Gedankenwelten

Weit weg

Mit meinen Eltern bin ich in den Weihnachtsferien oft nach Hooksiel gefahren. Hooksiel ist ein kleines Städtchen im Wangerland, etwa zehn Kilometer nordöstlich von Jever (wo das leckere Bier her kommt). Von Wuppertal aus, wo meine Eltern wohnen, sind das rund 310 Kilometer. Eine lange Strecke für ein Kind, dass auf der Rückbank still sitzen soll.

Ich bin lange nicht mehr 310 Kilometer mit meinen Eltern nach Hooksiel gefahren. Würde ich es morgen tun wollen, müsste ich vorher fast die doppelte Strecke, rund 600 Kilometer, selbst auf dem Fahrersitz verbringen. Wirklich weit kommt mir das nicht mehr vor.

Die Welt schrumpft. Manchmal finde ich das unheimlich. Mein Cousin ist nach Neuseeland ausgewandert. Zur Zeit wohnt er allerdings mit seiner Frau, einer Kiwi, in Abu Dhabi (Arabische Emirate). Meine beste Freundin war lange Zeit meine quasi-Nachbarin in Berlin, jetzt arbeitet und wohnt sie in London. Sehr verliebt war ich lange in eine Frau, die ich in Argentinien kennengelernt habe. Sie und ihre Familie kommen aus der Ecke Buenos Aires, mittlerweile wohnt sie in Australien, nahe Brisbane an der Ostküste des fünften Kontinents. 

Vielleicht ist es ein Phänomen meiner Generation. Entfernungen sind relativ. Fast jeder Punkt der Erde kann binnen 24 Stunden erreicht werden, kaum ein Ort ist noch wirklich weit weg. Ein seltsamer Gedanke.

In diesem Sinne, gute Reise!

Autor

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

1 Kommentar

Kommentar verfassen