Desillussionierend Webwelten

Coke mit (NeinNeinNein)

2013-06-27-Coke-mit

Kennt Ihr diese Namens-Tassen? Oder Namens-Geburtstagskarten? Namens-Kugelschreiber? Irgendein Schlagersänger, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann, hat sogar einmal Namens-Geburtstags-CDs rausgebracht. Per Postkarte musste man den Namen der Person hinschicken, die man beschenken wollte. Ein paar Tage später bekam man dann eine CD mit einem Geburtstagslied zugeschickt, bei der der Sänger an der entscheidenden Stelle den Namen des Geburtstagskindes sang.

Das persönliche Geschenke offenbar funktionieren, hat nun auch Coca-Cola entdeckt. Auf coke.de kann man nun ganz persönliche Coca-Cola-Flaschen bestellen und verschenken. „Trink ’ne Coke mit …“ heißt es hier – einzutragen ist dann der Name des oder der Glücklichen, der auf dem Etikett erscheinen soll.

Schade eigentlich, dass Coca-Cola offenbar vorausschauend genug geplant hat, um imagefeindliche (oder auch nur sonstwie unerwünschte) Varianten von vornherein auszuschließen. „Trink ’ne Coke mit Zucker“ funktioniert ebensowenig wie die „Coke mit Whisky“. Auch englische Varianten wie „Sugar“ – ein nicht unüblicher Kosename, der sich ins Deutschen am ehesten mit „Süße(r)“ übersetzen lässt – sind tabu. Versucht man dennoch, einen solchen Begriff einzutragen, beginnt die Flasche sich abwehrend zu schütteln, wenn man den letzten Buchstaben eingibt – und das Wort verschwindet, noch bevor es ausgeschrieben werden kann.

Dass Coca-Cola ein amerikanisches Unternehmen ist, merkt man unter anderem daran, dass auch Begriffe wie „Sex“ oder „Lesbian“ ausgeschlossen wurden („gay“ übrigens nicht). Nicht erlaubt sind außerdem Pfui-Worte wie der Name des Konkurrenten „Pepsi“ und sogar die gute alte „Afri“-Cola. Nicht mal das Wort „Kaffee“ funktioniert. Wirklich Spaß machen die selbst ausgedachten Etiketten so natürlich nicht mehr. Aber das war vermutlich auch nicht Coca-Colas Intention.

In diesem Sinne, ich gehe jetzt ohne Coke ins Bett

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

4 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Der Sänger war Frank Zander und „gay“ heißt ja in erster Linie „schillernd, bunt“, vielleicht deswegen. So – Klugscheißermodus aus. ;-)

    1. Echt, Frank Zander war das? Bei gay wunder ich mich trotzdem – ist nämlich echt faszinierend, welche Worte alle nicht funktionieren, wenn man ein bisschen rumprobiert. Nicht mal „snow“ klappt, weil man das wohl fehlinterpretieren könnte…

  2. Keiner schreibt was zu Tabu-Namen?!

    Dieser Konzern dachte jedenfalls an „Adolf“, „Hitler“, „Stalin“, „Honecker“, „Pol Pot“, „Charles Manson“. Alles Tabu.

    „Gift“ ist leider auch Tabu. Für „Rattengift“ ist sogar schon vor „Ratte“ Schluß.

    Wäre jedenfalls großartig, wenn ein Whistleblower mal die komplette Tabuliste besorgen könnte, wie tief ließe das blicken!!!

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