Gedankenwelten

Telefonfreuden

Ich werde die Firma nicht beim Namen nennen. Trotzdem grenzte die Bitte der Vorstandssekretärin, nun doch „etwas Nettes“ statt der Wahrheit zu schreiben, schon an blanken Hohn.

Es fing an mit meinem Wegzug aus Berlin und der damit verbundenen vorzeitigen Kündigung des Vertrages mit meinem Telefon- / DSL-Anbieter. In Ravensburg würde ich zur Untermiete wohnen, den Anschluss mitzunehmen, sei also nicht möglich, erklärte ich der freundlichen Dame von der Servicehotline. 

„Gar kein Problem“, entgegnet die, „schicken Sie uns einfach die Kündigung zusammen mit dem neuen Mietvertrag und dem Datum, zu dem wir den Anschluss in Berlin abschalten sollen.“  Gesagt, getan. Und tatsächlich, kurze Zeit drauf bekam ich eine Bestätigung über meine Kündigung, eine Bestätigung über einen falschen (zu späten) Abschalttermin und eine Rechnung über 99,95 Euro.

Erneuter Anruf bei der Hotline, erneut viermaliges Ignorieren der Computerstimme, um (kostenpflichtig) mit einem Menschen verbunden zu werden. Ein freundlicher, aber etwas ratloser Mann meldet sich. Das mit dem Abschalttermin tue ihm leid, da könne er leider nichts tun. Ob ich nicht einfach die Dose ausbauen könnte, dann könne meine Nachmieterin doch meinen Anschluss auch nicht mehr benutzen. Die 99,95 Euro, ja, das wäre, weil ich meinen neuen Mietvertrag noch nicht geschickt hätte, sobald ich den nachreichen würde, wären die natürlich hinfällig.

„Der neue Mietvertrag im selben Umschlag wie die Kündigung, deren Eingang sie mir ja schriftlich bestätigt haben“, werfe ich vorsichtig ein. Der Mann wird noch ratloser. Ja da könne er eigentlich nichts entscheiden, murmelt er, und ja, tatsächlich, da sei mein Mietvertrag. Wer denn etwas entscheiden könne, will ich wissen. „Mhm, am besten wenden Sie sich an den Vorstand“, entgegnet der Mann im Call Center.

Wenige Tage später bekomme ich erneut Post von meinem Telefonanbieter. Erneut wird mir ein falscher Abschalttermin genannt, wieder auf die 99,95 Euro hingewiesen, die ich wegen einer vorzeitigen Kündigung zu zahlen hätte. Außerdem möge ich bitte endlich meinen neuen Mietvertrag schicken.

Ich schreibe eine Beschwerdemail und bitte darum, von jemanden angerufen zu werden, der etwas entscheiden könne und mir nicht rät, die Telefondose auszubauen. Außerdem solle man doch noch mal nachschauen, ob mein Mietvertrag nicht vielleicht doch schon da sei. Beim letzten Telefonat sei der nämlich schon einmal überraschend aufgetaucht.

Tatsächlich, einen Tag später klingelt mein Telefon. Ein freundlicher Mann entschuldigt sich, dass mir am Anfang eine kostenfreie Kündigung zugesichert worden sei. Man könne mir hier entgegen kommen und den Betrag halbieren. Auch der von mir gewünschte Abschalttermin sei kein Problem, nur schriftlich bestätigen könne man mir das leider nicht. 

Mir reicht es. Die Hotline hat ja viel Blödsinn verzapft, aber mit einem Ratschlag hatte sie vielleicht tatsächlich recht. Ich schreibe einen zweiseitigen Brief und adressiere ihn auf gut Glück direkt an den Vorstandsvorsitzenden des  Unternehmens.

Einige Tage später klingelt mein Handy. Eine Frau meldet sich und bedankt sich für meinen Brief. Das sei natürlich alles nicht optimal gelaufen, erklärt sie. Natürlich würde mir der gesamte Betrag erlassen und im Namen des Vorstandes entschuldige sie sich bei bei. „Wenn Sie mal über uns schreiben“, bemerkt sie am Ende, „vielleicht schreiben sie ja dann etwas Nettes.“

Übrigens, ein paar Wochen nach dem Anruf und lange nach meinem Umzug klingelt erneut mein Telefon. Ein Hotline-Mitarbeiter des Telekommunikations-Anbieters ist dran. Die an mich adressierten Briefe mit der Bestätigung über die Stornierung der Rechnung kämen immer zurück, ob meine Adresse in Berlin denn nicht mehr stimme und an welche Adresse man mir jetzt schreiben solle. „Die neue Adresse steht auf dem Mietvertrag“, entgegne ich und lege auf.

In diesem Sinne, am Besten gleich die Telefondose ausbauen!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Brauchst den Namen auch nicht zu nennen, ziemlich genau die gleiche Geschichte kenne ich auch von einer Freundin, die ebenfalls aus Berlin weggezogen ist *g*.
    Ich schreibe auch prinzipiell nur noch Vorstandsbeschwerden. Aber die Journalisten-Karte habe ich bisher selten gezogen, scheint ja offenbar auch zu helfen…

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