Gedankenwelten

Schilder-News

Es gibt ein neues Schild vor dem Hostel. Der gerade mal ein Jahr alte, eher schlicht gehaltene Namenszug musste einem deutlich größerem und deutlich roterem Aufsteller weichen. Auf etwa 2,5×2 Metern wird vorbeikommenden Autos, Fußgängern und Radfahrern eine preiswerte Übernachtung inklusive Frühstück offeriert.

Was soll ich sagen – es funktioniert!
Wahre Menschenmassen haben heute Nacht ohne Reservierung ihren Weg an meinen Tresen gefunden. Die meisten vergeblich. Wir waren ohnehin mehr oder weniger ausgebucht, trotzdem hätte ich auch bei leerem Haus kaum einen davon eingecheckt.

Eine Auswahl:
Da war der gedrungene Mittdreißiger in Bomberjacke, der statt “Hallo” ein lautes “Habt Ihr Fernseher auf den Zimmern” in den Raum warf, und dann übergangslos anfing, von seiner Freundin zu erzählen. Die hätte er nämlich gerade mit einem anderen Typen im Bett erwischt hätte. “Darum brauch ich nun erstmal für zwei drei Tage ein Bett, wa?!”

Oder die Bierdunst gehüllte Typ mit blutunterlaufenden Augen und einem dicken Kratzer im Gesicht. Zusammen mit seinem Freund, der eine recht umfangreiche Auswahl silberner Ketten über (!) der Winterjacke trug, wollte er gegen halb vier morgens ein Bett: “Irgendwas billig”, betonte er.

Mein Vorschlag: ein großes “keine Verrückten” auf dem Schild könnte vielleicht schon helfen. Der Aufforderung ein Bett zu mieten sind schließlich auch alle nachgekommen.

In diesem Sinne, liebe Bekloppten, nicht immer jedes Schild wörtlich nehmen!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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