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Männlicher Finger

Ich bin so froh, dass ich ein Mann bin. Das stand nämlich heute einen Moment auf der Kippe.

Es war keine neue Erkenntnis, die wir heute in der Redaktion diskutiert haben. Irgendwer hatte sie allerdings neu aus einem Zeitungsartikel gefischt: Bei Männern ist der Ringfinger länger als der Zeigefinger. Frauen hingegen tendieren zu eher gleich langen Zeige- und Ringfingern.

Der Grund liegt wie so oft in den Hormonen. Platt gesagt: Je mehr vom Männlichkeits-Hormon Testosteron ein Fötus im Mutterleib aufnimmt, desto größer wird der Längenunterschied zwischen den beiden Fingern. Das hat der englische Anthropologe John Manning vor ungefähr zehn Jahren herausgefunden.

Manning selbst hat sein Ergebnis mehrfach nachgeprüft und dabei immer neue Belege für den Testosteron-Überschuss gefunden. Am besten belegt ist der Zusammenhang laut einem Artikel aus Die Zeit beim Verhältnis von Fingerlängen und sportlicher Leistungsfähigkeit. Erfolgreiche Schwimmer, Sprinter, Fußballer, Skifahrer und Fechter haben demnach einen im Schnitt längeren Ringfinger als erfolglose oder Nicht-Sportler: “Bei einem Wettrennen sollte Fingerforscher Manning aus den Fingerlängen lesen, in welcher Reihenfolge fünf Läufer das Ziel erreichen. Seine Vorhersage war fast perfekt – nur Platz 3 und 4 waren vertauscht.”

Nun ist die Fingerlänge nicht die einzige Länge, von der Rückschlüsse auf andere Eigenschaften – oder Längen – gezogen werden. Bekannt ist der Vergleich zwischen Nase und dem sprichwörtlichen “Johannes” eines Mannes, der inzwischen als widerlegt gilt. Statt dessen sind zumindest einige amerikanische Forscher inzwischen der Ansicht, dass es eine minimale Korrelation zwischen Schuhgröße und der Länge des Penis gibt – in Korea dagegen muss auch hier wieder ein Finger herhalten.

Wie realistisch solche Vergleiche sind, lasse ich nun mal dahingestellt. Folgt man Mannings Zeige-Ringfinger-Theorie arbeiten in der Redaktion seit heute nachmittag jedenfalls deutlich mehr Männer als noch zu Beginn des Arbeitstages. Dafür habe ich einige Frauen aus den anderen Abteilungen kennengelernt, von denen ich bisher nicht mal wusste, dass sie existieren – bisher hatte ich sie für Männer gehalten.

In diesem Sinne, zum Glück glaube ich als Journalist nicht alles, was in der Zeitung steht …

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

7 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Das habe ich schon erkannt ;-) Aber ich finde es trotzdem richtig gut, denn auf die Idee muss man ja erst einmal kommen. ICH hätte z.B. nur stupide meine Hand fotografiert!

  2. der satz verdient aber noch ein korrekturlesen:

    Erfolgreiche Schwimmer, Sprinter, Fußballer, Skifahrer und Fechter haben demnach einen im Schnitt längere Ringfinger haben als erfolglose oder Nichtsportler:

  3. Meine Hände verraten mir, dass ich linksseitig weiblich, rechts allerdings eher männlich veranlagt bin. Naja, stimmt zumindest mit meinen halbgaren sportlichen Ambitionen überein.

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