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Hund-Katze-Frau

Es ist eine dieser Geschichten, die man als voellig unrealistisch abtun wuerde, wenn man sie in einem Buch lesen oder einem Film sehen wuerde. Um so komischer finde ich, dass sie sich trotzdem genau so ereignet hat.

Ort der Handlung:
Ein kleines Lokal, etwas abseits der Touristenstroeme in Fira auf Santorini.

Handelnde Personen:
Eine griechische Frau mittleren Alters, ein schon deutlich aelterer, grauhaariger Amerikaner, ein junges, asiatisches Paar, eine Katze, ein Hund.

Als die Katze das erste Mal auftauchte, war die vielleicht 40-Jaehrige Griechin gerade beim Hauptgang angelangt. Laut miauend schlich das Tier zwischen den Tischen und Stuehlen, die vor dem Lokal auf dem Buergersteig standen, umher. Sie trug ein Halsband und war ganz offensichtlich keine von den zahlreichen streunenden Katzen, wie es sie hier zuhauf gibt. Dafuer war sie auch zu gut genaehrt, wobei ich sie auch nicht als dick bezeichnen wuerde.

Die junge Asiatin, die sich mit ihrem Freund gerade an einem der Tische niedergelassen hatte, begann sofort verzueckt laute “Miau”-Geraeusche zu machen, um die Katze anzulocken. Die indes interessierte das herzlich wenig. Sie hatte sich laengst entschieden.

Zielstrebig steuerte sie auf die mittelalte Griechin zu, die das Tier mit wachsendem Misstrauen beaeugte. Mauzend und schnurrend strich die Katze zunaechst um die Beine der Griechin und begann dann, als das offensichtlich nichts brachte, an der weissen Hose der Frau hochzuklettern.

Die Griechin schrie auf und begann wild zu schimpfen, allerdings ohne damit auf die Katze sonderlich Eindruck zu machen. Selbst angedeutete Tritte und ruedes Wegschieben mit dem Fuss brachte wenig. Die Katze wollte zu dieser Frau, so viel war klar. Und je mehr die sich aufregte und versuchte, das Tier zu verscheuchen, desto hartnaeckiger wurde sie.

Ich muss zugeben, es ist mir schon ziemlich schwer gefallen, mir das Lachen zu verkneifen. Ein vielleicht 60-jaehriger Amerikaner, der zwei Tische von der Griechin entfernt sass, versuchte es nicht einmal. Er lachte einfach herzlich drauflos. Das wiederum brachte die Griechin nun voellig in Rage. Ob er es lustig finde, blaffte sie ihn in gebrochenem Englisch an. Sie habe hier ein Problem, sie werde von dieser Katze belaestigt und sie faende das Ganze daher ganz und gar nicht komisch.

Beleidigt griff sie danach zu einem Glas Wasser und fuehrte es an den Mund. Im letzten Moment ueberlegte sie es sich allerdings anders. Statt zu trinken schuettete sie das Glas in Richtung der Katze, die daraufhin beleidigt abzog. Zufrieden lehnte die Griechin sich zurueck.

Die Zufriedenheit waehrte allerdings nicht lange. Fuenf Minuten nachdem die Katze verschwunden war und zwei Minuten nachdem der Kellner das leere Glas Wasser und die Teller der Griechin abgeraeumt und einen Nachtisch serviert hatte, kam ein grosser, schwarzer Hund angetrabt. Er kam genau aus der Richtung, in die die Katze verschwunden war und war nicht weniger zielstrebig. Mit einem lauten Bellen setze er sich direkt vor der Griechin auf den Boden, verharrte dort bewegungslos und starrte die Frau an. Die war zunaechst offenbar zu verdutzt etwas zu sagen. Ganz anders der Amerikaner. Laut und schallend begann er erneut zu lachen und wiederholte immer wieder einen Satz: “The cat sent the dog! The cat sent the dog!”

In diesem Sinne, Vorsicht mit Katzen – manche haben grosse, schwarze Freunde!

PS: Der Hund hat sich uebrigens recht schnell von der Griechin verabschieden, nachdem diese ihn ganz offensichtlich nicht beachten wollte. Statt dessen ist sie zu dem Amerikaner weitergetrabt und hat sich von diesem Streicheln lassen.

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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