47,1 Jahre

Ich werde sterben. Nicht sofort, hoffe ich zumindest, und auch nicht in nächster Zeit. Aber in 47,1 Jahren. Das sagt jedenfalls population.io, eine Webseite des Weltdatenlabors in Wien.

Diese Vorhersage basiert rein auf statistischen Daten und ist daher natürlich nur ein grober Anhaltspunkt. Weder werden persönliche Lebensumstände abgefragt, noch sonstige Daten. Jeder Deutsche, der am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich, bekommt den gleichen Sterbetag angezeigt. Gibt man ein anderes Heimatland an als Deutschland, wird die Lebenserwartung entsprechend angepasst. Genau darum geht es nämlich eigentlich: die unterschiedlichen Lebenserwartungen in unterschiedlichen Ländern der Welt deutlich zu machen. Ein komisches Gefühlt ist es trotzdem, diese Zahl so vor sich zu sehen.

Die Webseite spuckt noch eine Reihe weiterer Daten aus. Sie berechnet beispielsweise, wie viele Menschen zum jetzigen Zeitpunkt älter und wie viele jünger sind als ich (jünger: 4.583.614.206, älter: 2.919.657.760) oder wann ich der fünfmilliardenste Mensch auf der Welt sein werde, also an welchem Tag es fünf Milliarden Menschen gibt, die jünger sind als ich (20. August 2020). Außerdem spuckt sie aus, dass ich 2406 Tage länger leben werde als der durchschnittliche Weltbürger.

Die unheimlichste Zahl, die die Webseite bereitstellt, ist das Datum, an dem ich – rein statistisch gesehen – sterben werde: am 20. November 2064. Unheimlich ist diese Angabe vor allem deshalb, weil sie so konkret ist.

2064 – das klingt erstmal nach einer Menge Zeit. Dieser Gedanke relativiert sich allerdings sofort, wenn ich mir zum Beispiel vor Augen führe, wie schnell die letzten zehn Jahre vergangen sind. Oder wenn ich mir bewusst mache, dass der Abstand von heute zum Jahr 2064 der gleiche ist wie von heute zum Jahr 1970. Jedes Modell, das den Klimawandel in die Zukunft extrapoliert, arbeitet mit Jahreszahlen weit jenseits meines statistischen Sterbedatums.

Andererseits ist 2064 eigentlich weit später, als ich eigentlich gedacht hätte. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass der Mensch seine statistische Lebenserwartung im Schnitt um 7 Jahre zu niedrig einschätzt. Das kommt bei mir ganz gut hin. Allerdings sind diese Zahlen für sich genommen ziemlich egal. Entscheidend ist, dass wohl niemand auf die Frage, wie lange er oder sie wohl leben wird, mit „unendlich“ antworten wird. Und doch benehmen wir uns oft so.

Unser Leben ist endlich, wie die meisten wenn nicht sogar alle Dinge im Leben. Doch während wir diese Tatsache oft sehr genau einkalkulieren, ignorieren wir sie hier. Niemand würde sagen: „Wir wissen zwar nicht, ob wir noch fünf oder 50 Liter Benzin im Tank haben, aber den Umweg über 200 Kilometer nehmen wir gerne in Kauf“. Gleichzeitig haben die meisten Menschen kein Problem damit, Jahre zu verschwenden mit Jobs, die sie nicht mögen, mit Menschen, die ihnen eigentlich nichts bedeuten, oder Angewohnheiten, die sie längst ablegen wollten. Geht es um Veränderungen in ihrem Leben, planen sie gerne mit einem „Später“, von dem sie gar nicht wissen, ob sie dafür noch genügend Jahre im Tank haben.

Andererseits stelle ich es mir ziemlich schlimm vor, wenn ich tatsächlich jetzt schon wüsste, wann genau mein Leben zu Ende ist. Der Druck, die Zeit bis dahin optimal zu nutzen, würde vermutlich für das genaue Gegenteil sorgen: am Ende hätte ich zwar ein perfekt geplantes Leben gelebt – und ich wäre totunglücklich damit.

Das geht nicht nur mir so. Befragt man Menschen, ob sie ihren genauen Todeszeitpunkt wissen wollen würden, wenn sie denn könnten, antworten normalerweise die meisten mit „nein“. Vermutlich ist der menschliche Geist für solche Informationen schlicht nicht gemacht. Wollen wir auch bei allen möglichen anderen Dingen – siehe Tankanzeige – so genaue Infos wie möglich, hier endet unser Durst nach klaren Fakten. Komisch eigentlich, findet Ihr nicht?

In diesem Sinne, ein Hoch auf das Nicht-Wissen!

Stalkscan

Manchmal finde ich es unheimlich. Nicht das Tool, dessen Screenshot ich oben eingebunden habe. Stalkscan.com zeigt nichts an, was man mit etwas geschicktem Rumklicken nicht auch selbst herausgefunden hätte. Es gibt diverse solche Tools, die meist auf „graph search“ aufsetzen, eine Funktion, die Facebook zwar schon 2014 aus seinen Menüs entfernt, aber trotzdem nie abgeschaltet hat. Richtig eingesetzt fördert diese Funktion zum Beispiel zu Tage, auf welchen Bildern seiner Freunde man verlinkt wurde, mit wem man zur Schule gegangen ist und in welchen Posts man von anderen markiert wurde.

Das mag auf den ersten Blick unheimlich wirken. Denkt man allerdings ein wenig über das Grundprinzip von Facebook nach, ist es eigentlich nur logisch, dass so etwas möglich ist. Viel unheimlicher finde ich, wie selbstverständlich es für uns geworden ist, dass es so etwas wie Facebook überhaupt gibt.

Ich bin kein Gegner von Facebook. Ich frage mich nur hin und wieder, wie es wohl gewesen wäre, wenn es etwas derartiges schon zu meiner Schulzeit gegeben hätte. Ich erinnere mich noch gut dran, wie aufregend es für mein 14-jähriges Ich sein konnte, über drei Ecken endlich den Namen des Mädchens aus der Parallelklasse herauszubekommen, das man nun schon seit drei Wochen aus den Augenwinkeln auf dem Schulhof beobachtete.

Heute bekäme ich zusammen mit dem Namen womöglich auch Fotos vom letzten Urlaub, eine Liste mit all ihren Freundinnen und wüsste, was sie am Vortag zu Abend gegessen hat. Abhängig natürlich immer davon, welche Privatsphäreneinstellungen sie gewählt hat und wie mitteilungsbedürftig sie auf Facebook und Co. unterwegs ist. Vielleicht hätte ich sogar den Namen eher über Facebook und nicht über drei Ecken erfahren.

Gleiches gilt natürlich auch andersrum. Ich erinnere mich, dass ich es als pubertärer Teenager manchmal schon schwer fand, einfach nur ganz normal von A nach B zu gehen. Wie wirke ich auf andere? Bin ich cool genug? Sitzt die Jeans auch gut? Sind meine Haare noch in Ordnung?

Wie anstrengend muss es sein, sich außerdem ständig Gedanken über seine virtuelle Präsenz bei Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, Youtube und in den diversen WhatsApp-Gruppen zu machen?

Andererseits ist das für einen Jugendlichen, der mit all dem aufwächst, vermutlich unvorstellbar, dass es einmal anders war. Den heimlichen Schwarm nicht via Facebook „stalken“ zu können, sondern extra einen Bus früher zu nehmen, damit man einander zufällig über den Weg läuft. Anrufen zu müssen, weil es noch kein WhatsApp gibt. Am Telefon hoffen, die betreffende Person selbst zu erwischen, damit man nicht wieder für eine misstrauische Mutter zwei Mal den eigenen Namen wiederholen muss, bevor der Hörer weitergereicht wird.

Der Programmierer von stalkscan hat übrigens angegeben, dass er sein Tool gar nicht ins Netz gestellt hat, um Online-Stalking zu erleichtern. Vielmehr ginge es ihm darum, zu sensibilisieren, welche Infos alle frei verfügbar bei Facebook abrufbar sind.

In diesem Sinne, viel Spaß in der Gegenwart!

Danke o2

Die Kurzfassung: Wenn man o2 seine neue Adresse mitteilt, kostet das 1,29 EUR. o2 nennt das „Adressrecherche“. Die erste Frage, die o2 stellt, wenn man sich darüber beschwert, lautet: „Bitte senden Sie uns daher zusammen mit Ihrer Anfrage die folgenden Informationen per E Mail: Ihre aktuelle Adresse“

OK, das war unfair. Die Kurzfassung wird o2 in keinster Weise gerecht. Fairer ist eine Langfassung. Für die erste Reaktion hat o2 schließlich auch lange 6 Wochen gebraucht.

Alles fing damit an, dass ich umgezogen bin. Dass ich noch einen alten o2-Handyvertrag hatte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt zwar noch, es stand aber sicher nicht auf Platz eins meiner mentalen to-do-Liste, o2 meine neue Adresse mitzuteilen. Wozu auch: per Post hatte ich das letzte Mal von diesem Vertrag gehört, als er noch unter der E-Plus-Marke „Base“ lief. Ich hatte den Vertrag, bei dem man seinerzeit nach Belieben „Flats“ fürs Telefonieren, SMSen und Surfen dazubuchen und wieder abbestellen konnte, schon vor Jahren auf Null gesetzt und ihn seitdem auch nicht wieder aktiviert.

Zum Glück gibt es den Nachsendeauftrag der Deutschen Post, der nicht nur dafür sorgt, dass Briefe den Weg in den neuen Briefkasten finden, sondern die neue Adresse auch gleich an die Unternehmen weitergibt, die auch schon die alte Adresse in ihrer Datenbank haben (Datenschutzrechtlich ist das Verfahren durchaus streitbar, zumal die Post auch als Adresshändler auftritt, aber das ist ein anderes Thema).

o2 bekam die neue Adresse also durch die Deutsche Post mitgeteilt und konnte meine Vertragsdaten aktualisieren. Weil Aktualisieren aber so ein langweiliges Wort ist und vor allem so gar nicht nach einer Leistung klingt, für die man sich doch auch Geld nehmen könnte, deklarierte das Telekommunikationsunternehmen den Vorgang einfach um:

„Adressrecherche“ – ja, das klingt gut. Und natürlich der Hinweis, dass man sich für den Auftrag bedanke, den man gerne entgegen genommen habe, das macht die Sache doch erst richtig rund. Übrigens nicht nur bei mir: googelt man nach o2 und Adressrecherche findet man zig Beispiele von Menschen, die hier für einen Auftrag zu Kasse gebeten werden, den sie gar nicht erteilt haben. Auch im Kundenforum von o2 häufen sich hierzu die Beschwerden. o2 selbst reagiert dabei stets kulant und erklärt, den Betrag mit der nächsten Rechnung wieder gutzuschreiben. Dies geschieht natürlich nur, wenn der Kunde sich aktiv beschwert. Tut er es nicht, kassiert o2.

Ich habe mich beschwert und im gleichen Zug meinen Vertrag per E-Mail gekündigt. Mit einem Unternehmen, dass so mit seinen Kunden umgeht, möchte ich nichts zu tun haben. Von o2 wurde die Kündigung zunächst sehr ruhig aufgenommen. Sehr ruhig sogar, ich bekam nämlich gar keine Reaktion. Auch auf Nachfrage hin: Schweigen. Bis sich o2 nach sechs (sechs!) Wochen dann doch meldete: Man wolle mein Anliegen gerne bearbeiten, aus Sicherheitsgründen bräuchte man allerdings dafür unter anderem – lachen Sie nicht – meine Adresse.

Die Frage, ob das dann noch einmal 1,29 Euro kosten würde, habe ich mir verkniffen. Auch den Hinweis, dass es wieder mal interessant ist, wie schnell man online einen Vertrag abschließen kann, wie kompliziert es aber ist, ihn online wieder zu kündigen. Statt dessen habe ich o2 die gewünschten Daten geschickt. Zweieinhalb Wochen ist das nun her. Passiert ist seitdem: nichts. Es bleibt also spannend.

Aktualisierung 23. März:

Wie naiv ich war! Sechs Wochen sollen lang sein? Nicht für o2. Heute, inzwischen also fast auf den Tag genau fünf Monate (!) nachdem ich mich bei o2 beschwert habe und dreieinhalb Monate, nachdem o2 mich bat, ich möge Ihnen doch bitte meine Adresse mitteilen, damit sie meine Beschwerde hinsichtlich der Recherche derselben bearbeiten können, hat sich o2 wieder gemeldet – mit der Bitte, ich möge doch meine Adresse mitteilen.

Aktualisierung 4. April:

Ein halbes Jahr – so lange hat es gedauert, bis o2 mit die Kündigung bestätigt hat. Zwar werde ich in der entsprechenden E-Mail mit „Herr Schmidt“ angeschrieben und auch sonst wirft o2 noch einiges durcheinander, aber unterm Strich scheine ich es hinter mir zu haben. Zumindest hoffe ich das. Kann natürlich auch sein, dass ein gewisser Herr Schmidt demnächst nicht mehr telefonieren kann …

In diesem Sinne, danke o2!

 

Großartig

In diesem Sinne, manchmal auch an die Zukunft denken!

Sommer (nicht?)

Aus gegebenem Anlass und weil Volker Strübing das gerade empfiehlt:

Wobei ich natürlich korrigierend einwerfen muss: Gerne wieder Sommer! Ich freue mich nämlich schon jetzt auf …

  • lange Abende auf dem Balkon
  • noch längere Abende im Biergarten
  • kalte Duschen, weil nichts anderes mehr gegen die Hitze hilft
  • Fahrradtouren, vor denen man in Sonnencreme baden muss
  • darauf, die normale Brille zu vergessen, weil man ohnehin nur noch die Sonnenbrille trägt
  • das Jammern über die Hitze im Radio
  • Abkühltipps quer durch alle Medien
  • kaltes Bier im Freien
  • Sommergewitter
  • Currywurst mit Pommes im Freibad
  • den Sommerhit 2o16
  • den ständigen Geruch von Sonnencreme in der Nase
  • kurze Hosen
  • Urlaubsplanung

In diesem Sinne, worauf freut Ihr Euch?

Minus 10

2016-03-12-Beton

Ist das aufregend! Ich bin nur noch zehn Beiträge von meinem 1000. Post entfernt! Behalte ich meine aktuelle Veröffentlichungsfrequenz bei, dürfte der noch vor dem 9. Geburtstag von Felix‘ Welt online gehen. Der ist nämlich erst im Juli.

Zugegeben: damals hätte ich nicht gedacht, dass mein Blog dann überhaupt noch online sein würde. Eigentlich habe ich überhaupt nichts gedacht. Vielmehr habe ich etwas gesucht, das mich von meiner Masterarbeit ablenkt. Blogs führten damals eher ein Nischendasein, das teilweise als noch auf Plattformen wie myspace.com stattfand. Auf die Idee, das Bloggen zum Hauptbroterwerb zu machen, wäre damals vermutlich niemand gekommen – korrigiert mich, wenn Ihr da Eurer Zeit voraus gewesen seid. Trotzdem gefiel mir die Idee, eben keine Homepage im klassischen Sinn zu haben, sondern statt dessen immer mal wieder kurze Texte zu veröffentlichen.

Die ersten, die damals von Felix‘ Welt erfuhren, waren die Menschen, die ich einige Jahr zuvor per Mailverteiler über meine Weltreise auf dem Laufenden gehalten hatte. An eben diesen Verteiler, etwa 60 E-Mail-Adressen, hatte ich nach den ersten Posts eine kurze Info geschickt, dass ich nun auch einfach so, ohne Reise, ins Internet schreiben würde.

Die erste Reaktion kam von einer Ex-Freundin. Sie schrieb, dass sie auf diesem Verteiler wohl inzwischen nichts mehr zu suchen hätte. Ich hätte die Adressliste wohl doch etwas genauer checken sollen … Abgesehen davon habe ich in den vergangenen (fast) neun Jahren eigentlich durchweg positives Feedback auf mein Blog-Experiment bekommen. Manchmal schreiben mir sogar komplett fremde Menschen, dass und manchmal sogar, warum sie Felix‘ Welt lesen. Fairerweise muss ich dazu sagen: solche E-Mails sind dann doch eher die Ausnahme als die Regel. Um so mehr freue ich mich darüber.

Einmal bin ich sogar von einem Bewerber in einem Vorstellungsgespräch, das ich geführt habe, darauf angesprochen worden. Das war dann doch eher komisch. Andererseits: selbst schuld. Diese Plattform ist schließlich offen zugänglich und man stößt auch recht schnell darauf, wenn man meinen Namen googelt.

In diesem Sinne, auf die nächsten 1000 990 Posts!

PS: Ich krieg Beton? Natürlich nicht (jetzt). Die abfotografierte Postkarte hab ich in einem Café in Neu-Ulm gemopst, weil ich sie so herrlich surreal fand. Die Rückseite verrät: mit dieser Ansage versucht Mörk Bau Personal zu akquirieren. Irgendwie fand ich sie passend, um diesen Post zu illustrieren.

Frankenstein-Lied

Immer faszinierend, was Menschen mit ihrer freien Zeit tun. The Unusual Suspect hat sich die Mühe gemacht, mit Ausschnitten aus 183 Filmen Linkin Park’s „In the End“ zusammenzubauen. Kann man ja mal machen.

In diesem Sinne, Danke an Ines von morgenwirdgestern für den Tipp!