Desillussionierend

Bloggendes Ich

Manche Dinge kann man ja leider nicht schreiben. Zumindest nicht hier. Schließlich weiß ich ja, wer alles mitliest. Schon im Kollegenkreis. Bei Journalisten ist Lesen ja so etwas wie eine Berufskrankheit. Aber auch sonst. Ich weiß schließlich, dass das eine oder andere durchaus falsch verstanden werden könnte. Oder richtig. Ich bin mir nicht mal sicher, was schlimmer wäre.

Felix‘ Welt ist manchmal sehr persönlich. Allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Das ist mir wichtig. So wie es in der Literatur das „Lyrische Ich“ gibt, bei dem der Autor zwar in der Ich-Perspektive schreibt, aber deswegen noch lange nicht dem Ich in der Geschichte entspricht, ist das Ich bei Felix‘ Welt ebenfalls relativ. Eine Art „Bloggendes Ich“ eben.

Ich lüge nicht. Ich verfremde allerdings. Und ich mische. Manche Situationen, die ich beschreibe, sind eigentlich drei oder vier Situationen auf einmal. Und ich schreibe bewusst nicht immer zeitnah. Manche Geschichten parke ich ganz bewusst eine Weile im „Entwurf“-Ordner, weil ich nicht möchte, dass der- oder diejenige, die darin vorkommen, hier meine Gedanken quasi in Echtzeit mitlesen kann.

„Ich frag mich ja immer, was die Protagonisten eigentlich so denken, wenn sie ganz unerwartet von sich hier lesen…“ hat Lyd etwa den Eintrag „Karierter Rock“ kommentiert. Ganz einfach: Vermutlich werden sie sich nicht mal erkennen. Vielleicht hat es den Rock gegeben, vielleicht war er aber auch einfarbig, gestreift oder gepunktet? Vielleicht ist die Geschichte drei Jahre alt, vielleicht auch nicht. Vielleicht gab es sogar zwei Situationen, die beide ähnlich waren – vielleicht ist aber auch alles genau so passiert.

In diesem Sinne, Gruß vom Bloggenden Ich! Und von mir natürlich auch!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

3 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. ich muss da unweigerlich an konstruktivismus-theorien denken. es „ist“ wohl so: als leserin wünsche ich mir, dass deine sämtlichen erzählungen wahr sind und so sind sie für mich auch wahr. obgleich sie für dich eine wahrheit im kostüm sind, nur ein bißchen wahr, nicht falsch, aber doch nicht real. alles klar?

  2. So ähnlich mach ich das auch. Ansonsten kam mir die Idee, wenn ich über was Bloggen möchte, was eventuell jemanden sauer aufstoßen könnte, dass ich das dann in eine Art „Kurzgeschichte“ pack 😀

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