Gedankenwelten

Who said it’s fair?

Ich bin nicht so gut darin, um Hilfe zu bitten. Liegt mir einfach nicht. Meist versuche ich erstmal, mich alleine durchzukämpfen und bitte erst dann um Unterstützung, wenn ich es wirklich nicht alleine hin bekomme. Ich weiß, dass das nicht immer klug ist, nur bin ich nun mal so. Bis jetzt fahre ich auf die Art und Weise auch nicht schlecht, auch wenn ich es manchmal sicher einfacher haben könnte.

Andererseits helfe ich selber gerne anderen. Ich rechne sowas nicht auf, darum geht es nicht. Vermutlich bin ich auch nicht schlecht darin zu helfen. Zumindest werde ich des Öfteren gefragt, ob ich bei diesem oder jenem einen Rat wüsste oder ob ich bei einer Sache mit anpacken könnte. Normalerweise tue ich das gerne. Bei den meisten Menschen, die mich um Hilfe fragen, weiß ich, sie würden auch mir helfen, wenn ich sie darum bitten würde. Die meisten haben das oft genug bewiesen. Und selbst wenn nicht reicht es mir völlig, wenn ich das Gefühl habe, sie wären jederzeit da, wenn ich sie bräuchte, völlig egal, ob dieser Fall tatsächlich einmal eintreten wird.

Doch was ist, wenn dieses Gefühl ausbleibt? Wenn man plötzlich den Eindruck hat, dass die Schere zwischen Geben und Nehmen immer weiter auseinander driftet?

Man könnte argumentieren, dass sich das Geben und Nehmen, das Helfen und Hilfe bekommen letztlich ausgleicht. Jeder Mensch bekommt letztlich so viel zurück, wie er investiert, wenn auch nicht immer von ein und derselben Person. Märchengleich wird das Gut-Sein am Ende belohnt, wer böse ist, muss irgendwann irgendwie dafür büßen. Ein Grundprinzip, auf das sogar viele Religionen aufbauen.

Ich glaube es nicht. No one said it’s fair ist eine Textzeile, die in einer ganzen Reihe von Songs vorkommt, wobei sich das it normalerweise auf das Leben bezieht. Der Mensch mag diese Erkenntnis nicht. Es gefällt ihm nicht, wenn Dinge unausgeglichen bleiben. Sinnsuchend, wie er nun mal ist, strebt er danach, die Welt zumindest in seiner Vorstellung als gerecht zu begreifen. Er will nicht akzeptieren, dass manche einfach deutlich mehr aus dem Topf heraus bekommen, als sie einzahlen, während das Leben für Andere ein Minusgeschäft bleibt.

No one said it’s fair?
Ich will ehrlich sein, ich weiß nicht, was dran ist, an dieser Zeile. In pessimistischen Momenten glaube ich aber, dass es wenige Musikzeilen gibt, die so wahr sind wie diese. In optimistischerer Stimmung dagegen möchte auch ich annehmen, dass sich letztlich alles ausgleicht.
Was meint Ihr?

In diesem Sinne, viel Spaß beim Musik-Hören und beim Nachdenken!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Der Mensch ist doch immer irgendwie auf der Suche nach Balance. Und lässt sich ganz leicht aus dem Gleichgewicht bringen – manchmal auch bloß durch schieres Nachdenken;)

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