1000-Euro-Frau

Kürzlich an der Kasse im City-Rewe. Ein junger Mann, kurzgeschorene Haare und getunnelte Ohrläppchen, wartet, bis er seine Einkäufe auf das Band legen kann.

“Ey, wie die Zeit vergeht! Ich werde bald 30!”, ruft er plötzlich in den Laden herein. Das heißt: eigentlich spricht er mit der Frau, die neben ihm steht. Nur versteht das im ersten Moment niemand, denn er redet so laut, dass sich augenblicklich auch alle anderen Leute an der Kasse angesprochen fühlen. Die sechs oder sieben Menschen in der näheren Umgebung drehen sich unwillkürlich zu ihm um. Den Mann scheint das nicht zu stören.

“Ey, 30! Das ist das Alter, wo man seine Freundin verlassen und irgendwas Verrücktes machen muss!”, setzt er ebenso laut nach.

“Hast Du denn eine Freundin, die Du verlassen kannst?”, antwortet die Frau neben ihm, die offensichtlich mit ihm gemeinsam ansteht. Ungefähr die Hälfte der Menschen an der Kasse hat nun begriffen, dass der Mann nicht mit ihnen redet. Nur zwei oder drei scheinen noch nicht sicher und schauen fragend in Richtung des Mannes, der nun aufgeregt von einem Fuß auf den anderen tritt.

“Ey, das nicht. Alle Frauen, die ich kennenlerne, wollen nur Geld. Wenn ich einen fetten BMW hätte, hätte ich drei Frauen – sofort. Hab ich aber nicht.”

Die Frau sieht ihn zweifelnd an. “Ich kenne eigentlich keine einzige Frau, die nur wegen Geld mit einem Mann zusammen ist”, erklärt sie nach einer kurzen Denkpause.

“Ey, Logo, ich sag Dir!”, ruft daraufhin der Mann. “1000 Euro und ich könnte jede von denen hier” – er deutet mit den Händen einen Kreis rund um die Kasse an – “jede von denen hier haben!”

Jetzt guckt niemand mehr in seine Richtung.

In diesem Sinne, merke: es muss nicht immer BMW sein – 1000 Euro tun es auch.

Durcheinander-Routine

2015-06-Wecker

Früher war mehr Durcheinander. Vielleicht liegt es am Alter, aber manchmal kommt mir mein Leben jetzt, mit Mitte 30, ganz furchtbar geordnet vor – wobei die Betonung auf “furchtbar” liegt.

Montagabends habe ich Spanisch, dienstags gehe ich zum Sport. Unter der Woche klingelt mein Wecker immer um 7:30 Uhr – wobei ich immer schon früher wach bin. Mein erster Gang nach dem Aufstehen führt mich zur Kaffeemaschine, der zweite ins Bad. Jeden Morgen. Manchmal fühlt es sich an, als wäre mein Leben ein gut sortierter Setzkasten. Das Unheimliche daran: ich habe mich darin ganz gut eingerichtet.

Der Mensch ist darauf ausgerichtet, nach Mustern zu suchen. Einfache Wenn-Dann-Regeln mögen wir am liebsten, wohingegen Chaos und Unvorhersehbarkeit uns Angst machen. Vermutlich erklärt das auch die Anfälligkeit des Menschen für Aberglaube und Religionen. Dass etwas einfach so ist, wie es ist, verunsichert uns. Also unterstellen wir einen tieferen Sinn oder wenigstens einen Kausalzusammenhang. Dass ein Unglück einfach passiert, gefällt uns nicht. Da muss doch wenigstens vorher eine schwarze Katze über die Straße gelaufen sein. Im Zweifel hat sich eben “Gott” etwas dabei gedacht.

Muster und Routinen halten uns den Kopf frei, weil wir nicht ständig überlegen müssen, was wir als nächstes tun müssen. Sie sind sozusagen die Religionen des Alltags, die uns auf dem rechten Weg halten. Selbst im Urlaub entwickeln wir meist binnen weniger Tage Abläufe, die wir jeden Tag aufs Neue wiederholen können.

Ich wohne nun seit über fünf Jahren in der selben Stadt und in derselben Wohnung. Länger habe ich noch an keinem Ort verbracht, seit ich bei meinen Eltern ausgezogen bin. Nirgendwo habe ich seitdem mehr Routinen entwickelt als hier. Und so bequem diese Routinen sind, nirgendwo sind sie mir bisher mehr auf die Nerven gegangen als hier.

In seinem Buch “Abenteuer Fotografie” empfiehlt der “Fotograf und “Stilpirat” Steffen Böttcher Hochzeitsfotografen, zum Aufwärmen einige ungewöhnliche, unkonventionelle  Aufnahmen mit dem Brautpaar zu machen. Ein Hochzeitsfoto ohne Köpfe, zum Beispiel – irgendetwas, das weit über das Standard-Repertoire hinausgeht. Das soll den Fotografen unterbewusst dazu bringen, seine Komfortzone zu verlassen und so gänzlich neue Ideen zu entwickeln, statt immer nur das gewohnte Programm abzuspielen. Ob das immer im Sinne des Hochzeitspaares ist, sei dahingestellt. Die Idee finde ich trotzdem gut.

Vielleicht sollte ich das auf meinen Alltag übertragen. Einfach mal den Wecker auf 7:25 Uhr stellen. Oder mir eine neue Religion zulegen. Oder hin und wieder einfach mal irgendetwas anderes ganz anders machen.

In diesem Sinne …

Känguru

2015-06-Känguru

Fotografiert im Tiergarten in Ulm. In diesem Sinne …

Kinderschiff

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Das Kleine muss ins Große … In diesem Sinne – mehr Impressionen aus Hamburg gibt es hier auf meiner Flickr-Seite.

Paradiesregen

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Manchmal gibt es nichts besseres, als samstags im Biergarten von einem Gewitter überrascht zu werden. Man könnte sogar von einem kleinen Paradies sprechen. Zumindest so lange folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • man sitzt unter einem wasserdichten Schirm
  • dieser Schirm ist stabil und wasserdicht genug, dass es sich auch wirklich lohnt, unter ihm zu sitzen
  • das Glas auf dem Tisch ist noch hinreichend gefüllt
  • die Füllung ist nicht Regenwasser, sondern tatsächlich (kaltes) Bier
  • man hat genug Zeit, das Ende des Gewitters abzuwarten
  • auch der Biergarten-Wirt hat Zeit, das Ende des Gewitters abzuwarten
  • die Begleitung sieht das genau so

In diesem Sinne, perfekter Samstagnachmittag in Ulm am vergangenen Wochenende!

near hear!

2015-06-10-HEAR-NEAR

Ich mache auch Fehler, in so fern ist es vielleicht unfein, sich über diesen lustig zu machen. Aber abgesehen davon, dass ich das Gesuch insgesamt reichlich skurril finde, konnte ich an dem “I live hear in the near” einfach nicht vorbeigehen, ohne es zu fotografieren.

Wer die Karte live und in Farbe besichtigen will: sie hängt in einem Real-Supermarkt in Hamburg St. Georg unweit vom Hauptbahnhof.

In diesem Sinne, trotzdem viel Glück, lieber Holger!

Frei

2015-05-22-frei

“Lass Mich Frei Sein!”

Aufgenommen in Erfurt vor etwas mehr als einem Jahr. In diesem Sinne …

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