Gedankenwelten

Schichtwechsel

Zuerst wollte ich dieses Posting “Der Zauber der Nacht” nennen, aber das passt eigentlich gar nicht. Die Nacht, von der ich schreiben möchte, kann nicht zaubern und wer was Magisches lesen möchte der sei auf später und an meine philosophische Freundin mit ihren SMS verwiesen, die sich dazu mal Gedanken gemacht hat, was ich demnächst noch zu kommentieren denke.

Nein, Zauber ist definitiv das falsche Wort. Seit fast zwei Jahren, fast so lange, wie ich in Berlin wohne, habe ich in dem Kreuzberger Hostel Nachtschichten geschoben. Vor einer Woche das letzte Mal, und ich gebe zu, es ist ein komisches Gefühl. Komisch, nicht magisch.

Es ist zweifelsohne anstrengend, ein oder zwei Nächte pro Woche betrunkenen Touristen die Stadt erklärt, statt zu schlafen (oder wenigstens zu feiern). Aber eben nicht nur. Es hat auch was, zu arbeiten, wenn alle anderen schlafen und ins Bett zu fallen, nachdem man die U-Bahn mit etlichen zur Arbeit fahrenden Menschen geteilt hat. Sich auf dem Heimweg beim Bäcker Zeitungen und Brötchen für das nachmittägliche Frühstück mitzunehmen und dabei mit lauter Leuten in der Schlange zu stehen, die sich gierig ihre Koffeindosis fürs Büro als “Coffee to go” abfüllen lassen. Kurz: als Nachtarbeiter ist man in gewisser Weise ein Outlaw unter den Werktätigen, wobei auch das natürlich hemmungslos überzeichnet ist.

Ich habe die Nachtschichten gemocht und verflucht zugleich. Jetzt tauche in morgens ein in den selben Strom zur Arbeit fahrender Coffee-to-go-Trinker und bin gespannt, ob ich mich auch daran gewöhne, wieder sieben Nächte pro Woche durchzuschlafen – oder zu feiern.

In diesem Sinne, gute Nacht erstmal!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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