Frauen Tresenweisheiten

Sex and the Drogerie

Zwischen Frauen und Männern gibt es viele Missverständnisse. Manchmal habe ich den Verdacht, zumindest einen Teil davon hat uns die Natur mit voller Absicht mit auf den Weg gegeben. Schon des Unterhaltungswerts wegen. “Männer, guckt Sex and the City“, riet eine Freundin kürzlich, “einiges ist übertrieben, am im großen und ganzen zeigt die Serie schon ganz gut, wie wir Frauen ticken.” 

Serien wie oben genannte leben davon, dass Frauen und Männer sich oft nicht verstehen. Je besser die Geschlechter aneinander vorbei denken, desto höher die Quote. Dabei gar nicht immer die vermeintlich großen Dinge (Sex), bei denen Missverständnisse nahezu vorprogrammiert sind. Im Gegenteil, richtig kompliziert ist nicht der Akt selbst, sondern vielmehr der Weg dorthin. Das zeigt schon der Gang in die nächstbeste Drogerie.

Es wäre reichlich egozentrisch zu behaupten, all die Regalwände voll mit Shampoos, Cremes und Anti-Zellulitis-Selbstmassagegeräten dienten dem Weibchen nur dafür, um sich für das Männchen attraktiv zu machen. Trotzdem wird mir wohl keine Frau widersprechen, wenn ich postuliere, dass das zumindest hin und wieder auch eine Rolle spielt.

Persönlich finde ich es jedenfalls schön, wenn eine Frau sich hübsch macht. Sei es mit sorgfältig ausgewählter Garderobe, geschickt aufgetragenem Make-Up oder mit einer etwas aufwendigeren Frisur. Oft fällt mir das allerdings gar nicht auf – oder zumindest nicht in einem Maße, das es die Mühe rechtfertigen würde, die sich die Frau gemacht hat. Andererseits funktioniert die Gegenprobe meist recht gut. Wenn ich eine Frau das erste Mal ungeschminkt sehe, merke ich das in der Regel sofort.

Eines der größten Missverständnisse an dieser Stelle ist, dass mich das stören würde. Das Gegenteil ist der Fall. Neben einer verstrubbelten und ungeschminkten Frau aufzuwachen bedeutet eine eigene Form der Intimität. Genau so wie es durchaus eine besondere Nähe implizieren kann, wenn man sich zum ersten Mal nebeneinander die Zähne putzt. 

Zugegeben, diese Theorie funktioniert nur, wenn es zur ungeschminkten Version auch ein aufgehübschtes Vergleichsmodell gibt. Trotzdem: Aalglatt und perfekt ist langweilig. Meist sind es gerade die kleinen Makel, die sie am liebsten kaschieren würden, die sie besonders attraktiv machen. Wer weiß, möglicherweise gilt das ja sogar in beiden Richtungen?

In diesem Sinne, adieu Duschgel ;-)

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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