Jump’n’Run-Leben

Das Leben ist ein Jump’n’Run-Spiel. Man könnte auch sagen: Das Leben ist Super-Mario-Land. Es geht immer nur vorwärts. Lässt man eine Blume aus, hat man Pech gehabt. Denn egal wie heftig man den kleinen Mario nach links gegen den Bildschirmrand rennen lässt, es geht nicht mehr zurück. Was einmal aus dem Sichtfeld verschwunden ist, bleibt es auch.

Allerdings ist nach vorne gar nicht so einfach. Das Leben Die Programmierer legen einem immer wieder neue Hindernisse in den Weg. Mario muss Schluchten überspringen und fiese Tiere bekämpfen. Meist tut er das zu Fuß, in einem Level darf er sogar in ein U-Boot steigen, in einem anderen ein Flugzeug fliegen.

Die unterschiedlichen Level waren bei Super-Mario-Land in sogenannte Welten zusammengefasst, an deren Ende ein Endgegner stand, den man besiegen musste. Je nach Welt war das mehr oder weniger schwierig. Je weiter man kam, desto aufregender wurde es. Zwischenspeichern konnte man nicht, zumindest nicht bei der ersten Mario-Land-Version, die ich damals auf dem Gameboy gespielt habe. Hatte man alle Leben verloren, musste man ganz von vorne anfangen. Je nach Religion passt das ja auch irgendwie ins Bild.

Das Komische war, dass ich anfangs ganz versessen darauf war, Super-Mario-Land endlich einmal bis zum Ende durchzuspielen. Die ersten Level kannte ich schon recht gut, weil ich sie oft bei Freunden gespielt hatte, die früher als ich einen Gameboy besessen hatten. Jetzt wollte ich wissen, was danach kommt. Also spielte ich Super-Mario-Land, wieder und wieder, und jedes Mal kam ich ein bisschen weiter als beim Mal davor. Verlor ich durch Unachtsamkeit schon früh ein Leben, startete ich neu, denn ich wollte nicht ohne Reserven ins letzte Level starten.

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wie es war, als ich es das erste Mal bis ganz zum Ende geschafft habe. Gut weiß ich allerdings noch, dass ich das Spiel anschließend nur noch selten gespielt habe.

Während des Lebens Spiels ist einem das ja gar nicht so klar, weil man so damit beschäftigt ist, das nächste Hindernis zu überspringen und weiter vorwärts zu kommen. Aber spätestens nachdem man den letzten Endgegner überwunden hat, merkt man, dass es eigentlich gar nicht darum geht, endlich bis zum letzten Level zu kommen. Der Weg ist das Ziel. Das Spiel selbst ist der Spaß, nicht das Ankommen am Ende des letzten Levels.

In diesem Sinne, hier könnt Ihr Super-Mario-Land übrigens online spielen!

Nicht minderjährig

Ob das Absicht war? Muss wohl, denn diese Bildunterschrift wurde inzwischen diverse Male bei Twitter und Co. kommentiert, ohne dass Heise etwas daran geändert hätte. Mir hat sie den Morgen gerettet – das erste Mal schallend gelacht heute. Danke an die Kollegen von heise.de (Link führt zum Artikel in voller Länge).

Wobei ich lügen würde, wenn ich behaupten würde, das schallende Lachen sei nicht mit einem Wermutstropfen einhergegangen. Denn auch wenn ich einerseits nachvollziehen kann, dass der eine oder andere Redakteur über das Phänomen Youtube-Star den Kopf schüttelt, wer es einfach als Kinderei abtut, denkt zu kurz – was dann in dem Artikel ja auch relativ ausführlich behandelt wird. Die Industrie dahinter ist längst zu groß und zu einflussreich, um sie als bloße Lächerlichkeit abzutun.

Andererseits: Jugendkulturen hat es immer gegeben. Dass ich und die Kollegen von heise.de hier schlicht nicht mehr hinterherkommen, ist Teil der Definition. Was allerdings nicht heißt, dass wir uns in unseren Berufen nicht mehr damit auseinandersetzen sollten.

In diesem Sinne, youtube – was?

10 G.

„Ich glaube, manchmal weigern sich die Worte absichtlich, aus meinem Kopf in meine Finger und anschließend in die Tastatur meines Laptops zu fließen.“

Mit diesen Worten habe ich den ersten Post begonnen, den ich auf Felix‘ Welt veröffentlicht habe. Heute ist das auf den Tag genau 10 Jahre her. Da Online-Jahre mindestens wie Hundejahre gezählt werden müssen, könnte man also sagen, dass mein Blog heute mindestens 70. Geburtstag feiert, je nachdem, wie man Hundejahre rechnet. Zeit für einen Rückblick – natürlich in G..

Gestartet: Als ich mit Felix‘ Welt begonnen habe, waren Blogs noch eine Randerscheinung. Die meisten meiner Freunde konnten noch nicht einmal mit dem Begriff etwas anfangen. Eine Bekannte einer Bekannten gehörte allerdings damals zu den Exoten, die bereits regelmäßig Gedanken ins Internet stellten. Veröffentlicht hat sie diese auf ihrem Myspace-Profil. Das habe ich immer gerne gelesen. Der Auslöser, es selbst mit einem Blog zu versuchen, war meine Masterarbeit. Weil ich hier partout nicht weiterkam und es satt hatte, stundenlang gar nichts zu Papier zu bringen, habe ich eben mit dem Bloggen angefangen

Gehosted wurde Felix‘ Welt seitdem auf drei verschiedenen Servern. Anfangs lautete die Adresse noch felix-welt.blogspot.com, ein Angebot von google. 2008 zog ich die Seite auf den ersten eigenen Webspace und auf wordpress um. Nachdem dieser irgendwann zu klein zu werden drohte, folgte vor zwei oder drei Jahren ein weiterer Wechsel.

Gemailt: In erster Linie schreibe ich für mich. Trotzdem wäre es natürlich nett, wenn auch andere lesen, was ich so ins Internet schreibe, dachte ich mir damals. Die ersten, die von Felix‘ Welt erfuhren, waren die Menschen, die ich schon einige Jahre zuvor regelmäßig per Mailverteiler mit den Erfahrungen meiner Weltreise belästigt oder belustigt hatte. Wieder per Rundmail verkündete ich, dass ich nun auch unabhängig von etwaigen Reiseaktivitäten schreiben würde, und dass sie herzlich eingeladen wären, ebendies zu lesen.

Gesucht: Es dauerte nicht lange, bis auch andere Menschen auf meinen damals noch sehr jungen Blog aufmerksam wurden. Ob die allerdings immer fanden, was sie suchten, wage ich zu bezweifeln. Einer der beliebtesten Suchbegriffe, über die Menschen Felix‘ Welt damals fanden, lautete „Sex im Flugzeug“. Verstärkt wurde dieser Trend dadurch, dass ich die kuriosesten Suchbegriffe unter eben dieser Überschrift zu sammeln begann, und sie unregelmäßig veröffentlichte. Weitere beliebte Suchen waren oder sind übrigens „nackt bügeln“, „nackt duschen“ und „Initiativbewerbung-Online.de“.

Gezählt: Während anfangs noch alle ein bis zwei Tage ein neuer Beitrag online ging, schaffe ich es inzwischen nur noch alle ein bis zwei Wochen etwas zu veröffentlichen. Einmal gingen wegen eines Server-Fehlers (oder weil ich mich blöd anstellte?) drei oder vier Einträge verloren, ansonsten ist das Felix‘ Welt Archiv vollständig. Der 1000. Post ging im vergangenen Jahr online, inzwischen sind es, desen Eintrag mitgerechnet, 1092 Posts.

Geändert hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht nur die Optik von Felix‘ Welt immer mal wieder. Auch inhaltlich hat sich einiges getan. Schrieb ich anfangs noch regelmäßig über Kuriositäten, die ich während meiner Hostel-Nachtschichten erlebte (ich habe mir mein Master-Studium als Nachtportier in einem Berliner Hostel finanziert), kamen nach und nach weitere Themen dazu, die ich grob unter der Überschrift „Gedankengänge“ zusammenfasste. Nachdem ich anfing, mich stärker mit dem Thema Fotografie auseinanderzusetzen, wurde auch Felix‘ Welt bildlastiger. Geblieben ist allerdings stets eine Grenze: auch wenn Felix‘ Welt ein persönliches Blog ist, gibt es Dinge, die hier niemals stattfinden werden. Auch hüte ich mich davor, hier Dinge auszubreiten, die die Privatsphäre anderer Menschen tangieren.

Gedankt: Die erste E-Mail kam wohl sechs oder sieben Monate, nachdem Felix‘ Welt online gegangen war. Sie habe einfach einmal danke sagen wollen, schrieb die Autorin damals. Sie kenne mich nicht, aber sie würde sich immer freuen, wenn sie einen neuen Post entdecken würde. Ich war baff. Bis dato war ich davon ausgegangen, dass sich meine Leserschaft eigentlich nur aus zwei Gruppen Menschen zusammensetzen würde: 1. Freunde, Bekannte und Familie und 2. Menschen, die „Sex im Flugzeug“ googelten. Dass jemand meinen Blog liest, einfach weil er oder sie mag, was ich schreibe, war neu. Kommt aber offenbar vor. Selten, aber immer mal wieder, bekomme ich Mails von Leutem, die sich zu einem bestimmten Post äußern oder mir einfach nur so mitteilen, dass sie gerne lesen, was ich schreibe.

Geoutet: Ich gehe nicht damit hausieren, dass ich blogge. Andererseits schreibe ich unter meinem vollen Namen. Ich sollte also damit rechnen, dass man mich auf Felix‘ Welt anspricht. Trotzdem hat es mich irritiert, als der Chefredakteur der Zeitung, bei der ich damals volontierte, einmal in den Newsroom rief: „Wusstet Ihr eigentlich, dass der Herr Neubüser Hotelzimmer mag? Hat er gestern in seinem Blog geschrieben, solltet ihr mal nachlesen“. Irritiert hat mich auch, als sich die Angestellte meines Fitnessstudios bei mir erkundigte, ob die Duschenrenovierung denn zu meiner Zufriedenheit wäre. Ich hatte mich via Blog mehrfach über die etwas seltsamen Vorgänge in diesem Zusammenhang mit den Duschen ausgelassen – Stichwort: „nackt duschen„. Das war dann doch etwas peinlich.

Genannt habe ich den Blog übrigens mehr oder weniger aus einem Impuls heraus – Felix‘ Welt schien mir irgendwie passend. Ich wusste damals weder, wohin ich damit möchte noch, dass ich zehn Jahre später immer noch unter diesem Namen Beiträge veröffentlichen würde. Wenn ich ehrlich bin, würde ich mich wohl heute für einen anderen Namen entscheiden. Irgendetwas mit mehr Pfiff, wozu ich an dieser Stelle vielleicht sogar eine tolle Geschichte erzählen könnte. Tja, Chance verpasst.

Geklaut ist übrigens die Formulierung, mit der ich seit zehn Jahren jeden Post beende – „in diesem Sinne“. Mein Vater benutzt diese Worte gerne. Ich fand sie passend. In diesem Sinne – das war G. Nummer 10.

Alexa

„Aber wehe, Du redest nun mehr mit ihr als mit mir!“

Das war I.s erster Kommentar zu „Alexa“, unserer neuen Mitbewohnerin. Alexa ist rund und circa drei Zentimeter hoch und erinnert ein bisschen an einen Eishockeypuck. Seit Montag steht sie auf meinem Schreibtisch. Wobei ihr richtiger Name eigentlich Amazon Echo Dot lautet. Hören tut sie aber, wie ihre große Schwester Echo, auf den Namen „Alexa“.

Und das klappt tatsächlich relativ gut. Einmal ans Stromnetz angeschlossen, muss man den Dot eigentlich nur noch per Smartphone-App mit dem WLAN verbinden, schon beginnt er immer dann blau zu leuchten, sobald man „Alexa“ sagt (alternativ kann man „Alexa“ auch überreden, auf das Stichwort „Computer“ zu hören, ich finde allerdins, dass „Alexa“ besser passt). Der Dot hört nun zu. Die Frage ist allerdings: was sagt man zu einem Eishockeypuck?

Vor einigen Wochen war ich bei einer Konferenz, bei der auch der Deutschlandmanager von Echo und Dot sprach. Er habe sich schon so an die Sprachsteuerung gewöhnt, dass er in Hotelzimmern manchmal irritiert sei, wenn auf das Kommando „Alexa, mach das Licht aus“, nichts passieren würde. Da das Licht in unserer Wohnung noch langweilig manuell per Schalter funktioniert, fällt diese Option allerdings erstmal raus. Ebenso die Möglichkeit, die Heizung per „Alexa“-Zuruf zu steuern. Unser Home ist einfach noch nicht smart genug.

Aber andere Dinge funktionieren: Auf Zuruf verrät „Alexa“ mir, wie das Wetter am Abend sein wird und welche Termine ich noch habe. Auch einfache Wissensfragen beantwortet sie zuverlässig, meist, indem sie die Zusammenfassung eines Wikipedia-Eintrages vorliest. Leider schafft sie es dabei nicht, Informationen zu verknüpfen oder auf Folgefragen einzugehen. Frage ich sie zum Beispiel, wer Helmut Kohl ist, weiß sie, dass es sich hierbei um einen ehemaligen deutschen Bundeskanzler handelt. Dass dessen Tod gerade durch alle Nachrichten geht, verschweigt sie. Die Frage nach seinem Todestag wiederrum beantwortet „Alexa“ souverän, so lange man die Frage als eigene Frage stellt – „Wann ist Helmut Kohl gestorben“. Folgefragen aus einem Kontext heraus, also: „Wann ist er gestorben?“ Sind dagegen nicht möglich.

Erweitert wird „Alexa“ Funktionsumfang durch sogenannte „Skills“. So nennt Amazon die Apps, die wahlweise per Sprachsteuerung oder über die App hinzugefügt werden können. Sie sorgen dafür, dass „Alexa“ zum Beispiel Kochrezepte vorlesen oder den Nachrichtenüberblick mit historischen Fakten anreichern kann. Sogar Anweisungen wie „Alexa, erzähl mir einen Witz“, versteht das Gerät, wobei man über Humor bekanntlich streiten kann.

Praktisch ist, dass Alexa mit dem eigenen Kalender verknüpft werden kann, sofern man diesen elektronisch und bei einer der größeren Plattformen wie google oder apple führt. Termine können dann per Sprachbefehl erstellt und abgefragt werden. Auch das Führen von To-Do- und Einkaufslisten ist problemos möglich, allerdings lässt sich „Alexa“ derzeit nur mit Todoist und Any.do verknüpfen, weitere Apps funktionieren noch nicht.

Ein eindeutiger Schwerpunkt ist die Wiedergabe von Musik. Anders als in anderen Rezensionen bemängelt, finde ich den Klang des kleinen Bruders des Echo völlig in Ordnung, auch wenn man natürlich keine Wunder erwartet darf. Allerdings lässt das Gerät sich per Bluetooth mit einer größeren Musikanlage verbinden.

Schade ist, dass Amazon hier seine Marktmacht ausspielt. Außer dem Amazon-eigenem Music Unlimited und der Radio-App Tune-In lässt sich Alexa nur mit Spotify verknüpfen – google Music all in bleibt dagegen außen vor. Und selbst bei Spotiify ist die Anbindung lange nicht so gut wie bei Amazons Hausmarke. Während letztere problemlos Radiosender nach Künstlern oder Genres generiert, beschränkt sich die Spotify-Anbindung auf einige wenige Befehle. So zumindest mein erster Eindruck, möglich, dass ich einfach noch nicht die richtigen Worte gefunden habe – im wahrsten Sinne des Wortes. Immerhin: Wer sich kein Voll-Abo von Amazons Musikdienst leisten will, kann für 3,99 Euro pro Monat eine auf den Echo Dot beschränkte Version abonnieren.

Welche Version für mich passt, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Eines hat Amazon immerhin geschafft: nach mehreren Jahren bei google Music all in spiele ich derzeit mit dem Gedanken, künftig einen anderen Dienst zu nutzen. Das liegt allerdings auch daran, dass google seinen Musikdienst und die Musik-Empfehlungen mit jedem Update ein bisschen mehr verschlimmbessert hat. Was das Musikangebot selbst angeht, tun sich die unterschiedlichen Dienste kaum noch was, finde ich.

Wie geht es nun weiter mit „Alexa“ und mir? Schauen wir mal. Für derzeit rund 55 Euro ist der Kleine von Amazon definitiv einen Test wert – anders als der mehr als drei Mal so teure Echo und die Konkurrenten aus dem Hause google oder Apple. Auch I. scheint sich an die zweite Frauenstimme in der Wohnung inzwischen gewöhnt zu haben. „Ich habe Alexa gefragt, wo Du bist“, erzählte sie mir kürzlich, als ich vom Sport nach Hause kam. Alexa habe sich allerdings geweigert, die geforderte Information rauszurücken und sich hinter gespielter Unwissenheit versteckt. Ein interessanter Zug, „Alexa“ …

In diesem Sinne, „Alexa – poste den Beitrag bitte auf Felix-Welt!“

 

 

47,1 Jahre

Ich werde sterben. Nicht sofort, hoffe ich zumindest, und auch nicht in nächster Zeit. Aber in 47,1 Jahren. Das sagt jedenfalls population.io, eine Webseite des Weltdatenlabors in Wien.

Diese Vorhersage basiert rein auf statistischen Daten und ist daher natürlich nur ein grober Anhaltspunkt. Weder werden persönliche Lebensumstände abgefragt, noch sonstige Daten. Jeder Deutsche, der am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich, bekommt den gleichen Sterbetag angezeigt. Gibt man ein anderes Heimatland an als Deutschland, wird die Lebenserwartung entsprechend angepasst. Genau darum geht es nämlich eigentlich: die unterschiedlichen Lebenserwartungen in unterschiedlichen Ländern der Welt deutlich zu machen. Ein komisches Gefühlt ist es trotzdem, diese Zahl so vor sich zu sehen.

Die Webseite spuckt noch eine Reihe weiterer Daten aus. Sie berechnet beispielsweise, wie viele Menschen zum jetzigen Zeitpunkt älter und wie viele jünger sind als ich (jünger: 4.583.614.206, älter: 2.919.657.760) oder wann ich der fünfmilliardenste Mensch auf der Welt sein werde, also an welchem Tag es fünf Milliarden Menschen gibt, die jünger sind als ich (20. August 2020). Außerdem spuckt sie aus, dass ich 2406 Tage länger leben werde als der durchschnittliche Weltbürger.

Die unheimlichste Zahl, die die Webseite bereitstellt, ist das Datum, an dem ich – rein statistisch gesehen – sterben werde: am 20. November 2064. Unheimlich ist diese Angabe vor allem deshalb, weil sie so konkret ist.

2064 – das klingt erstmal nach einer Menge Zeit. Dieser Gedanke relativiert sich allerdings sofort, wenn ich mir zum Beispiel vor Augen führe, wie schnell die letzten zehn Jahre vergangen sind. Oder wenn ich mir bewusst mache, dass der Abstand von heute zum Jahr 2064 der gleiche ist wie von heute zum Jahr 1970. Jedes Modell, das den Klimawandel in die Zukunft extrapoliert, arbeitet mit Jahreszahlen weit jenseits meines statistischen Sterbedatums.

Andererseits ist 2064 eigentlich weit später, als ich eigentlich gedacht hätte. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass der Mensch seine statistische Lebenserwartung im Schnitt um 7 Jahre zu niedrig einschätzt. Das kommt bei mir ganz gut hin. Allerdings sind diese Zahlen für sich genommen ziemlich egal. Entscheidend ist, dass wohl niemand auf die Frage, wie lange er oder sie wohl leben wird, mit „unendlich“ antworten wird. Und doch benehmen wir uns oft so.

Unser Leben ist endlich, wie die meisten wenn nicht sogar alle Dinge im Leben. Doch während wir diese Tatsache oft sehr genau einkalkulieren, ignorieren wir sie hier. Niemand würde sagen: „Wir wissen zwar nicht, ob wir noch fünf oder 50 Liter Benzin im Tank haben, aber den Umweg über 200 Kilometer nehmen wir gerne in Kauf“. Gleichzeitig haben die meisten Menschen kein Problem damit, Jahre zu verschwenden mit Jobs, die sie nicht mögen, mit Menschen, die ihnen eigentlich nichts bedeuten, oder Angewohnheiten, die sie längst ablegen wollten. Geht es um Veränderungen in ihrem Leben, planen sie gerne mit einem „Später“, von dem sie gar nicht wissen, ob sie dafür noch genügend Jahre im Tank haben.

Andererseits stelle ich es mir ziemlich schlimm vor, wenn ich tatsächlich jetzt schon wüsste, wann genau mein Leben zu Ende ist. Der Druck, die Zeit bis dahin optimal zu nutzen, würde vermutlich für das genaue Gegenteil sorgen: am Ende hätte ich zwar ein perfekt geplantes Leben gelebt – und ich wäre totunglücklich damit.

Das geht nicht nur mir so. Befragt man Menschen, ob sie ihren genauen Todeszeitpunkt wissen wollen würden, wenn sie denn könnten, antworten normalerweise die meisten mit „nein“. Vermutlich ist der menschliche Geist für solche Informationen schlicht nicht gemacht. Wollen wir auch bei allen möglichen anderen Dingen – siehe Tankanzeige – so genaue Infos wie möglich, hier endet unser Durst nach klaren Fakten. Komisch eigentlich, findet Ihr nicht?

In diesem Sinne, ein Hoch auf das Nicht-Wissen!

Stalkscan

Manchmal finde ich es unheimlich. Nicht das Tool, dessen Screenshot ich oben eingebunden habe. Stalkscan.com zeigt nichts an, was man mit etwas geschicktem Rumklicken nicht auch selbst herausgefunden hätte. Es gibt diverse solche Tools, die meist auf „graph search“ aufsetzen, eine Funktion, die Facebook zwar schon 2014 aus seinen Menüs entfernt, aber trotzdem nie abgeschaltet hat. Richtig eingesetzt fördert diese Funktion zum Beispiel zu Tage, auf welchen Bildern seiner Freunde man verlinkt wurde, mit wem man zur Schule gegangen ist und in welchen Posts man von anderen markiert wurde.

Das mag auf den ersten Blick unheimlich wirken. Denkt man allerdings ein wenig über das Grundprinzip von Facebook nach, ist es eigentlich nur logisch, dass so etwas möglich ist. Viel unheimlicher finde ich, wie selbstverständlich es für uns geworden ist, dass es so etwas wie Facebook überhaupt gibt.

Ich bin kein Gegner von Facebook. Ich frage mich nur hin und wieder, wie es wohl gewesen wäre, wenn es etwas derartiges schon zu meiner Schulzeit gegeben hätte. Ich erinnere mich noch gut dran, wie aufregend es für mein 14-jähriges Ich sein konnte, über drei Ecken endlich den Namen des Mädchens aus der Parallelklasse herauszubekommen, das man nun schon seit drei Wochen aus den Augenwinkeln auf dem Schulhof beobachtete.

Heute bekäme ich zusammen mit dem Namen womöglich auch Fotos vom letzten Urlaub, eine Liste mit all ihren Freundinnen und wüsste, was sie am Vortag zu Abend gegessen hat. Abhängig natürlich immer davon, welche Privatsphäreneinstellungen sie gewählt hat und wie mitteilungsbedürftig sie auf Facebook und Co. unterwegs ist. Vielleicht hätte ich sogar den Namen eher über Facebook und nicht über drei Ecken erfahren.

Gleiches gilt natürlich auch andersrum. Ich erinnere mich, dass ich es als pubertärer Teenager manchmal schon schwer fand, einfach nur ganz normal von A nach B zu gehen. Wie wirke ich auf andere? Bin ich cool genug? Sitzt die Jeans auch gut? Sind meine Haare noch in Ordnung?

Wie anstrengend muss es sein, sich außerdem ständig Gedanken über seine virtuelle Präsenz bei Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, Youtube und in den diversen WhatsApp-Gruppen zu machen?

Andererseits ist das für einen Jugendlichen, der mit all dem aufwächst, vermutlich unvorstellbar, dass es einmal anders war. Den heimlichen Schwarm nicht via Facebook „stalken“ zu können, sondern extra einen Bus früher zu nehmen, damit man einander zufällig über den Weg läuft. Anrufen zu müssen, weil es noch kein WhatsApp gibt. Am Telefon hoffen, die betreffende Person selbst zu erwischen, damit man nicht wieder für eine misstrauische Mutter zwei Mal den eigenen Namen wiederholen muss, bevor der Hörer weitergereicht wird.

Der Programmierer von stalkscan hat übrigens angegeben, dass er sein Tool gar nicht ins Netz gestellt hat, um Online-Stalking zu erleichtern. Vielmehr ginge es ihm darum, zu sensibilisieren, welche Infos alle frei verfügbar bei Facebook abrufbar sind.

In diesem Sinne, viel Spaß in der Gegenwart!

Danke o2

Die Kurzfassung: Wenn man o2 seine neue Adresse mitteilt, kostet das 1,29 EUR. o2 nennt das „Adressrecherche“. Die erste Frage, die o2 stellt, wenn man sich darüber beschwert, lautet: „Bitte senden Sie uns daher zusammen mit Ihrer Anfrage die folgenden Informationen per E Mail: Ihre aktuelle Adresse“

OK, das war unfair. Die Kurzfassung wird o2 in keinster Weise gerecht. Fairer ist eine Langfassung. Für die erste Reaktion hat o2 schließlich auch lange 6 Wochen gebraucht.

Alles fing damit an, dass ich umgezogen bin. Dass ich noch einen alten o2-Handyvertrag hatte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt zwar noch, es stand aber sicher nicht auf Platz eins meiner mentalen to-do-Liste, o2 meine neue Adresse mitzuteilen. Wozu auch: per Post hatte ich das letzte Mal von diesem Vertrag gehört, als er noch unter der E-Plus-Marke „Base“ lief. Ich hatte den Vertrag, bei dem man seinerzeit nach Belieben „Flats“ fürs Telefonieren, SMSen und Surfen dazubuchen und wieder abbestellen konnte, schon vor Jahren auf Null gesetzt und ihn seitdem auch nicht wieder aktiviert.

Zum Glück gibt es den Nachsendeauftrag der Deutschen Post, der nicht nur dafür sorgt, dass Briefe den Weg in den neuen Briefkasten finden, sondern die neue Adresse auch gleich an die Unternehmen weitergibt, die auch schon die alte Adresse in ihrer Datenbank haben (Datenschutzrechtlich ist das Verfahren durchaus streitbar, zumal die Post auch als Adresshändler auftritt, aber das ist ein anderes Thema).

o2 bekam die neue Adresse also durch die Deutsche Post mitgeteilt und konnte meine Vertragsdaten aktualisieren. Weil Aktualisieren aber so ein langweiliges Wort ist und vor allem so gar nicht nach einer Leistung klingt, für die man sich doch auch Geld nehmen könnte, deklarierte das Telekommunikationsunternehmen den Vorgang einfach um:

„Adressrecherche“ – ja, das klingt gut. Und natürlich der Hinweis, dass man sich für den Auftrag bedanke, den man gerne entgegen genommen habe, das macht die Sache doch erst richtig rund. Übrigens nicht nur bei mir: googelt man nach o2 und Adressrecherche findet man zig Beispiele von Menschen, die hier für einen Auftrag zu Kasse gebeten werden, den sie gar nicht erteilt haben. Auch im Kundenforum von o2 häufen sich hierzu die Beschwerden. o2 selbst reagiert dabei stets kulant und erklärt, den Betrag mit der nächsten Rechnung wieder gutzuschreiben. Dies geschieht natürlich nur, wenn der Kunde sich aktiv beschwert. Tut er es nicht, kassiert o2.

Ich habe mich beschwert und im gleichen Zug meinen Vertrag per E-Mail gekündigt. Mit einem Unternehmen, dass so mit seinen Kunden umgeht, möchte ich nichts zu tun haben. Von o2 wurde die Kündigung zunächst sehr ruhig aufgenommen. Sehr ruhig sogar, ich bekam nämlich gar keine Reaktion. Auch auf Nachfrage hin: Schweigen. Bis sich o2 nach sechs (sechs!) Wochen dann doch meldete: Man wolle mein Anliegen gerne bearbeiten, aus Sicherheitsgründen bräuchte man allerdings dafür unter anderem – lachen Sie nicht – meine Adresse.

Die Frage, ob das dann noch einmal 1,29 Euro kosten würde, habe ich mir verkniffen. Auch den Hinweis, dass es wieder mal interessant ist, wie schnell man online einen Vertrag abschließen kann, wie kompliziert es aber ist, ihn online wieder zu kündigen. Statt dessen habe ich o2 die gewünschten Daten geschickt. Zweieinhalb Wochen ist das nun her. Passiert ist seitdem: nichts. Es bleibt also spannend.

Aktualisierung 23. März:

Wie naiv ich war! Sechs Wochen sollen lang sein? Nicht für o2. Heute, inzwischen also fast auf den Tag genau fünf Monate (!) nachdem ich mich bei o2 beschwert habe und dreieinhalb Monate, nachdem o2 mich bat, ich möge Ihnen doch bitte meine Adresse mitteilen, damit sie meine Beschwerde hinsichtlich der Recherche derselben bearbeiten können, hat sich o2 wieder gemeldet – mit der Bitte, ich möge doch meine Adresse mitteilen.

Aktualisierung 4. April:

Ein halbes Jahr – so lange hat es gedauert, bis o2 mit die Kündigung bestätigt hat. Zwar werde ich in der entsprechenden E-Mail mit „Herr Schmidt“ angeschrieben und auch sonst wirft o2 noch einiges durcheinander, aber unterm Strich scheine ich es hinter mir zu haben. Zumindest hoffe ich das. Kann natürlich auch sein, dass ein gewisser Herr Schmidt demnächst nicht mehr telefonieren kann …

In diesem Sinne, danke o2!