Frauen Sehnsucht

Stiller

Du bist Schuld. Das Buch habe ich wegen Dir gekauft. Eigentlich habe ich es schon vor zehn Jahren gelesen. Jetzt werde ich es noch einmal lesen. Ich konnte den Laden einfach nicht verlassen, ohne etwas zur Kasse zu bringen. Denn dort hast Du kassiert.

Vermutlich bist Du zu jung, zwanzig oder so. Es war nichts besonderes an Dir, doch irgendwas in Deinem Lachen hat mich verzaubert. Als ich in der Mittagspause zufällig in Deinen Laden gestolpert bin, hast Du mich angesprochen. Ob Du mir helfen könntest, wolltest Du wissen. Das musstest Du wohl fragen, denn ich war ja so etwas wie ein Kunde.

Ich bin lange an den Regalen entlang geschlichen. Ich habe hier ein Buch in die Hand genommen, da einen Klappentext gelesen. Meine halbe Mittagspause habe ich bei Dir verbracht, ohne mit Dir zu sprechen.

Irgendwie habe ich mich nicht getraut, einfach wieder zu gehen, ohne etwas zu kaufen. Am Ende habe ich “Stiller” neben Deine Kasse gelegt, von Max Frisch. Ich habe Dir zwölf Euro gegeben, dann bin ich in die Redaktion zurück gegangen. Jetzt fehlst Du mir. Trotzdem glaube ich: Manche Träume bleiben besser unverwirklicht.

In diesem Sinne, schlaf gut, schöne Buchhändlerin!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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