Mitmenschen Webwelten

BP und ich

Fast wäre ich Millionär geworden. Leider nur fast. Ich wollte nämlich schlau sein und habe versucht, mir schnell die Begriffe „oil spill“ (Ölpest) und „claims“ (Anspruch – z.B. auf Schadensersatz) beim Werbedienst Google Ads zu sichern. Würde jemand bei Google nach eben diesen Worten suchen, wäre ich immer ganz oben dabei. Man könnte auch sagen: Die Millionen waren – der Ölkatastrophe im Golf von Mexico sei Dank – zum Greifen nah.

Doch jemand anders war schneller. Und das war ausgerechnet der britische Ölkonzern BP. Wohl mit gutem Grund: Wer weiß, was ich unter dem Stichwort „Ölpest“ alles veröffentlicht hätte? Aus Konzernsicht wäre es sicher nicht nur positiv gewesen (so schlimm, wie BP vielleicht befürchtet hat, wäre es allerdings auch nicht geworden). Kein Wunder also, dass BP alles dran gesetzt hat, um mir zuvorzukommen.

Das Internet ist eine komische Sache. Die meisten Webnutzer wissen vermutlich gar nicht, wie viel sie beim Hin- und Herklicken über sich verraten. Angefangen von ihrem Browser bis hin zur Bildschirmauflösung und den Suchworten, mit denen sie letztlich bei Felix‘ Welt landen. Besonders beliebt derzeit: Felix in Verbindung mit dem Wort Klassenarbeit (leider nicht immer richtig geschrieben) und allerlei Kombinationen, die das Wort „Sex“ enthalten (etwa im Flugzeug I und II).

Auch mein voller Name wird immer wieder gesucht. Ich frage mich hin und wieder, wer diese Menschen sind, die sich via Google Informationen über mich erhoffen. Was wollen sie wissen? Wieso fragen sie mich nicht einfach und schreiben mir eine Email?

In diesem Sinne, einen Gruß an alle Suchenden!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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