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Fehlinvestitionen

Der gedachte Versuchsaufbau ist einfach: der Proband sitzt an einem einfachen Tisch und wird aufgefordert, sich zu entscheiden: „In welche Firma möchten Sie investieren: A oder B?“ Der Proband entscheidet sich und bekommt nach einer kurzen Pause das Ergebnis seiner Wahl mitgeteilt: sie war falsch. Hat er sich für Firma A entschieden, war es Firma B, die sich am Markt deutlich besser behaupten konnte, präferierte er Firma B, war es Firma A, die die schwärzeren Zahlen schrieb.

Interessant wird es nun, wenn der Proband erneut entscheiden muss, in welche Firma er bei der nächsten Runde investieren möchte: die Mehrheit der Versuchspersonen hält an der ersten Entscheidung fest und das nicht nur in dieser, sondern auch in weiteren Runden. Er investiert weiter in Firma A respektive B, egal wie rot die Zahlen sind, die diese schreibt.

Die Erklärung ist simpel: die erste Investition soll nicht umsonst gewesen sein. Dies gilt um so mehr, je mehr Geld die Versuchsperson fiktiv in den Sand gesetzt hat. Je größer die Fehlinvestition, desto größer auch der Verlust, der mit einer Umkehr eingestanden wäre. Entsprechend hält der Proband an seiner Wahl fest, selbst wenn die Verluste den zu erwarteten Gewinn längst überholt haben.

Auch wenn der tatsächliche Versuchsaufbau normalerweise komplexer ist (es hat nämlich wirklich einige Versuche in dieser Richtung gegeben), das Ergebnis bleibt im Großen und Ganzen gleich: der Mensch neigt dazu, an Einstellungen und Entscheidungen festzuhalten, selbst wenn diese sich rational betrachtet als unsinnig erwiesen haben.

Dies gilt leider nicht nur für die Finanzwelt, sondern auch für das ganz „normale“ Leben. Wer einmal eine vermeintlich falsche Richtung eingeschlagen hat, ist oft nur schwer wieder davon abzubringen.

Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns immer wieder in Beziehungen stürzen, von denen wir schon nach kurzer Zeit wissen, dass sie nicht gut für uns sind. Vielleicht halten wir deshalb an Jobs fest, die uns keinen Spaß machen, oder an Freundschaften, die eigentlich mehr Belastung als Bereicherung sind? In jedem Fall Wert, mal darüber nachzudenken.

In diesem Sinne, Firma A oder Firma B?

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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