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WiFi-Liebe

Die üblichen Routen, auf denen Backpacker meist von Bangkok aus durch Südostasien reisen, werden auch „Pancake-Trail“ genannt, Pfannkuchen-Pfad. Das liegt daran, dass amerikanische Pfannkuchen sich in den einschlägigen Restaurants als Traveller-Frühstück etabliert haben. Kaum ein Farang bringt schließlich morgens die ortstypische Frühstücks-Nudelsuppe runter. Wobei trotzdem jeder Rucksacktourist größten Wert darauf legt, dass er nicht auf banalen Touri-Pfaden wandelt, sondern, im Gegenteil, quasi wie ein local mit dem Land verschmilzt.

Der Terminus „Pancake-Trail“ eignete sich daher hervorragend, um die Wege dieser vermeintlich besseren Touristen zu beschreiben. Trotzdem ist es gut möglich, dass er demnächst ersetzt werden muss. „WiFi-Trail“ trifft es einfach besser – das ist jedenfalls mein aktueller Eindruck in Europa.

Kaum eine Frage habe ich in den vergangenen eineinhalb Wochen öfter gehört als die nach der Verfügbarkeit von WLAN-Internetzugang. Viele Lokale werben sogar ganz offensiv damit. Was früher gutes und günstiges Essen oder billige Drinks waren, ist heute ein schneller Internetzugang.

Besonders kuriose Formen nimmt das an Orten an, wo viele Traveller zusammenkommen, etwa in den Aufenthaltsräumen von Hostels. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich finde es befremdlich, wenn auf einer Terrasse mit Meerblick 30 Leute nicht aufs Meer, sondern auf ihr iPad starren, weil es hier „free WiFi“ gibt. Selbst gemeinsam reisende Paare wischen inzwischen offenbar lieber über ihre jeweiligen Touchscreens statt miteinander zu reden.

Vermutlich ist es eine Generationenfrage: Zu Beginn meiner Traveller-Karriere existierten Wörter wie Netbook, Smartphone oder Tablet-PC schlicht noch nicht – und erst Recht nicht die dazugehörigen Gegenstände. Ich habe das Reisen mit ganz anderen Voraussetzungen kennengelernt. Nun zu behaupten, früher wäre alles besser gewesen, wäre unfair. Schließlich reise ich selbst auch nicht per Kutsche, und dieser Blog-Eintrag entsteht audem Handy (was ist eigentlich mit all den Internet-Cafés passiert?).

Trotzdem erlaube ich mir eine gewisse Wehmut, vielleicht sogar Überheblichkeit. Wie will sich jemand halbwegs auf das Hier und Jetzt in einem fremden Land einlassen, wenn er doch wann immer möglich via Facebook und Co zu Hause weilt?

In diesem Sinne, viele Grüße von der Insel Paros!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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