Gedankenwelten

Willkommen

Ich habe einen Stoffbeutel bekommen. Lässig überreicht von einer hübschen, aber distanzierten städtischen Angestellten. Darin: eine Wanderkarte, allerlei bunte Prospekte und ein “Willkommen in Ravensburg”-Heft.

Ansonsten war das Ummelden schlicht und unspektakulär. Nicht einmal anstehen musste ich, um nun offiziell ein Bürger Baden-Württembergs zu sein.

Die Frage ist nur: was fange ich damit an?

Als ich heute in der Mittagspause durch die Altstadt gegangen bin, habe ich immer wieder versucht zu sagen, dass dies nun – zumindest für die nächsten Monate – meine Stadt sein wird. Geholfen hat es nicht. Ich fühle mich immer noch fremd.

Nicht, dass das ein unangenehmer Zustand wäre. Ich mag es, mich möglichst lange als Zaungast fühlen zu dürfen. Der Blick von außen ist oft klarer als der aus der Mitte, das gilt nicht nur für den Journalismus. Komisch ist es trotzdem. 

Es fängt bei der Wetterkarte der Tagesschau an: mein erster Blick gilt immer noch Berlin. Ich brauche dann immer einen Moment, um mich zu orientieren und meine Augen in Richtung Süd-Süd-West zu fokussieren.
Soll ich meine Adresse angeben, muss ich bei der Postleitzahl immer noch überlegen (die Straße ist mittlerweile kein Problem mehr). Und werde ich nach meiner Heimat gefragt, rutscht mir immer noch erstmal “Berlin” raus, bevor ich mich korrigiere.

Wie lange dauert es anzukommen?

In diesem Sinne, Gruß aus Ber…Ravensburg!

 

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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