Karlsruhe Mitmenschen Splitter

Pferdemann

“Rieche ich nach Pferd?”

Manchmal denke ich, ich ziehe komische Menschen an. Ganz ohne es zu wollen. Die Frage hätte mich daher nicht wundern sollen. Wobei dieser Mensch eigentlich recht normal aussah. Schlaksig, ein paar Zentimeter größer als ich, stark angegraute, kurze Locken. Eigentlich nicht ungewöhnlich. Einzig die Augen wirkten etwas unruhig, irgendwie nervös.

“Rieche ich nach Pferd?”, wiederholte der Mann. “Ich möchte nämlich noch einkaufen gehen.”

Ich wusste nicht, dass man nach Pferd riechen muss, wenn man noch einkaufen gehen möchte. Aber ich kann ja auch nicht alles wissen. Dieser Mann roch jedenfalls nicht nach Pferd. Aber konnte ich ihm das so direkt sagen?

“Ich war den ganzen Tag im Stall, wissen Sie?”, sagte der Mann, der nicht nach Pferd roch und noch einkaufen wollte. Dabei begann er nervös hin und her zu wippen. “Deswegen befürchte ich, dass ich nach Pferd riechen könnte. Dabei will ich doch noch einkaufen.” Der Mann hielt mir einen Ärmel seiner Jacke unter die Nase.

Der Ärmel roch nicht nach Pferd. Als ich dem Mann das sagte, wirkte er erleichtert. Und traurig. Irgendwie beides zugleich.

“Dann gehe ich jetzt einkaufen”, sagte er schließlich fröhlich. “Auf wiedersehen.” Ich bin dann nach Hause gegangen. Dabei habe ich mich mich gefragt, warum ich eigentlich so ein Talent habe, komische Menschen anzuziehen. Selbst sie nicht nach Pferd riechen.

In diesem Sinne, woher kommt eigentlich dieser Ziegengeruch?

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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  1. Das nächste Mal wenn du hier bist halte ich dir meinen Ärmel unter die Nase und frage dich, ob ich nach Meerschweinchen rieche….

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