Gedankenwelten

The End

Im Kino ist es einfach. Spätestens wenn im Vorführraum das Licht angeht, wissen die Zuschauer, dass der Film zu Ende ist. Selbst wer eingeschlafen ist, wird irgendwann von den Putzleuten geweckt, die Popcornreste und Pappbecher entsorgen wollen. Bei zwischenmenschlichen Beziehungen ist es komplizierter, besonders bei solchen, die noch nicht mal richtig angefangen haben.

Natürlich ist jede Beziehung ist in gewisser Weise einzigartig. Zugleich folgt sie, wie wohl die meisten menschlichen Verhaltensweisen, gewissen Mustern. Stillen Vereinbarungen, die helfen, die unendlich komplexe Welt begreifbar zu machen.
Bitte ich eine Frau um eine Verabredung und sie sagt immer wieder mit seltsamen Begründungen ab, dann weiß ich irgendwann, dass sie wohl kein Interesse an mir hat. Was aber, wenn ihre Signale bei mir nicht ankommen? Oder wenn sie sich gar nicht die Mühe gemacht hat, welche zu senden?

Es gibt Beziehungen, die enden, bevor sie überhaupt angefangen haben. Meist bleibt dann einer von beiden ratlos und mit einem schalen Geschmack auf der Zunge zurück. Fängt alles gut an und führt dann doch zu nichts, ist das frustrierend. Wenigstens für sich selber möchte man einen Grund kennen. Selbst wenn man es nicht möchte, sucht man unwillkürlich nach dem Punkt, an dem alles gekippt ist.

Doch: wie soll man diesen Punkt definieren?
Gibt es diesen einen, alles entscheidenden Moment überhaupt?

Manchmal glaube ich, das Leben wäre wesentlich einfacher, wenn es am Ende einer Sache einfach das Licht anginge oder wenigstens ein “The End” eingeblendet würde. Wenn wir nicht immer wieder das Gefühl hätten, da sei eine Filmrolle gerissen, noch bevor wir den ganzen Film gesehen haben, obwohl unser Gegenüber längst Platz gemacht für das Reinigungspersonal, damit es Popcornrest und Gefühlsüberbleibsel zur Seite räumt, damit die nächste Vorstellung pünktlich beginnen kann.

In diesem Sinne, einen schönen Kinoabend noch!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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