Desillussionierend Frauen

Männerdomäne

Wir sind das starke Geschlecht. Wo könnten wir das unserer Partnerin besser zeigen, als im Fitnessstudio? Sollte man jedenfalls meinen. Komisch, dass die meisten Männer gerade zwischen Hanteln und Gewichten besonders schwach werden.

Ich mag es, bei meiner Aufwärmrunde auf dem Crosstrainer Paaren zuzugucken, die ihre erste Trainerstunde haben. Vielleicht liegt es daran, dass ich mal Soziologie studiert habe. Es hat etwas von einer Sozialstudie. Während sie nämlich meist locker und unkompliziert ausprobieren, mit dem Trainer (oder der Trainerin!) scherzen und in der Regel relativ entspannt wirken, ist der dazugehörige Freund oder Mann meist das genaue Gegenteil.

Angespannt, ungeschickt und wortkarg öffnet er den Mund höchstens zum Atmen oder um seiner Freundin etwas zuzuflüstern. Seine Bewegungen sind fahrig, meist krampfhaft kontrolliert, als hätte er Angst, durch zu viel Lockerheit unangenehm aufzufallen. Es gefällt ihm nicht, dass er etwas falsch machen können. Das ist das Problem.

Vielleicht ist das Rollenklischee doch tiefer verankert, als wir uns selbst eingestehen wollen. Männer fragen nicht gern nach dem Weg, weil wir glauben, dass wir den Weg kennen müssten. Tief in uns drinnen sind wir eben doch lauter kleine Möchtegern-Leithammel, die wenigstens in der Beziehung gern die Hosen an hätten.

Im Fitnessstudio dürfen wir nicht sagen, wo es langgeht. Das verwirrt uns um so mehr, als dass wir uns doch hier eigentlich in einem ur-männlichem Terrain wähnen. Traurig eigentlich, dass wir so einfach durcheinander zu bringen sind.

In diesem Sinne, viele Grüße an meinen Muskelkater!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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