Gedankenwelten

Zu Ende gebremst

Glauben werde ich es erst, wenn ich den Scheck habe. Von einer großen Werkstattkette wie A.T.U. hätte ich allerdings etwas anderes erwartet. Tja, man lernt nie aus.

2009-02-05-atu1Angefangen hat es, als plötzlich das Warnlicht für die Bremsflüssigkeit anging. Passend in der Nähe einer Filiale besagter Werkstattkette. Hier fand man den Schaden auch recht schnell. “Ganz klar, die Bremsleitung ist korrodiert, da muss sofort eine neue rein.”

Mein vorsichtiger Hinweis, da sei doch noch Gebrauchtwagen-Garantie drauf, wurde mit den Worten “Damit kann ich sie unmöglich weiter fahren lassen” quittiert. Naiv wie ich war ließ ich die Bremsleitung austauschen. Kostenpunkt: knapp 190 Euro (siehe Rechnung links).

Interessanterweise änderte der Austausch an dem Problem nichts. Noch immer verlor mein Auto Bremsflüssigkeit. Auch konnte zumindest ich keinen Schaden an der alten Bremsleitung erkennen, die ich mir sicherheitshalber hatte mitgeben lassen. (Ein Mechaniker, dem ich die Leitung später vorgelegt habe übrigens auch nicht).

2009-02-05-atu2Bei A. T. U. in Ravensburg blieb man aber dabei: Die Bremsleitung sei kaputt gewesen. Allerdings gäbe es an meinem Auto nun noch ein Problem, weswegen weiter Bremsflüssigkeit austreten würde. Der Kupplungsnehmer sei auch defekt. Austausch zusammen mit neuer Kupplung: 750 Euro, man könne sofort anfangen (Angebot siehe links). 

Ich habe meinen Wagen dann abgeholt – ohne ihn reparieren zu lassen. Vorher hatte ich wegen der Garantie noch mal mit dem Händler gesprochen, wo ich das Auto gekauft hatte. Außerdem hatte ich mich schlau gemacht und herausgefunden: ATU-Mechaniker bekommen Provision – je mehr Fehler sie an einem Auto sie finden, desto mehr können sie verdienen.

Davon wollte der Mechaniker vor Ort freilich nichts wissen. Auch mein Hinweis auf die Garantie, die nur für eine Reparatur in einer Ford-Vertragswerkstatt aufkommen würde, interessierte ihn nicht. Original-Ton: “Die sind zu 95 Prozent eh Quatsch, diese Garantien.” 

Er hatte Unrecht. 550 Euro hat die Reparatur letztlich gekostet. Gezahlt habe ich davon keinen Cent – lief komplett auf Garantie. Aber sitzen lassen wollte ich die Sache nicht auf mir.

Ich habe mich an den Vorsitzenden der Geschäftsführung von A.T.U. gewandt, Dr. Michael Kern. Und tatsächlich bekam ich schon nach vier Tagen einen Anruf. Ein Außendienst-Mechaniker würde sich die ausgetauschte Bremsleitung gerne einmal ansehen.

Schon am nächsten Tag, heute, habe ich mich in meiner Mittagspause mit ihm getroffen. Die Sache war schnell geklärt. Besagter Außendienstler konnte keinen Fehler an der alten Bremsleitung feststellen. Nervös zu machen schien ihn aber mein Hinweis, dass ich darüber nachdenken würde, A.T.U. wegen Betrugs anzuzeigen. 

Kurz und gut, nach fünf Minuten versprach er mir einen Scheck über die Summe, die ich für die unnütze Reparatur an A.T.U. gezahlt hatte. Zudem wolle er wegen dem Ärger, den ich gehabt hätte, noch einen Einkaufsgutschein über 50 Euro drauflegen. “Das ist aber kein Schweigegeld”, betonte er. Naja, Schweigen wollte ich sowieso nicht. Einkaufen bei A.T.U. aber eigentlich auch nicht mehr. Schade eigentlich.

In diesem Sinne, allzeit gute Fahrt!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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