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Was tun, wenn’s brennt? Backup-Strategie, aber richtig

Früher war das mit den Sicherheitskopien noch einfach. Gingen Daten verloren, brauchte ich nur einen Freund zu fragen. Denn so ziemlich die einzigen Daten, die mir wirklich am Herzen lagen, waren Raubkopien von besonders coolen Spielen wie Maniac Mansion oder Summer Games, und die passten in der Regel noch auf eine oder maximal zwei Disketten. Ging davon eine kaputt, kopierte ich sie mir einfach neu. Schließlich hatte sie vorher ohnehin die Runde gemacht unter allen Freunden, deren Eltern auch einen C64 Heimcomputer zu Hause stehen hatten. Schade war es nur um eventuell abgespeicherte Rekord-Spielstände.

Inzwischen ist das etwas komplizierter. Schon weil heute eigentlich jeder wichtigere Daten auf dem Rechner hat als nur die letzte Pacman-Highscore. Deshalb sollte sich eigentlich jeder mit dem Thema Backup auseinandersetzen. Trotzdem machen sich zumindest in meinem Bekanntenkreis recht wenig Menschen Gedanken darum, wie sie ihre Daten gegen versehentliches Löschen oder andere Katastrophen schützen. Und wenn sie es tun, dann meist nur einmal – um es dann wieder zu vergessen. Ein Jahre altes Backup bringt aber im Fall der Fälle meist wenig (auch wenn es natürlich besser sein kann als nichts).

Ich gebe zu: bei mir war das lange nicht anders. Bevor ich vor etwa zehn Jahren privat auf einen Mac umgestiegen bin, habe ich alle paar Monate mal die wichtigsten privaten Daten auf CD-ROM gesichert. Gefühlt war das eine ziemliche Verschwendung. Manchmal habe ich monatelang gar nichts gesichert, dann wieder drei Mal in zwei Wochen, einfach weil ich zum Beispiel an einem wichtigen Uni-Projekt gearbeitet habe und auf keinen Fall riskieren wollte, dass etwas verloren geht. Die Folge: ein mal schneller, mal langsamer wachsender, silbrig-glänzender Müllberg.

Irgendwann wurden die CD-ROMs durch externe Festplatten ersetzt, aber eine richtige Strategie war das immer noch nicht. Zumal hier irgendwann noch etwas dazu kam: längst lagerten nicht mehr alle Daten auf dem Rechner, sondern waren zudem auf weitere Datenträger verteilt. Was wann wie sichern – irgendwann war das ein ziemliches Chaos.

Mit dem Mac wurde das besser. Der brachte von Hause aus mit Time Machine ein recht gutes Backup-Programm mit (und tut es bis heute). Festplatte anstöpseln, kurz Warten und fertig. Alles läuft automatisch ab, externe Festplatten werden auf Wunsch mitgesichert. Alles eine Frage der Kapazität (und des Anstöpselns). Das Wiederherstellen entweder des ganzen Systems oder auch einzelner Dateien ist genauso einfach.

Aber was ist, wenn es mal brennt? Oder wenn Computer samt externer Festplatte gestohlen wird?

Unter Experten gibt es den Spruch: eine Datei, die nicht mindestens an drei Stellen existiert, existiert eigentlich überhaupt nicht. Mehr noch: eine von diesen drei Stellen sollte möglichst räumlich von den übrigen zwei getrennt sein. Die Profis nennen das die 3-2-1-Regel. Die ist theoretisch ganz einfach, praktisch wird es aber schnell so kompliziert, dass es schnell bei der Theorie bleibt und man praktisch genau ein Backup macht.

Wie also habe ich das gemacht? Sowohl meine Daten-Aufbewahrung als auch meine Backups basieren im wesentlichen auf zwei Säulen: meinem Laptop, der zugleich als Heimrechner herhält und wo Arbeitsordner von google drive und Co. offline verfügbar sind, und einem Netzwerklaufwerk (NAS), also einer externen Festplatte, die über das WLAN funktioniert und die ich daher nicht in meinen Rechner anschließen muss, um sie zu benutzen. Ich kann also mit dem Laptop in der Wohnung rumlaufen und habe trotzdem ständig Zugriff auf die externe Festplatte. Hier werden außerdem jede Stunde vollautomatisch und im Hintergrund Sicherheitskopien von meinem Rechner via Time Machine gemacht. Außerdem habe ich hier Platz, um zum Beispiel Teile meines Fotoarchivs auszulagern oder meine Musiksammlung unterzubringen, die ich in Zeiten von Spotify und Co nicht ständig auf dem Laptop brauche. Ohne, dass ich mich kümmern muss, habe ich also ständig eine aktuelle Sicherheitskopie meines Laptops parat.

Zusätzlich werden sowohl die Daten auf dem Rechner als auch auf dem Netzwerklaufwerk regelmäßig und ebenfalls vollautomatisch im Hintergrund in der Cloud gesichert. Für das NAS habe ich eine Zeit lang box.com genutzt, seit kurzem verwende ich das von Synology im vergangenen Jahr gestartete eigene Angebot “C2”. 1 Terabyte Speicher kostet hier pro Jahr rund 70 Euro. Die Daten auf dem Rechner werden mit backblaze automatisch gesichert, hier hat man sogar unbegrenzten Speicher und zahlt nur rund 50 Euro im Jahr (dafür funktioniert backblaze nicht mit Netzwerklaufwerken).

Zusätzlich sichere ich sowohl Laptop als auch die zusätzlichen Daten auf dem NAS alle paar Wochen auf einer externen Festplatte. Das ist das einzige, woran ich tatsächlich noch selbst denken muss. Darauf verzichten möchte ich allerdings nicht, denn wenn es mal ganz dumm kommt und ich fange mir einen Verschlüsselungstrojaner oder ähnliches ein, sind die Daten auf dem NAS ebenfalls futsch. Außerdem fühlt es sich besser an, eine Sicherheitskopie haptisch vor Ort zu haben.

Klingt aufwendig, ist es aber nicht. Fast alles funktioniert vollautomatisch und sieht man von den Sicherungsfestplatten ab, die ich alle paar Wochen anschließe, muss ich auch nicht mehr mit externen Datenträgern jonglieren, wenn der Platz auf dem Laptop eng wird oder wenn ich Daten sichern will.

Letztlich muss auch jeder selbst entscheiden, wie viel Aufwand ihm oder ihr die eigenen Daten wert sind. Ich gebe zu: mir hilft die klare Struktur auch, meinen inneren Ordnungsdrang zu befriedigen. Das mögen andere Menschen sicher anders sehen. Macht jemand nur mit dem Handy Fotos und sichert die hin und wieder auf dem Computer, in der iCloud oder google, der kann damit vermutlich ein Leben lang glücklich sein, ohne je ein Problem zu bekommen. Persönlich ist mir das aber einfach zu unsicher. Zumal bei mir noch ein paar andere Daten mit dazu kommen, darunter alte Manuskripte, die ich teilweise noch als Teenager geschrieben habe, sie seitdem von Rechner zu Rechner mitziehe und bei denen es einfach schade wäre, wenn sie irgendwann weg wären. Dazu kommt eine über Jahre gewachsene Fotosammlung, diverse Projekte, die ich mal mehr und mal weniger intenensiv verfolge, und, und, und … Von daher passt mein Weg für mich einfach besser.

In diesem Sinne, sichern nicht vergessen!

PS: Das Foto ist übrigens ein Screenshot aus einem Video, das ich vergangenes Jahr in einer Show in den Universal Studios in Los Angelos aufgenommen habe. Aber das ist eine andere Geschichte …

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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