Desillussionierend Gedankenwelten

Einmal „Leben“

„Einmal Leben“, sage ich. Hier war die Schlange am kürzesten. Wenn ich den Prospekt etwas eingehender studiert hätte, hätte ich gewusst warum.

Unter all den Auswahlmöglichkeiten des himmlischen Vergnügungsparks war „Leben“ mit Abstand die unbeliebteste. Selten standen die Leute länger an als bis zu dem Schild „Wartezeit ab hier: 15 Minuten“. Kein Wunder: Ein Zuckerschlecken ist das Leben als Erdenmensch nicht gerade.

Als kleines Kind war ich überzeugt, dass nach dem Leben entweder Himmel oder Hölle auf die Menschen warten. Aber wer sagt eigentlich, dass wir nicht längst in dem einen oder dem anderen sind? Oder dass das Leben wirklich nichts weiter ist als ein Karussell in einem himmlischen (oder teuflischen) Vergnügungspark? Irgendwo zwischen Superachterbahn und Geisterschloss.

Kein System kann sich selbst vollständig analysieren – genau so wenig wie man sich selbst an den Ohren aus dem Moor ziehen kann. Immer wenn wir versuchen die Grenzen unseres Denkens zu erschließen, scheitern wir an denselben. Hin und wieder sollten wir beim Denken daran denken.

In diesem Sinne, noch mal Leben, bitte!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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