Roadtrip-G.

Wir haben es wieder getan. Weil uns die Erinnerung einfach nicht losgelassen hat. Und weil da noch so viel war, das wir (teilweise krückenbedingt) noch nicht gesehen hatten. Also ging es zwei Jahre nach unserer letzten USA-Reise wieder nach Los Angeles. Mit dabei: die Reservierung für ein Motel für die ersten beiden Nächte und ein Navi mit USA-Karte. Der Rest würde sich ergeben. Hier ein (erster) Rückblick – natürlich in G.

Gefahren: 3056 Meilen, also fast 4918 Kilometer – gut 900 Kilometer mehr als vor zwei Jahren. Trotzdem habe ich die Fahrten dieses Mal als noch weniger anstrengend erlebt als damals, und da war das von A nach B kommen schon sehr entspannt. Lag vermutlich daran, dass wir dieses Mal die größten Etappen (zum Beispiel von Joshua bis Williams) relativ am Anfang der Reise gefahren sind. Am Ende stand dieses Mal dagegen der Weg von San Francisco nach L.A., den wir gemächlich auf drei Tage verteilt zurückgelegt haben.

Gemietet: Wieder „fullsize“, also etwa das, was in Deutschland einer Mittelklasselimousine entspricht. Je nach Angebot ist das nur 50 bis 100 Euro teurer als ein kleineres Auto, aber so viel bequemer, wenn man bedenkt, wie viele Kilometer Meilen man damit zurücklegt. Klein kommt man sich ohnehin noch oft genug vor, nämlich immer dann, wenn auf Nachbarspur wieder einer der riesigen Pick-Up-Trucks fährt, die ständig im Fernsehen beworben werden. In Deutschland würden sie in kein Parkhaus passen, hier sind sie Standard.

Gelaufen: Aus den bekannten Gründen deutlich mehr als vor zwei Jahren. Dabei wusste ich gar nicht, was ich alles verpasst habe! Allein die Wanderung ins Tal des Bryce Canyon Nationalparks – atemberaubend. Letztes Mal konnten wir die weltweit einmaligen Felsstrukturen ja nur von oben betrachten und das war schon toll. Dieses Mal mitten drin zu stehen, war wahnsinnig beeindruckend. Hinzu kam, dass Wege, die mir damals wie ein Marathon vorkamen, dieses Mal eher einem Spaziergang glichen – etwa die kurze Wanderung durch die Wüste zum Horseshoe Bend.

Gesessen: Auf der friends-Couch. Da die Serie nicht mehr gedreht wird, steht zwar das Originalsetting nicht mehr, wurde aber 1:1 an anderer Stelle neu aufgebaut und bildet nun den Abschluss der Warner Brothers Studiotour. Die kann ich übrigens jedem, der Filme mag, nur empfehlen. Sicher steht und fällt die circa dreistündige Tour mit dem richtigen Tourguide, spannend ist es aber auf jeden Fall, einmal all die Filmsets zu besichtigen. Außerdem ist es desillusionierend: wie winzig manche Sets sind und in wie vielen Filmen ein und dieselbe Kulisse zu sehen ist, ist fast schon erschreckend.

Gezählt: Besuchte Staaten: vier (Kalifornien, Arizona, Utah und Nevada). Besuchte Nationalparks: fünfeinhalb: Joshua Tree, Grand Canyon, Bryce Canyon, Zion, Death Valley und den Rand des Grand Staircase Escalante National Monument. Durchfahrene Zeitzonen: zwei (Pacific Standard Time und Mountain Standard Time).

Geschneit: Wir hatten Sonne und Wüste – und Kälte und Schnee. Tatsächlich hatten wir ernsthaft Schwierigkeiten, von Bishop nach Sonora zu kommen. Geplant war für diese Etappe eigentlich der Besuch des Yosemite Nationalparks. Nur war die Ost-Zufahrt an diesem Tag gesperrt, da man dafür über den landschaftlich großartigen, aber rund 3000 Meter hohen Tioga-Pass fahren muss. Normalerweise (also laut Reiseführer) muss man hier zwar erst ab Mitte Oktober mit witterungsbedingten Sperrungen rechnen, doch wir erwischten ausgerechnet das Jahr, wo der erste Schnee schon Mitte September fiel. Und nicht nur der Tioga-Pass war gesperrt: auch die nächste, weiter nördlich gelegene Ost-West-Verbindung war dicht, so dass wir letztlich einen Umweg von mehr als 100 Meilen fahren mussten – und trotzdem mitten im Schneegestöber landeten. Ein Abenteuer, mit dem wir in diesem Urlaub eigentlich nicht gerechnet hatten.

Geschlürft: Suppe. Viel Suppe. Insbesondere I. konnte gar nicht genug von den Suppentheken bekommen, die es hier in vielen größere Supermärkten gibt. Da die meisten Hotelzimmer mit Mikrowellen ausgestattet sind, gab es Suppe so nicht nur abends, sondern auch zum Frühstück oder einfach mal zwischendurch.

Gemieden haben wir dieses Mal den Bezirk, in dem beim letzten Mal unser Motel in San Francisco gewesen ist – und die Stadt so auf eine ganz neue Art entdeckt. War unser Bild beim letzten Mal noch von Drogensüchtigen und Obdachlosen am Tag, Schüssen und Polizeisirenen bei Nacht und Uringeruch vor dem Motel bei Tag und Nacht geprägt, konnten wir dieses Mal problemlos die Golden Gate Bridge bei Sonnenuntergang fotografieren und anschließend zu Fuß zum Motel zurückgehen. Unglaublich, was das ausmacht. Auf einmal mag die die Stadt, auch wenn ich mich in L.A. weiterhin irgendwie wohler fühle.

Gegräut: Überrascht waren wir insbesondere am Ende unserer Reise, wie viel Nebel es Ende September in einer Stadt wie L.A. geben kann – fast wie Konstanz im Herbst, nur eben ein bisschen größer. Glücklicherweise löste sich der zum Vormittag hin jedes Mal auf, so dass wir problemlos das Meer finden und Schwimmen gehen konnten.

Geflogen: Erstmals über Dublin, was sehr praktisch war, denn aus historischen Gründen gibt es dort eine eigene US-Grenzstation. Man nutzt also die Umsteigezeit praktisch und reist schon in Dublin in die USA ein und kann dann in Los Angeles direkt und ohne weitere Kontrollen aus dem Flughafengebäude spazieren.

Gewässert: Ich bin ziemlich sicher, dass wir in drei Wochen mehr unterschiedlich funktionierende Dusch- und Wasserhahn-Armaturen gesehen haben als wir unterschiedliche Fernbedienungen auf den Zimmern liegen hatten. Während letztere inzwischen fast standardisiert zu sein scheinen, leistet sich gefühlt jedes Motel eine eigene Methode, das Wasser anzudrehen. Aber das kannten wir ja schon von unserem letzten Besuch …

In diesem Sinne, unglaublich, wie schnell die drei Wochen wieder rum sind …

PS: Alle Artikel zu unserer Reise von vor zwei Jahren gibt es hier – weitere zur letzten folgen natürlich. 

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