. Hin und wieder blättere ich gerne darin.

Ich bin nicht sicher, ob ich den Film „The Beach“ vor oder erst nach der Weltreise gesehen habe. Das gleichnamige Buch von Alex Garland hatte ich definitiv vorher gelesen, quasi zur Vorbereitung. Trotzdem erinnert mich der Film jedes Mal an meine eigene Tour. Gerade am Anfang zeigt er genau das, was ich in Bangkok auf der Thannon Khao San, in Surat Thani oder auf Ko Samui selbst erlebt und gesehen habe.

Heute allerdings erinnert er mich vor allem an das, was ich nicht gesehen habe. Weder im Buch (erschienen 1996) noch im Film (aus dem Jahr 2000) gibt es Smartphones. Es gibt kein Internet und nirgendwo drücken Reisende auf ihren iPads herum, während sie auf Plastikstühlen sitzen und scharfen Rindfleischsalat essen. Es existierten kein „Free WLAN“-Schilder. Statt dessen warben die Restaurant mit Filmtiteln. Je aktueller und exklusiver diese Filmtitel waren, die ab dem frühen Nachmittag und bis in den späten Abend gezeigt wurden, desto besser besucht war das Lokal. Ob es sich bei den gezeigten Videos um Originale oder (schlechte) Raubkopien handelte, war zweitrangig.

Heute dürfte das anders sein. Vermutlich würde ich Bangkok nicht einmal wiedererkennen. Mehr noch: Ich würde auch nicht noch einmal auf dem selben Flughafen landen, denn kurz nach meiner Reise damals nahm der neue Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi seinen Betrieb auf. Alle internationalen Flüge landen nun hier. Und – let’s face ist – mit einem Film kann heutzutage kein Restaurant mehr einen Backpacker locken.

An all das dachte ich, während ich die ersten Szenen von „The Beach“ schaute. Der Film hatte für mich eine bestimmte Erinnerung konserviert. Nie hatte ich darüber nachgedacht, dass der Film und damit meine Erinnerung irgendwann veraltet sein könnte. Dabei ist genau das schon vor Jahren geschehen.

In diesem Sinne, das Foto oben zeigt mich übrigens bei der Überfahrt von Surat Thani nach Ko Samui vor 13 Jahren …

Peng!

Da hat jemand auf uns geschossen! Das war zumindest mein erster Gedanke. Der laute Knall; die geborstene Scheibe; die Splitter, die plötzlich ins Wageninnere regneten. Kommt doch immer mal wieder vor, dass Verrückte auf der Autobahn mit Kleinkalibergewehren wahllos um sich schießen, dachte ich mir.

Wobei: dachte? Nein, gedacht habe ich eigentlich nicht. Es war Freitagabend, kurz nach halb sieben, und wir waren auf der A6 in Richtung Norden unterwegs, als das Fenster auf der Fahrerseite plötzlich explodierte. Ich fuhr nicht all zu schnell, höchstens 120 Stundenkilometer auf der mittleren Spur. Mehr ließ der dichte Berufsverkehr um uns herum ohnehin nicht zu. Gedacht habe ich erstmal gar nichts, sondern nur reagiert.

Da hat jemand auf uns geschossen! Zum Glück kam da dieser Rastplatz. Blinker setzten, vorsichtig rüberziehen auf die rechte Spur, dann auf den Verzögerungsstreifen, abbremsen und die nächste freie Parkbucht ansteuern. Durchatmen. I. war OK, das war das Wichtigste. War ich verletzt? Nein. Nur ein paar Splitter Sicherheitsglas im Kragen.

Wenn wirklich jemand auf uns geschossen hatte, müsste entweder ein Projektil irgendwo im Auto liegen oder es müsste ein Austrittsloch auf der anderen Fahrzeugseite geben, oder? Oder gilt das nur für großkalibrige Waffen. Da kann sich ja auch jemand mit einem Luftgewehr einen Streich erlaubt haben. Oder Steine geworfen haben. Eine Seitenscheibe zerplatzt doch nicht einfach so in tausend Teile, oder doch?

Anruf bei der Polizei, sicher ist sicher. Der Beamte am anderen Ende hört ruhig zu. Ein Schuss sei in seinen Augen unwahrscheinlich, sagt er. Trotzdem sei es gut, dass ich angerufen hätte. Er stellt ein paar Fragen, gibt irgendwann Entwarnung. Wahrscheinlicher sei ein technischer Defekt. Sei selten, käme aber vor.

Der nächste Anruf gilt der Leasinggesellschaft, über die meine Firma den Wagen gemietet hat. Die Frau am anderen Ende ist nett, aber völlig durcheinander. Eine Seitenscheibe, die einfach so explodiert. Das hat sie noch nie gehört. Sie wisse gar nicht, ob das nun unter Panne falle (=Leasingfirma zahlt) oder Unfall (=Versicherung muss zahlen). Sie verspricht, sich zu kümmern und zurückzurufen.

I. und ich warten. Die Sonne ist inzwischen untergegangen. Ein Auto steuert den Parkplatz neben uns an, sieht die geborstene Scheibe und fährt eilig weiter. Langsam wird es kalt und wir lassen immer mal wieder den Motor laufen, damit der zwangsbelüftete Innenraum nicht komplett auskühlt. Dann ruft die Frau von der Leasingfirma zurück. Glasschäden würden als Unfallschäden behandelt. Eine Reparatur vor Ort sei um diese Zeit nicht mehr möglich. Man werde einen Abschleppwagen schicken und einen Mietwagen organisieren.

Der Abschleppwagen kommt. Nein, der Auftrag habe ihn nicht um seinen Feierabend gebracht, erzählt der Fahrer. Seine Schicht fange gerade erst an. Zehn abgeschleppte Fahrzeuge pro Nacht, das sei normal, und wir wären jetzt nun einmal das Erste. Geplatzte Scheibe? Ohne Fremdeinwirkung? Nein, das sei auch für ihn neu.

Das Handy klingelt. Wir hätten einen Mietwagen reserviert, sagt die Stimme am anderen Ende. Der Fahrer würde nun losfahren und sei in 30 bis 60 Minuten da. Es werden 75, doch das ist jetzt auch egal. Wurde auf uns geschossen? Wohl nicht. Trotzdem hat es sich genau so angefühlt und angehört. Statt nach Wuppertal fahren I. und ich nun zurück nach Karlsruhe. Es ist kurz vor 21 Uhr abends, unter normalen Umständen wären wir jetzt in Wuppertal oder zumindest kurz davor.

In diesem Sinne, wir sind beide froh, dass nicht mehr passiert ist!

Bar-Bär

Ich mag ihn, gerade weil er offenbar gerne am Tresen sitzt: der Bär des Best Western Hotels in Parsdorf in der Nähe von München.

In diesem Sinne, Prost und so, Bär!