Desillussionierend Tresenweisheiten

Unlogisch

2009-09-29-autobahn

Zur Party waren es 433,7 Kilometer – pro  Strecke. Da ich mich, einmal von der Autobahn runter, ganz gerne verfahre, hatte ich mit ein paar Extra-Kilometern gerechnet. Doch auch ohne Umwege macht es nicht wirklich Sinn. In nicht mal 24 Stunden insgesamt 867,4 Kilometer quer durch die Republik zu rasen, bloß um zu grillen und mit dem besten Freund und ein paar anderen Leuten einige Biere zu trinken – wer tut so etwas?

Ich habe es getan. Mehr aus einer Laune heraus, denn die Einladung kam einigermaßen spontan. Klar, dass mein Kopf erstmal „nein“ gesagt hat. Mein Bauch war allerdings schneller – und stärker. Zum Glück, denn die Party war wirklich gut und es tat gut, den Freund mal wieder zu sehen.

In Krimis rekonstruieren die Kommissare gerne die Handlungen des potenziellen Mörders. Es kann doch kein Zufall gewesen sein, dass er ausgerechnet am Abend der Tat einen Umweg nach Hause gemacht hat – und damit die selbe Strecke gegangen ist, wie das Mordopfer. Wieso hat er seit Wochen die geliehene Kettensäge im Kofferraum – wäre es nicht logischer gewesen, sie direkt zurück in den Keller zu bringen?

Die Rechnung funktioniert allerdings nur im Film; Menschen sind nicht logisch. „Wollen Sie mir wirklich sagen, Sie sind nur für eine Party 900 Kilometer gefahren?“, würde mich der Kommissar fragen, und kein Zuschauer würde mir mein „Ja“ abnehmen. Trotzdem wäre es die Wahrheit – doch was heißt das schon.

Nicht nur im Krimi, auch im normalen Leben unterstellen wir unseren Mitmenschen aus irgend einem Grund immer, dass sie wissen, was sie tun. Warum eigentlich? Tun wir es denn selbst? Und wenn ja – würde unser Tun immer einer logischen Überprüfung durch den kritischen Tatort-Fan standhalten?

In diesem Sinne, erwartet das Unerwartete!

Autor

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

3 Kommentare

  1. puh, also doch noch ein post zur party. ich war ja geradezu besorgt, dass david hasselhoff vor b. genannt wurde. danke fürs nicht-zitieren, übrigens. und sehr nett, dich mal nicht nur in buchstabenform gesehen zu haben.
    grüße von kilometer 433,8 in nördlicher richtung.

  2. Hey, ich bin grad um die halbe Welt gereist mit einem Menschen, von dem ich dachte, dass ich ihn gut kenne. Was hab ich gelernt? Dass Andere immer ein bißchen fremd bleiben. Und dass man selbst imemr ein bißchen fremd ist. Ich hab auf der anderen Seite des Äquators viel von mir selbst gefunden, das ich vorher nicht kannte und mich nach harten Zeiten damit angefreundet. Auch mit dem Fremden in dem anderen. Und du hast nach 433,8km festgestellt, dass der Freund immer noch ein Teil von dir ist. Manchmal muss man eben verdammt weit reisen…. 😉

  3. So, ich müsste eigentlich der erste in der Liste dieser Kommentare stehen, ich habe schon mit Lyd geschimpft, dass sie sich vorgedrängelt hat. Aber ich muss zugeben, dass ich einfach zu langsam war. Ich werde am Samstag den gleichen Unsinn machen wie Du und die 433,8 km auf mich nehmen. Und genau wie Du werde ich feststellen, dass sich die Reise gelohnt hat. Unsinn macht nur Sinn, wenn er keinen Sinn macht, deshalb halte ich es für absolut nicht unsinnig seinen besten Freund zu besuchen, um ein Bier mit Ihm zu trinken, besonders wenn er dazu noch 30 wird, das macht sehr viel Sinn trotz der furchtbar unsinnigen Entfernung. Wir sollten noch einmal über einen Tunnel zwischen Konstanz und Koblenz nachdenken, der macht viel mehr Sinn als der Tunnel zwischen Fonkeln und Mad Dog bzw.Truck Stop und der wäre schon sinnvoll gewesen. Allerdings sollten wir uns mit Raketen durchschießen lassen.In diesem Sinne, bis Samstag, lieber Felix! OK das war geklaut.

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