Papawelten

Du wirst Vater? Diese neun Dinge hätte mir mal jemand vorher sagen sollen!

Ihr werdet demnächst Vater? Herzlichen Glückwunsch! Es kommt eine wundervolle Zeit auf Euch zu. Die Geburt meiner Tochter und die ersten Tage danach waren wohl das Schönste und zugleich Aufregendste, das ich bisher erleben durfte. Ich würde allerdings lügen, würde ich behaupten, dass es immer einfach war.

Hier ein paar Dinge, die man mir gerne vorher hätte sagen können – neun Tipps von Papa zu Papa für die ersten Tage zu dritt:

1. Widersprich Deiner Frau nicht. Zumindest nicht gleich.

Ja, das meine ich ernst und keineswegs böse. Eure Frau hat gerade neun Monate Schwangerschaft und eine Geburt hinter sich. Sie ist vermutlich übermüdet, hat Angst, etwas falsch zu machen und ist noch lange nicht in der neuen Situation angekommen. Bedingt gilt das natürlich für Euch auch, ich behaupte trotzdem: sie hat es schwerer. Eben hat sie noch einen großen Schwangerschaftsbauch mit sich rumgetragen, auf einmal ist der weg. Dazu kommt die hormonelle Umstellung. Außerdem ist es vermutlich eher Eure Frau, die nun alle zwei, drei Stunden das Kind anlegen und stillen muss – tagsüber und nachts.

Wenn Eure Frau in dieser Situation also dünnhäutiger ist, dann ist das nur allzu verständlich. Und wenn sie in dieser Situation die eine oder andere Idee hat, die Eurer (vermeintlich) logisch denkendes Männerhirn für Blödsinn hält, behaltet das für Euch. Zumindest sofern das, was Eure Frau vorhat, nicht akut gesundheitsgefährdend ist.

Sie möchte spontan noch einmal Wickelkommode, Kinderbett und das Sofa umstellen? Dann fangt an Möbel zu rücken! Selbst wenn Ihr sicher seid, dass Ihr nach drei Tagen wieder alles an seinen alten Platz schieben werdet. Es bringt nichts, jetzt darüber zu diskutieren. Später zu sagen, „ich habe es doch gleich gewusst“ übrigens auch nicht. Sie will unbedingt künftig nur noch Rohkost essen und besteht darauf, dass Ihr das Babyzimmer nur noch in sterilisierten Hausschuhen betretet, weil sie diese Empfehlungen gerade in einem Mamablog gelesen hat? Dann wechselt die Schuhe und macht Euch auf den Weg zum nächsten Bio-Supermarkt. Vermutlich gibt sich das mit der Zeit ohnehin wieder und falls nicht, könnt Ihr es ja in einer ruhigeren Minute immer noch ansprechen. (Wichtig an dieser Stelle: nein, das sind keine realen Beispiele, so persönlich muss es hier dann doch nicht werden. Trotzdem sind sie nicht ganz unrealistisch, wenn man sich so mit anderen Vätern unterhält …).

2. Nimm Dir Urlaub

Meine Tochter wurde im Dezember geboren. Die neun Monate davor habe ich gedacht: wenn meine Frau aus dem Krankenhaus kommt, bleibe ich noch ein paar Tage zuhause, dann läuft das. Die meiste Zeit schläft das Baby ja sowieso, dazwischen trinkt es, wobei ich anfangs auch nicht viel tun kann – was soll ich da zuhause rumsitzen? Soweit mein Verstand.

Eine innere und offensichtlich schlauere Stimme hat mich trotzdem dazu gebracht, ein paar mehr Urlaubstage für das Jahresende aufzusparen. Das war doppelt gut: zum einen schafft es auch ein neugeborenes Baby in den ersten Tagen locker, zwei Personen in Vollzeit zu beschäftigen. Zum anderen ist es einfach unglaublich, was so ein kleines Kind schon in den ersten paar Tagen alles lernt und wie viel Persönlichkeit es entwickelt. Das mitzuerleben war einfach toll und ich möchte das auf keinen Fall missen. Wenn Ihr also Urlaub nehmen könnt, dann tut es.

3. Lerne wickeln

Klingt banal? Natürlich. Ein Kind zu wickeln ist nicht wirklich schwer. Trotzdem erinnere ich mich gut daran, wie ich das erste Mal etwas ratlos vor diesem kleinen Menschlein gestanden habe: die saubere Windel in der einen, die schmutzige in der anderen Hand. Was schon der erste Fehler war. Genau diesen Moment nutze meine Kleine nämlich, um noch einmal alles zu geben, was die Blase hergab. Heute weiß ich: wenn man die schmutzige Windel entfernt hat, so schnell wie möglich die neue unter den Popo schieben. Man weiß nie, was passiert.

Aber zurück zum Thema: Es soll Väter geben, die meinen, es lohnt nicht, sich groß mit dem Thema Windeln und Wickeln zu beschäftigen. Windeln sind ja eh eine Übergangslösung, denken sie. Die paar Monate, da sollte es doch reichen, wenn Mama weiß, wie das geht.

Ich gebe zu, einen halben Tag oder so wollte ich mir genau das einreden. Da waren Mama und Kind noch im Krankenhaus und ich war froh über jede Windel, die meine Frau gewechselt hat und die ich deswegen nicht wechseln musste. Nicht, weil ich das unangenehm fand, sondern schlicht, weil ich das Gefühl hatte, mich so unglaublich dumm dabei anzustellen. Meine Frau dagegen zog die Windeln an- und aus, als hätte sie nie etwas anderes getan.

Dann aber hat zum Glück doch noch der Ehrgeiz gepackt. So ein Kind verbraucht im Schnitt gut 6000 Windeln, bis es trocken ist. Die kann ich doch nicht alle meine Frau wechseln lassen. Mit ein wenig Übung ging es dann tatsächlich recht einfach. Als ich das erste Mal mit der Kleinen allein war, war ich jedenfalls froh, eine gewisse Routine zu haben. Das gilt übrigens auch für andere alltägliche Verrichtungen, die man am Anfang das erste Mal macht – Baby auf den Arm nehmen und rumtragen, Baby ins Bett bringen, und so weiter.

4. Kümmere Dich um den Kühlschrank (und um die Waschmaschine)

Gewickelt werden muss zum Glück weder das eine noch das andere. Dafür will beides gefüllt werden – und zwar ständig. Ihr glaubt ja gar nicht, wie viel eine junge Mutter essen und trinken kann. Andererseits ist es kein Wunder: sie isst ja für zwei. Achtet daher darauf, dass sowohl Essen als auch Trinken stets ausreichend vorhanden sind. Wenn Ihr Eurer Frau ungefragt ein Glas Wasser oder Tee und eine Kleinigkeit zu Essen bringt, während sie stillt, schadet das auch nicht. Übrigens: auch mein Kalorienbedarf dürfte in den ersten Wochen um einiges höher gewesen sein – siehe: Ein Monat Papa oder: Wie ich schnell 2,5 Kilo verlor.

Etwas das kleine Kinder von Anfang an gut können ist, schmutzige Wäsche zu produzieren. Oder Milchflecken auf dem Laminat. Oder Chaos allgemein. Ein Kind verlangt ja selten genau dann nach den Eltern, wenn diese gerade ohnehin nur rumsitzen und auf den nächsten Schrei warten. Die Folge: andauernd bleibt irgendwo irgendwas liegen. Alleine wenn ich daran denke, wo ich überall Teetassen und Wassergläser aufgesammelt habe. Und wie oft ich gedacht habe: verdammt, habe ich nicht gerade erst an genau dieser Stelle einen Milchspritzer weggewischt?

Hier gilt es, der Mutter den Rücken frei zu halten und gleichzeitig die richtige Balance zu finden: Wie viel Unordnung erträgt man – und wie viel Zeit hat man, um dem Chaos nebenbei entgegen zu wirken. Schließlich möchte man die ersten Tage ja nicht mit putzen verplempern, wenn im Bett ein Baby liegt, an dem man sich einfach nicht sattsehen kann.

So oder so: erwartet nicht, dass sie die frischgebackene Mutter nun nebenbei Haushalt alleine schmeißt, nur weil sie jetzt vielleicht im Gegensatz zu Euch den ganzen Tag zuhause ist.

5. Fühl Dich nicht für alles verantwortlich

Moment – widerspreche ich mir da nicht gerade selbst? Habe ich nicht gerade geschrieben, haltet Eurer Frau den Rücken frei, kümmert Euch um den Haushalt, lernt wickeln, usw.? Stimmt schon. Allerdings bringt es wenig, wenn immer beide aufspringen, sobald das Kind schreit. Am Ende des Tages sind nämlich beide fix und fertig – und dann kommt ja noch die Nacht.

Ich gebe zu, mir ist es am Anfang schwer gefallen, die richtige Balance zu finden. Auf keinen Fall wollte ich einer der Väter sein, der sich darauf zurückzieht, das Geld zu verdienen, während die Mutter gefälligst für Haushalt und Kinder zu sorgen hat. Trotzdem habe ich irgendwann verstanden: ich bin nicht Superman. Es kann in Ordnung sein, wenn ich sitzen bleibe und mir etwas Ruhe gönne, während meine Frau mit der weinenden Kleinen auf dem Arm ihre Runden dreht, bis diese endlich eingeschlafen ist. Das funktioniert, wenn es beim nächsten Mal eben andersrum ist. Dann haben beide zwischendurch die Chance, auch mal durchzuatmen. Meiner Erfahrung nach ist nämlich genau das enorm wichtig: einander ganz bewusst Pausen zuzugestehen. Man muss eben darüber reden. Ich hätte das vorher nie gedacht: aber für eine frisch gebackene Mutter oder einen frisch gebackenen Vater können zwei Stunden bewusst genommene Zeit nur für sich ein tolles (und sehr erholsames!) Geschenk sein.

6. Sei vorbereitet – am besten vorher

Es ist kaum zu glauben, wie viel Papierkram ein Baby verursacht. Kindergeld will beantragt, ein Elterngeldantrag ausgefüllt und Versicherungen umgestellt werden. Ihr braucht eine Geburtsurkunde und womöglich wollt Ihr Elternzeit beantragen. Mein Tipp: versucht so viel wie möglich davon vor der Geburt soweit vorzubereiten, dass Ihr nach der Geburt nur noch das das Geburtsdatum eintragen müsst. Und selbst bei den Formularen, wo das nicht geht, habe ich es als ungemein hilfreich empfunden, mir schon einmal die nötigen Links und / oder Adressen rauszusuchen und irgendwo abzuspeichern. Ist das Kind erstmal auf der Welt, habt Ihr vermutlich weder Zeit noch Lust, um Euch auch noch darum zu kümmern.

Vorbereitet sein gilt auch für alles andere. Ich erinnere mich, wie ich großspurig tönte: „Was wir nicht haben, kann ich ja auch noch schnell noch besorgen.“ Aber ganz ehrlich: Wenn Euer Kind erstmal auf der Welt ist, habt Ihr besseres zu tun als Windeln zu kaufen und nach dem richtigen Kinderwagenmodell zu fahnden.

Aber: übertreibt es nicht. Die diversen Baby-Geschäfte sind irrsinnig gut darin, einem das Gefühl zu vermitteln, dass man ohne Produkt x und ohne Extra y kein Kind erfolgreich großziehen kann. Ich erinnere mich an ein Gespräch, das ich mitgehört habe, bei dem es ernsthaft um die Straßenlage eines Kinderwagens ging. „Sie können das einfache Modell nehmen, aber diese (teurere) Variante hier hat natürlich eine bessere Kurvenlage und ist besser gefedert.“ Unseren Kinderwagen haben wir übrigens gebraucht gekauft. Die Straßenlage ist trotzdem top.

7. Informier Dich – Deine Frau wird Dich testen

Zum allem rund um das Thema Baby, Geburt, die ersten Wochen usw. gibt es unendlich viele Webseiten, Youtube-Videos, Bücher – und zu den meisten Themen gibt es auch mindestens zwei völlig konträre Meinungen. Insbesondere in den Wochen vor der Geburt wird Eure Frau all das aufsaugen. Sie wird schließlich schon rein körperlich ständig daran erinnert, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen. Ihr dagegen werdet das vielleicht nicht einmal immer mitbekommen – was durchaus von Vorteil sein kann. Ihr seid dann nämlich weniger stark vorbelastet, wenn auf einmal Fragen im Raum stehen wie: Wieso ist der Windelinhalt heute so grün – gestern war doch noch alles gelbbraun? Müssen wir uns Sorgen machen? Oder: ist es eigentlich gefährlich, wenn ich das Kind nachts ins Elternbett hole, Stichwort plötzlicher Kindstod?

Gerade weil es zu all diesen Themen so viele unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen gibt, ist es nun Eure Aufgabe, gemeinsam mit Eurer Frau begründete von unbegründeten Sorgen zu trennen. Aber dafür solltet Ihr zumindest wissen, wovon Eure Frau spricht. Nutzt also die Zeit vor der Geburt, um Euch ebenfalls einzulesen. Es schadet auch nicht, die eine oder andere hilfreiche Seite in den Lesezeichen abzuspeichern. Wichtig hierbei nur: lasst Euch nicht verrückt machen – siehe auch Punkt neun.

8. Genieße die Zeit vor der Geburt

Ich hatte sauber gemacht. Ich wollte, dass alles blitzt und glänzt, wenn Frau und Kind aus dem Krankenhaus nach Hause kommen. Als wir durch die Tür kamen, sah meine Frau sich um und lächelte. „So sauber wird es hier wahrscheinlich auf absehbare Zeit nie wieder sein.“

Wie recht sie hatte … Ein Baby ändert alles inklusive dem Putzplan. Als eine Freundin, selbst seit einem Jahr Mutter, mir ein paar Wochen vor dem errechneten Geburtstermin empfahl, die Zeit zu zweit noch einmal ausgiebig zu genießen, ins Kino und schön Essen zu gehen, wegzufahren, habe ich das erst nicht verstanden. Heute weiß ich, was sie meinte. Ein Baby zu haben heißt auch: mindestens einer von uns beiden ist immer in Bereitschaft. Scheinbar banale Dinge wie in Ruhe einen Film zu gucken, ein Buch zu lesen oder einfach: ausschlafen zu können bekommen plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Also genießt es!

9. Entspann Dich. Es wird toll!

Kinder sind nicht für perfekte Eltern gebaut. Ich weiß nicht mehr genau, wo ich diesen Spruch gelesen habe oder wer ihn zu mir gesagt hat. Aber er hat mich ungemein beruhigt. Würden nur unfehlbare Super-Eltern erfolgreich Kinder großziehen, wäre die Menschheit vermutlich längst ausgestorben.

Ich glaube, dass man schon instinktiv vieles richtig macht. Kinder sind außerdem von Anfang an sehr gut darin, sehr deutlich zu machen, wenn ihnen etwas nicht passt. Genauso gut sind sie darin, zu belohnen, wenn man als Eltern etwas gut gemacht hat. Die Frage, wer da wen erzieht, ist zumindest in den ersten Wochen somit eindeutig geklärt.

Unterm Strich sollte man vielleicht gar nicht so viel darüber nachdenken. Ein Kind ist anstrengend und eine Lebensaufgabe, aber eben auch etwas ganz Wunderbares und Tolles. Papa zu sein ist toll!

In diesem Sinne, ein Gruß an alle frisch gebackenen Väter!

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Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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