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Tod durch Bloggen

Geschätzter Leser, ich muss Dich warnen: das Lesen dieses Blogs könnte gefährlich sein. Wenn nicht für Dich, dann doch wenigstens für mich. Ersehnter Leser, nimm es mir nicht übel, aber möglicherweise bist sogar Du verantwortlich für meine drohende Nahtod-Erfahrung, die zwar noch nicht spürbar, aber sicher schon sehr nahe ist.

Writers blog till they drop“, titelte gestern die New York Times und verwies auf gleich zwei Todesfälle im Blogger-Milieu binnen kurzer Zeit. Ein dritter Blogger habe nur mit knapper Not den Herzanfall überlebt, den ihm diese äußerst stressige und fordernde Tätigkeit beschert hatte. “To be sure”, räumt die Times zwar ein, “there is no official diagnosis of death by blogging” – aber deswegen das Risiko einfach als Blödsinn abtun?

Zugegeben: Ich mag mein Blog, allerdings hätte ich auch nie gedacht, dass es so gefährlich sein könnte. Andererseits wäre es sonst ja auch irgendwo langweilig. Ein bisschen Risiko braucht der Mensch schließlich – oder?

Im Augenblick scheint es eine Art Trend zu sein, sich um seine Altersvorsorge zu bemühen. Ob Riester-Rente oder Bausparen – für jeden ist was dabei. Man verfolge nur einmal die Werbeunterbrechungen im Vorabendprogramm. Und damit man auch etwas von den so angesparten Millionen hat, erklären unzählige Bücher, Zeitschriften und Seminare zudem bereitwillig, wie man ein mindestens biblisches Alter erreicht, um all die angesparten Freuden im Alter auch noch genießen zu können.

Nicht dass ich das für falsch halten würde. Altersvorsorge ist wichtig! Auch sich einen halbwegs gesunden Lebensstil anzugewöhnen, ist sicherlich nicht die schlechteste Wahl. Aber muss man es immer gleich übertreiben?

“Ich höre auf zu Trinken, höre auf zu trinken, lebe eine Woche länger und dann – in dieser Woche regnet es”, hat der Theaterregisseur Luc Bondy einmal gesagt. Das ist eine reichlich sarkastische, aber längst nicht falsche Sichtweise.

Ich bin kein Fan von Extremen, aber extremes Mittelmaß ist wohl auch kein Lösung.

In diesem Sinne, keine Angst beim Lesen – ich komm schon drüber weg …

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Oh!!! Ich lese Deinen Blog regelmäßig und gerne und hoffe doch nicht! dass Du dran stirbst – jedenfalls noch nicht so bald… ;-)
    Lieben Gruß
    Julchen

  2. Mach Dir mal keine Sorgen, ich bin recht robust …
    Ist allerdings schon komisch, dass seit Veröffentlichung des Posts gleich zwei Mal Leute über den Suchbegriff “Tod durch Bloggen” auf meine Seite gekommen sind. Aber das nur mal so am Rande.

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