Papawelten

“Pass auf, was Du sagst, Papa!” oder: wir haben jetzt ein Kindergartenkind!

“Wir müssen nun gut aufpassen”, habe ich meine Frau gewarnt. “Denn alles, was wir ab jetzt sagen, kann gegen uns verwendet werden.” Von unserer eigenen Tochter! Diesen Nachsatz habe ich nur gedacht, nicht gesagt. Trotzdem stimmt er, irgendwie.

Mein Mädchen ist jetzt ein Kindergartenkind. Für mich war das mindestens so aufregend wie für sie. Der Kindergarten ist nur ein paar hundert Meter von unserer Wohnung entfernt. Trotzdem fühlte es sich an, als hätten wir sie weit entfernt von zuhause ausgesetzt, als wir sie das erste Mal alleine dort zurückgelassen haben.

Zurückgelassen, ausgesetzt – ja, diese Worte umschreiben das Gefühl tatsächlich recht gut. Natürlich hatte sie dort nichts auszustehen. Die Erzieherinnen in ihrer Gruppe sind allesamt unglaublich nett und engagiert. Die anderen Kinder in der Gruppe sind, soweit ich das beurteilen kann, ebenfalls sehr nett. Die Gruppe ist altersübergreifend organisiert, das heißt, die anderen Kinder sind zwischen einem und sechs Jahren alt. Mir gefällt das, denn so können die Kleinen von den Großen lernen. Gleichzeitig lernen Großen, den Kleinen zu helfen und ein Stück weit Verantwortung zu übernehmen.

Es dauerte nicht lange, da wurden wir (in der Regel meine Frau, die das Bringen an den meisten Tagen übernimmt) mit einem begeisterten “Hallo” gefolgt von dem Namen meiner Tochter empfangen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat die sich so an den neuen Tagesablauf gewöhnt, dass man sie fast daran erinnern muss, tschüss zu sagen, so schnell flitzt sie los.

Trotzdem bricht es mir noch immer das Herz. Mit ihre knapp zwei Jahren wirkt sie so verloren zwischen all den anderen und meist älteren Kindern.

Spüren lasse ich sie das natürlich nicht. Schon in den ersten Unterlagen, die wir von der KiTa bekommen haben, wird betont, dass man den Kindern keinesfalls das Gefühl vermitteln soll, dass es einem schwer fällt, sie gehen zu lassen. Kinder spüren das und lernen: es ist nicht gut, dass ich hier bin.

Ich versuche also wieder einmal, von meiner Tochter zu lernen, und mir etwas von der Lässigkeit abzugucken, mit der sie Morgen für Morgen in ihrer Gruppe verschwindet.

Was freilich nirgendwo steht ist, dass man fortan sehr genau aufpassen muss, was man sagt. Schließlich ist davon auszugehen, dass meine Maus im Kindergarten mit der gleichen Detailtreue von zuhause erzählt, mit der sie inzwischen von ihren KiTa-Tagen berichtet. Da sollte man tunlichst nichts sagen, was falsch verstanden werden könnte.

Überhaupt: seit meine Kleine in die KiTa geht, scheint sich ihr Wortschatz, ihr Ausdrucksvermögen, aber auch Ihr Dickkopf im Wochenrhythmus zu potenzieren. Als ich kürzlich aus der Dusche kam und nur mit einem Handtuch um die Hüften bekleidet zu meinem Kleiderschrank ging, kam sie hinter mir her gelaufen, und öffnete die Schublade mit meiner Unterwäsche. Ich bedankte mich artig. Als ich dann aber eine Unterhose herausnehmen wollte, wurde sie energisch. “Nein, nein, Papa”, sagte sie. “Diese hier!” Ich bekam eine andere Hose in die Hand gedrückt.

Nachdem ich mich fertig angezogen hatte, kletterte die Kleine aufs Bett und erklärte, dass sie nun schlafen würde. Wie schön, dachte ich, noch fünf Minuten kuscheln – aber meine Tochter hatte andere Pläne: “Nein, Papa!”, rief sie erneut. Sie würde schlafen, nicht ich. “Papa Licht ausmachen. Papa geh zur Arbeit!”, wurde ich in strengem Ton belehrt.

Ähnlich streng ist sie, wenn wir gemeinsam die Zähne putzen. “Hinten auch putzen”, erinnert sie mich dann meist mehr als einmal und es kann passieren, dass sie mir die Zahnbürste aus der Hand nimmt, um selbst für die nötige Zahnhygiene zu sorgen.

Tja, manchmal frage ich mich schon, wie habe ich eigentlich ohne dieses Kind mein Leben auf die Reihe bekommen? In diesem Sinne …

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Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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