Frauen Gedankenwelten

Mitgedacht

Ich denke viel. Ich denke auch gern. Ich denke allerdings am liebsten für mich. Darum finde ich es auch extrem anstrengend, wenn ich gezwungen bin, andauernd noch für jemand anderen mitzudenken. Vor allem möchte ich nicht mehr andauernd für Anne mitdenken.

Anne heißt natürlich nicht wirklich Anne. Ihr wirklicher Name tut aber nichts zur Sache. Allerdings würde Anne sich vermutlich nicht mal beschweren, wenn ich sie hier namentlich nennen würde. Sie beschwert sich überhaupt sehr selten. Das finde ich so anstrengend an ihr.

Weil Anne so gut wie nie sagt, ob ihr etwas gefällt oder nicht, muss ich das tun. Wenn ich mit Anne zusammen bin, muss ich also permanent für zwei denken: für mich – und für sie.

Das fängt schon an, wenn wir ins Kino gehen. Weil Anne selten eine Präferenz äußert (haben tut sie die sehr wohl!), ist es an mir, ihren und meinen Geschmack gegeneinander aufzuwiegen. Weil Anne auf „wollen wir noch bleiben oder willst Du gehen?“ meist mit „ist mir egal“ antwortet, überlege ich nicht nur, ob ich müde bin und ins Bett möchte. Gleichzeitig versuche ich auch immer abzuschätzen, wie wach Anne wohl noch ist.

Klar, ich könnte einfach nur nach meinem Kopf leben. Allerdings ist das sogar noch anstrengender, als für zwei zu denken. Denn auch wenn Anne sich so gut wie nie beschwert, sie ist einfach unglaublich gut darin, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn ich mal nur an mich gedacht habe. Vielleicht ist Anne nicht gut für mich. Dumm nur, dass sie das anders sieht. Zumindest in meinem Kopf.

In diesem Sinne, was denkt Ihr?

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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