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Rucksack in Flammen

Ich mag die Geschichte mit dem brennenden Rucksack. George Clooney erzählt sie. Allerdings heißt er dabei nicht George Clooney, sondern Ryan Bingham. Ryan Bingham ist die Hauptfigur in dem Film “Up in the Air”. Sein Job ist es, die Leute zu feuern, deren Chef nicht selbst den Mumm dazu hat. Über 300 Tage im Jahr ist er dafür unterwegs, quer durch die USA.

Nebenbei hält Bingham Vorträge – übers Rucksäcke-Verbrennen. Je mehr man in seinen persönlichen Rucksack packt, desto schwerer wird er, so seine Argumentation. Besitz, Menschen, Erinnerungen – all das macht einen schwerfällig und unbeweglich. Deshalb sollten wir den Rucksack anzünden und uns endlich all des unnötigen Ballastes entledigen.

Bingham hat in gewisser Weise Recht: Die meisten Menschen sind Hobby-Messies. Sie füllen ihren Rucksack völlig wahllos, weil sie Angst haben etwas nicht dabei zu haben, was sie irgendwann mal brauchen könnten. Darum werden sie schwerfällig und unbeweglich: Besitz, Menschen und Erinnerungen im Rucksack drücken sie runter.

Das gilt im symbolischen und im tatsächlich-praktischem Sinne: Symbolisch wenn man sich einmal vor Augen hält, wie viele Menschen sich in einem gewöhnlichen Handy-Adressbuch tummeln und mit wie vielen Leuten man aus Pflichtgefühl Kontakt hält, bloß weil man nicht den Mut und die Konsequent findet, sie ad acta zu legen. Praktisch wenn man sich an einem beliebigen Bahnhof oder Flughafen die riesigen Rollkoffer beobachtet, die hinter den Reisenden über den Bahnsteig und durch die Abfertigungshallen geschleift werden, während der- oder diejenige ein Handy-Telefonat nach dem anderen führt.

Wie viel einfacher reist es sich da leicht. Man braucht so wenig – und was fehlt, lässt sich fast immer improvisieren. Ich würde nicht so weit gehen, dass man den Rucksack direkt in Flammen setzen muss. Aber darüber nachdenken sollte man schon dann und wann.

Meine Weltreise vor bald sechs Jahren habe ich nur mit einem Rucksack gemacht. Ich habe das Gefühl geliebt, alles, was ich brauche, einfach auf den Rücken schnallen zu können. Ich habe viele Menschen kennengelernt. Mit einigen habe ich noch Kontakt, viele habe ich vergessen. Man muss den Rucksack nicht anzünden. Es reicht, wenn man nur so viel hinein packt, wie auch reinpasst und man ihn trotzdem noch tragen kann.

Oder, um es in der Sprache der Fluggesellschaften zu sagen: Jeder Passagier muss in der Lage sein, sein Handgepäck selbständig in das Fach über dem Sitz zu heben. Keine schlechte Regel eigentlich. Im symbolischen und im tatsächlich-praktischen Sinne …

In diesem – gute Reise!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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