Gedankenwelten

Weihnachtsgefühle

Weihnachtsmärkte sind doof! Menschenmassen, die sich zwischen kitschig und komischerweise deutschlandweit in rot gehaltenen Holzbaracken hin und herschieben, verdünnten Glühwein trinken und überteuerte Holzschnitzereien kaufen. Was soll daran schön sein?

Ich werde trotzdem hingehen. Schon jetzt habe ich drei Verabredungen wahlweise zum „Glühwein trinken“, zum „Weihnachtsmarkt gucken“ und zum „mal auf’n Weihnachtsmarkt gehen“. Und soll ich mal was sagen: die Hälfte dieser Weihnachtsmarktverabredungen habe ich selber vorgeschlagen.

Im Grunde genommen überrascht mich Weihnachten jedes Mal aufs Neue. Gute drei Monate lang ignoriere ich hartnäckig Christstollen- und Spekulatiusangebote im Supermarkt, gucke absichtlich an Lebkuchen und Schkoweihnachtsmännern vorbei und höre weg, wenn Last Christmas im Radio kommt – denn selbst das lief dieses Jahr schon Ende Oktober! – bloß um mich dann von einem Tag auf den anderen daran zu erinnern, dass Weihnachten gar nicht so schlecht ist. Und dann, von einem Tag auf den anderen, freue ich mich darauf.

Es ist zwar nicht so, dass ich dann plötzlich anfangen würde, meine Wohnung mit Lametta und Lichterketten auszustatten, trotzdem finde ich es auf einmal schön, wenn selbiges nach und nach die Schaufenster der Geschäfte schmückt. Auf einmal erwische ich mich beim Einkaufen dabei, wie ich Oblaten aufs Kassenband lege und, ja, ich fange an, mich zum auf-den-Weihnachtsmarkt-Gehen zu verabreden.

Die Vorweihnachtszeit hat etwas Behagliches. Zugleich ist sie ein Countdown auf ein Ereignis, von dem zwar alle wissen, das es vermutlich eher im Streit als im harmonischen Zusammensein endet, diesen Gedanken aber dennoch in einem Kraftakt von kollektivem Optimismus 24 Tage lang zur Seite schieben. Das hat doch was.

Und noch was:
Das Wort Weihnacht(en) kommt ganze elf Mal in diesem Beitrag vor. Wenn das nicht vorweihnachtlich ist.

In diesem Sinne, guten Rutsch in die Adventszeit!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.