Papawelten Zeitreisen

Doppelt Papa oder: Warum 2×1 jetzt =4 ist

„Die Kinder schlafen jetzt!“ – Ich hatte ja keine Ahnung, was dieser Satz bedeutet. Was er wirklich bedeutet.

Seit gut zwei Jahren und zwei Monaten bin ich jetzt Vater einer wundervollen Tochter, die mein Leben unendlich bereichert und nebenbei völlig auf den Kopf gestellt hat. Beides hätte ich mir vorher so nie träumen lassen. Trotzdem frage ich mich jetzt: wo war damals eigentlich die Herausforderung. Es war doch nur ein Kind.

Nun sind es zwei. Eines, das mich regelmäßig auffordert, mich auf den Boden zu setzen, um den „Morgenkreis“ aus dem Kindergarten nachzuspielen. Das entschieden sagt: „Bitte nein, Papa, so nicht, Papa!“, wenn ich wieder einmal etwas dabei falsch mache. Und eines, das noch gar nicht viel sagt, meine Frau und mich aber deswegen nicht weniger gut im Griff hat.

„Die Kinder schlafen jetzt“. Als ich diesen Satz kürzlich das erste Mal bewusst ausgesprochen habe, war ich überrascht, wie intensiv sich das angefühlt hat. Konnte das wirklich sein? Hatte ich nun wirklich Zeit für mich? Zwei statt einem schlafenden Kind, das sollte sich doch maximal nach doppeltem Aufwand klingen. Tatsächlich würde ich den Faktor eher bei vier ansetzen. Für das Einschlafen und für alles andere auch. Zumindest jetzt, am Anfang, wo wieder einmal alles neu ist.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie es war, als meine erste Tochter gerade zur Welt gekommen war. Anfangs habe ich mich tatsächlich noch gefragt, wie lange es wohl dauern würde, bis mein Leben wieder „normal“ sein würde. Ich glaube, ich habe sogar danach gegoogelt. Was ich mit diesem „normal“ meinte, war mir dabei selbst nicht so richtig klar. Normal im Sinne von: am Wochenende und nach Feierabend einfach machen, wonach mir ist? Spontan ausgehen oder gemeinsam mit meiner Frau einen Film gucken? Mal eben zum Sport und dann noch ein Stündchen am Computer arbeiten, ohne es groß abstimmen zu müssen? Dass das nicht funktionieren würde, hätte mir eigentlich klar sein müssen. Das Kind war ja da.

Aber gut, Schlafmangel bringt einen auf die komischsten Ideen. Trotzdem wurde die ständige Veränderung irgendwann zur Routine. Jeder Monat, den unsere Tochter älter wurde, hielt neue Herausforderungen für uns bereit (einige davon habe ich hier aufgeschrieben).

Doch wir gewöhnten uns an das ständige Neue. Ebenso daran, dass sich unser Leben nun eben erstmal nicht mehr in erster Linie um uns selbst drehte. Noch immer bin ich erstaunt, wie schnell man sich damit arrangieren kann, seinen Alltag danach zu planen, wann das Kind voraussichtlich Mittagsschlaf machen wird und wie schnell man sie abends zum Einschlafen überreden kann. Wie wertvoll die zwei Stunden am frühen Samstagnachmittag sind, die das Kind eins, ausgepowert nach zweieinhalb Stunden Spielplatz, mit einem fast sichtbaren grünen „Akku lädt“ über dem Köpfchen im Bett liegt.

Was haben wir nur früher mit der ganzen Zeit gemacht?

Das war Level eins. Jetzt kommt Level zwei. Zwei kleine Familienangehörige, die beide ihre ganz eigenen Bedürfnisse haben, und denen die Bedürfnisse der Eltern erstmal völlig egal sind. Das klingt hart, ist aber letztlich ganz wundervoll. Wenn ich mir meine zweite Tochter anschaue, wie sie das kleine Gesichtchen zu niedlichen kleinen Grimassen verzieht, während sie beim Aufwachen Ärmchen und Beinchen entfaltet und dann nach Milch-Nachschub verlangt, wird mir warm ums Herz.  Gleiches gilt, wenn die ältere Tochter morgens auf meinen Schoß klettert, um genau 30 Sekunden mit mir Zeitung zu lesen, mich dann aber nachdrücklich auffordert, endlich aufzustehen, um mit ihr einen Lego-Turm zu bauen oder einfach nur „schnell im Kreis (zu) laufen!“.

Dabei bin ich mir wohl bewusst, dass wir noch ganz am Anfang des zweiten Levels sind. Einen ersten Ausblick auf die Vielfalt dessen, worauf wir uns einstellen könnten, hat Tochter Nummer eins uns in den vergangenen zwei Jahren schließlich schon gegeben. Und da konnten wir uns zu zweit voll und ganz auf ein Kind konzentrieren …

Andererseits scheint das, was für das „die Kinder schlafen jetzt“ gilt, auch für die Liebe zu gelten, die man empfinden kann. Sie potenziert sich.

Lange konnte ich mir nicht vorstellen, wie ich neben meiner Tochter noch ein zweites Kind so lieben könnte. Ich habe mich gefragt, ob ich von der einen Liebe ein Stück wegschneiden muss, damit ich auch dem zweiten Kind genug davon geben kann. Aber so funktioniert es offenbar nicht. Spätestens ab dem Moment, wo in dem man das zweite Kind das erste Mal im Arm hält, ist mit einem Schlag auch doppelt oder vielleicht sogar vier Mal so viel Liebe zum verteilen da. Ein Wunder. Wie das Kind auch.

In diesem Sinne, Ihr dürft Euch also auf noch mehr Papa-Content einstellen …

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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