Regenfenster

2016-07-27-Regen-NeuUlm

Aufgenommen in Wiley in Neu-Ulm. In diesem Sinne, Schirm nicht vergessen!

Frische Fragen II

Kürzlich habe ich mit den „Frischen Fragen“ begonnen. Hier kommt Teil II:

  1. Du hast die Möglichkeit, Dein Leben einmal an einem beliebigen Punkt „zwischenzuspeichern“ und später zu diesem Punkt zurückzukehren, um von hier aus neu zu starten. Welchen Punkt jetzt, in der Zukunft oder der Vergangenheit, wählst Du?
  2. Für jedes Jahr Lebenszeit, auf das Du verzichtest, bekommst Du einen beliebigen Herzenswunsch erfüllt. Wie viele Wünsche realisierst Du?
  3. Du kannst jetzt sofort 1 Millionen Euro bar auf die Hand bekommen, stirbst dafür aber ein Jahr früher als ohne die Millionen. Nimmst Du das Angebot an?
  4. Morgen musst Du der ganzen Welt ein Geheimnis über Dich verraten. Was verrätst Du?
  5. Angenommen, Du wüsstest, dass Du ein glücklicherer Mensch wärst, wenn Dein IQ 10 Punkte niedriger wäre. Würdest Du dümmer werden, um glücklicher zu sein?
  6. Du kannst jetzt sofort eine unliebsame Gewohnheit für immer ablegen, welche wäre das?
  7. Du darfst für genau 30 Sekunden zu Deinem zehnjährigen Ich sprechen und weißt, dass dieser Zehnjährige weiß, wer da zu ihm spricht. Was sagst Du?
  8. Wie viel persönliches Glück würdest Du aufgeben, wenn Du dafür eine schlimme Katastrophe verhindern könntest, bei der niemand betroffen ist, den Du kennst?
  9. Würde es Deine Entscheidung beeinflussen, wenn die Betroffenen wüssten, dass Du sie gerettet oder eben nicht gerettet hast?
  10. Du musst von den bisherigen 19 Fragen alle öffentlich beantworten bis auf eine. Welche Frage streichst Du?

In diesem Sinne, viel Spaß beim Grübeln!

Frische Fragen

  1. Egal, was Du heute tust, es wird Dir gelingen. Was tust Du?
  2. Du darfst Dir eine Sache aussuchen, in der Du ab sofort nie wieder Fehler machst. Welche wäre das? Auf welche Fähigkeit würdest Du im Gegenzug verzichten?
  3. Du darfst drei Freunde einladen, damit sie Dir ihren größten Wunsch nennen. Einen Wunsch kannst Du erfüllen. Wen lädst Du ein?
  4. Einer Deiner Freunde bekommt das gleiche Angebot. Welchen Wunsch nennst Du ihm oder ihr?
  5. Welches Jahr war das bisher beste Jahr Deines bisherigen Lebens? Was müsste passieren, damit das aktuelle Jahr dieses Jahr übertrifft?
  6. Du darfst für einen Tag die Gedanken eines anderen Menschen mitlesen. Wessen Gedanken wählst Du?
  7. Morgen muss Du Dich von einem Deiner engeren Freunde für immer trennen. Für wen entscheidest Du Dich?
  8. Wenn Du es Dir aussuchen könntest: Wie alt würdest Du werden? Du darfst die gleiche Entscheidung für einen weiteren Menschen treffen. Wer ist das und was entscheidest Du? PS: Es darf nicht Dein Lebenspartner sein.
  9. Du darfst nur noch neun Worte sagen: Welche Worte wären das?

Ich gebe es ja zu, die Idee ist geklaut. Der Autor Max Frisch hat in seinen Tagebüchern aus den 1960er- und 1970er-Jahren immer wieder ganze Salven von Fragebögen veröffentlicht, teilweise über mehrere Seiten hinweg. Das hat mich schon als Jugendlicher gefesselt, als ich besagte Tagebücher von meinem Vater geerbt habe.

Als Schreiberling möchte man am liebsten tolle Einsichten liefern, schlaue Gedanken formulieren und die Menschen mit der eigenen Brillanz beeindrucken. Dabei wirken Fragen oft so viel mehr als Antworten. Und sie sind auch schwieriger zu finden. Eine Erkenntnis, die mich als gelernten Journalist eigentlich nicht überraschen sollte. Trotzdem tut sie das manchmal.

In diesem Sinne, ich bin gespannt auf die Antworten!

Start

2016-07-19-Südoststadt-Karlsruhe

Aufgenommen in der Südoststadt in Karlsruhe. In diesem Sinne …

Teilzeit-Rüpel

Ja, ich bin ein Rüpel! Bei SWR1 gab es kürzlich ein Thema des Tages: „Ellbogen“. Die Frage: Wie unhöflich, unfreundlich und rüpelhaft ist unsere Gesellschaft – drängelt sich den Ellbogen voran vor, bloß um den besseren Platz oder sonst irgendeinen Vorteil zu haben? Das Komische daran: In den ausgestrahlten Umfragen fanden sich zwar zig Leute, die sich über rüpelhaftes Benehmen aufregten, aber niemand, der angab, ein Rüpel zu sein. Wie kann das sein?

Also, hier bin ich! Das heißt … naja, ein bisschen zumindest. Normalerweise bin ich ja sehr nett. An der Supermarktkasse lasse ich Menschen vor, die nur mal eben Zigaretten kaufen wollen, sogar dann, wenn ich es selbst eilig habe. Ich sehe lächelnd darüber hinweg, wenn meine Nachbarin mal wieder früh morgens rücksichtslos die Türen knallt. Und ich bremse sogar für alte Omis, die unbedingt bei rot über die Straße gehen möchten.

Das ist aber nur die eine Seite. Denn während ich mich einerseits stundenlang über Menschen aufregen könnte, die den lieben langen Tag nichts besseres zu tun haben, als am Fenster zu sitzen und Falschparker aufzuschreiben, war ich schon mehrmals kurz davor, mir selbst dicke, fette „Scheiße geparkt“-Aufkleber drucken zu lassen, um damit die Autofahrer in meiner Straße zu erfreuen, die mit ihren Fahrzeugen mal wieder zwei Parkplätze blockieren. Ich hasse es, wenn Menschen sich dauernd über andere aufregen, könnte aber trotzdem selbst stundenlang vor mich hinschimpfen, wenn ich den Eindruck habe, dass ich irgendwo nur deshalb länger anstehe, weil jemand anderes seinen Job nicht richtig macht. Mehr als einmal habe ich im Supermarkt oder anderswo den Ellbogen ausgefahren, um zu verhindern, dass sich jemand heimlich nach vorne drängelt.

Ja, ich bin ein Rüpel. Manchmal. Ein Teilzeit-Rüpel, quasi. Oft genug gehe ich mir damit selbst auf die Nerven. Aber das Verhalten der anderen Menschen nervt mich eben noch viel mehr. Vermutlich geht es den meisten Rüpeln so.

Glaubt man den einschlägigen Studien, halten sich zum Beispiel die meisten Deutschen für ziemlich tolle Autofahrer – sind aber zugleich der Ansicht, dass diese Einschätzung für die meisten anderen Autofahrer nicht gilt. Schon rein rechnerisch kann das nicht funktionieren. Außer es handelt sich auch hier um Teilzeit-Rüpel. Jemand, der in 9 von 10 Fällen nicht drängelt, würde sich für einen eher besonnenen Menschen halten. Für alle, die ihn bei dem einen Mal Drängeln beobachten, ist er aber eben doch alles andere als besonnen.

In diesem Sinne, wie rüpelig seid Ihr denn so?

Standesamt

2016-07-19-Standesamt

Über die Verwaltung schimpfen kann jeder. Ich möchte loben. Gestern habe ich eine (private) E-Mail an das Karlsruher Standesamt geschrieben. Die Antwort kam nach weniger als zwei Stunden, beantwortete meine Frage auf den Punkt und kam zusammen mit einem Terminvorschlag direkt für den folgenden Tag, also heute.

Da fällt nicht einmal mir etwas ein, worüber ich meckern könnte. Irritiert hat mich einzig diese Türbeschriftung im 1. OG. Eine interessante Kombination, findet Ihr nicht?

In diesem Sinne, Name ändern oder Vaterschaft anerkennen – Ihr habt die Wahl!

Regenwellen

2016-07-12-Gewitter

Ich mag Gewitter. Gewitter ist wie Wellen von oben – und Wellen mag ich auch. Ich habe keine Ahnung, woher das kommt. Seit ich denken kann, empfinde ich eine seltsame Faszination für Naturgewalten, die mit Wasser zu tun haben. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass meine Eltern mich schon mit 6 Jahren in einem Schwimmverein angemeldet haben. Wasser war und ist irgendwie schon immer mein Element.

Gerade jetzt, in diesem Augenblick, sitze ich hier, habe die Balkontür neben meinem Schreibtisch geöffnet, und lausche dem Sturzregen, der seit gut einer halben Stunde auf Karlsruhe herab prasselt. Ich genieße das Gefühl, drinnen im Trockenen zu sitzen und zugleich nur die Hand rausstrecken zu müssen, um zu fühlen, mit welcher Kraft und welcher Intensität der Regen niedergeht.

Ich denke an einen Campingurlaub vor 15 Jahren. Zusammen mit meinem guten Freund B. war ich damals nach Kroatien gefahren. Unser Zelt hatte im wesentlichen aus zwei Teilen bestanden: den beiden Schlafkojen aus Stoff und mit einem festen Boden aus Gummi, die in das Gestänge eingehängt wurden, und dem Vorraum, der zwar überdacht war, aber keinen eigenen Boden hatte.

Das Zelt hatte am Hang gestanden und binnen weniger Stunden hatte sich das Wasser einen Weg geradewegs durch unser Zelt gesucht. So saßen wir da und spielten Schach, während sich unter unserem Campingtisch ein kleiner Sturzbach seinen Weg in Richtung Meer bahnte. Meine größte Angst damals war gewesen, dass der Hang abrutschen könnte und uns samt Zelt in die Adria spülen würde. Zum Glück geschah nichts dergleichen. Es blieb bei dem Sturzbach unter dem Campingtisch.

Weil ich Regen und Gewitter besonders dann mag, wenn ich im Trockenen sitze, bin ich auch ein großer Fan von Dachfenstern. Ich liebe es, wenn der Regen in großen, schweren Tropfen auf das Glas trommelt, während der Himmel hin und wieder von Blitzen erhellt wird und Donner die Scheibe erzittern lässt.

Ich weiß nicht, woher diese Vorliebe kommt. Möglicherweise mischen sich hier Urinstinkt – Gewitter und Wellen = Gefahr – mit der neuzeitlichen und freudigen Erkenntnis, dass eben diese Gefahr inzwischen weitestgehend gebannt ist? Ähnlich einer Achterbahnfahrt, bei der permanente Grenzerfahrung simuliert wird, Leib und Leben dank diverser DIN-Normen aber (normalerweise) nie ernsthafte Gefahr droht.

In diesem Sinne, eine gute Nacht Euch allen!