Desillussionierend Frauen Webwelten

Jung, ledig, gekauft

Sie war jung, sie war schön, und ich hatte sie im Internet bestellt. Wobei “bestellt” vielleicht das falsche Wort ist. Trotzdem drängt sich einem schon eben dieses Wort auf, wenn man sich einmal etwas ausgiebiger durch die Profile auf einer Online-Partnerbörse geklickt hat. Aber vielleicht sollte ich anders anfangen.

Wir leben im Internet-Zeitalter. Was der Mensch braucht, findet er im  Netz. Dabei ist es egal, ob man ein Buch kaufen, eine Reise buchen oder eben – wie ich vor einiger Zeit – die Frau für den Lebensabschnitt finden will. Alles ist nur ein paar Klicks und (meist) eine Kreditkartennummer entfernt. Das zumindest suggerieren die diversen Online-Partnerbörsen, die mit Slogans wie “wir verlieben Dich” um ebenso einsame wie zahlungskräftige Kundschaft werben.

Die Männer sind hier eindeutig in der Überzahl, zumindest wenn es um die Zahlungswilligkeit geht. Während nämlich das Anmelden zumeist noch kostenlos ist, werden spätestens, wenn es um das Ansprechen geht, in der Regel saftige Gebühren fällig. Und diesen Part übernehmen auch in der virtuellen Welt vor allem die Männer. Auch Emanzipation hat eben Grenzen.

Ganz abgesehen davon hat es ja auch etwas, sie durch Galerien von Frauenfotos zu bewegen wie durch einen Supermarkt. Gefällt einem eine Frau, landet sie im virtuellen Einkaufswagen – im Webdating-Slang auch als Menüpunkt “Favoriten” bekannt. Hat man einen mutigen Tag, schreibt man sie sogar an.

Ich hatte damals gleich mehrere mutige Tage. Nicht immer waren die von Erfolg gekrönt, hin und wieder aber doch. So traf ich zum Beispiel jene junge, schöne Frau, die als Einstieg für diesen Eintrag diente. Wir verabredeten uns in Stuttgart vor einem Kaufhaus. Besondere Erkennungszeichen brauchten wir nicht – Leute, die sich über Online-Partnerbörsen kennenlernen, erkennen sich.

Auch wir erkannten uns, gingen was essen und später noch auf einen Drink in eine Bar. Leider half alles nichts. Weder das Essen, noch der Drink. Wenn sie den Mund aufmachte, sprach sie von Stuttgart 21. Blieb ihr Mund geschlossen, beschäftigte sie sich mit Anti-Stuttgart-21-Aufklebern, die sie von Laternenpfählen, von Schaufenstern und von Autostoßstangen abkratzte.

Es ist nicht so, dass ich politische Menschen nicht schätzen würden. Ich hatte mir für eine erste Verabredung nur einfach etwas anderes vorgestellt. Vielleicht bin ich ignorant, aber ich bin mir bis heute nicht sicher, ob sie mir überhaupt jemals ihren Namen gesagt hat – es gab eben immer einen Aufkleber, der wichtiger war.

Ganz anders war es bei Verabredung Nummer zwei. Bis heute weiß ich nicht nur ihren Namen, ich weiß auch, wie unsere Kinder heißen würden (Klaus und Marie), wo wir Urlaub machen würden (in Schweden, wobei Camping in Dänemark ebenfalls eine Möglichkeit ist) und dass ihr letzter Freund sie verlassen hat, weil er einfach noch nicht “reif für eine ernsthafte Beziehung war”. Nicht mal eine gemeinsame Email-Adresse habe er gewollt – dabei waren sie doch schon fast ein halbes Jahr zusammen gewesen.

Frauen im Internet zu bestellen, ist offenbar schwieriger als gedacht. So einfach gebe ich allerdings nicht auf. “Billig, willig und stubenrein”, wirbt eine Internetseite mit eigenartiger Länderkennung. Vielleicht habe ich dort ja mehr Glück?

In diesem Sinne, kuscheln wäre schon nett …

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

4 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Wissenschaftler haben heraus gefunden, dass man in etwa 13 Frösche küssen muss, bis der “Richtige” dabei ist. Also ihr Männer natürlich “Fröschinnen”. Wenn man etwas anspruchsvoller ist, können es auch gerne 37 werden.

    Versuch macht klug. Und irgendwann macht es auch bing. Viel Erfolg!

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