Papawelten

Neun Monate Papa oder: Wie ich hart an meiner Spielplatz-Credibility arbeite

Auf dem Spielplatz gelten eigene Regeln. Für Kinder – und natürlich auch für Eltern. Das habe ich schnell begriffen. So werden im Gespräch mit anderen Eltern zwar grundsätzlich die Kinder namentlich vorgestellt, der eigene Name dagegen ist eher nicht so wichtig. Bevor man über sich selbst redet kommen weitere wichtige Fakten wie das aktuelle Alter der Kinder, ab wann diese dieses oder jenes konnten (oder noch nicht konnten), die Kleidergröße und, wenn man sich schon etwas besser kennt, auch gerne weitergehende Details wie Lebensmittelvorlieben oder letzte Kaka-Zeiten und -Intervalle.

Dementsprechend hat man meist auch nicht den Klaus oder die Lisa getroffen. Statt dessen heißt es zuhause nur, dass man dem Vater von Mira und der Mutter von Max begegnet ist. Oft weiß man nämlich gar nicht, dass Klaus Klaus heißt und die Lisa die Lisa ist. Hier setzt sich also fort, was auch sonst für das Leben mit Kind gilt: man selbst ist plötzlich nicht mehr so wichtig.

Wobei ich zugeben muss, dass ich auch noch so etwas wie ein Spielplatz-Neuling bin. Zwar gehören die größeren Spielplätze im Viertel schon lange zu den festen Spaziergeh-Runden von meiner Tochter und mir. Schon um einen Eindruck zu kriegen, worauf ich mich in den kommenden Jahren einstellen darf. So richtig mitmischen können wir aber erst seit einigen Wochen, etwa ab dem Zeitpunkt als unsere Kleine selbstständig sitzen und krabbeln konnte. Ab dann fängt Spielplatz nämlich an Spaß zu machen. Schaukeln ist nun möglich, man kann auf der Rutsche Trommelübungen machen und sich am Klettergerüst hochziehen und Laufübungen machen. Außerdem konnten wir endlich die Frage klären, ob Sand eigentlich essbar ist (ist er, ist aber bäh!).

Ansonsten ist der Austausch mit anderen Eltern aber wohl auch deshalb noch oberflächlich, weil ich natürlich immer ein Auge auf meine Tochter habe. Sie einfach laufen lassen und dann mit den anderen Müttern und Vätern am Rand sitzen und Kaffeetrinken funktioniert eben noch nicht. Mich stört das ehrlich gesagt wenig. Mehr Unterhaltung als meine Kleine brauche ich nicht. Ich könnte ihr stundenlang zugucken.

Neun Monate ist sie nun alt. Sie ist also bald genauso lange auf der Welt wie sie vorher im Bauch meiner Frau war. Ein bisschen fange ich an, mich zu fragen, wie diese neun Monate eigentlich so schnell vergehen konnten. Natürlich prophezeien einem sämtliche andere Eltern genau das. Aber wer kann sich das schon vorstellen, wenn er total übermüdet das neunte Schlaflied in Folge anstimmt und hofft, das Baby möge endlich einschlafen, damit man selbst ein paar Stündchen die Augen zu machen kann. Zumal der Musikgeschmack meiner Kleinen durchaus gewöhnungsbedürftig ist: Die Top-3-Einschlaflieder derzeit sind: „Looking for freedom“ von David Hasselhoff, „An der Nordseeküste“ von Klaus und Klaus und „Papa bist Du müde“ am liebsten gesungen vom Papa selbst.

Wenn sie dann aber schläft, sieht man förmlich, wie die Energie in dieses kleine Menschlein zurückfließt, als würde ein Akku-Laden-Symbol über ihrem Kopf leuchten (natürlich leuchtet da in Wirklichkeit nichts, übrigens auch dann nicht, als die Kleine sich begeistert ein vergessenes Handy-Ladekabel in den Mund steckt).

Doch sobald sie wieder wach ist, strotzt sie nur so vor Taten- und Entdeckerdrang. Alles muss angefasst, untersucht und auseinandergenommen werden. Das ist für uns Eltern zwar manchmal etwas anstrengend. Andererseits wünsche ich mir, dass meine Tochter diesen unbändigen Drang nach Leben und Neuem möglichst lange erhält. Diese Begeisterung, mit der sie lernt und ausprobiert, wie sie auch nach dem hundertsten Mal Hinfallen immer wieder aufsteht und es noch einmal versucht – bis es endlich klappt.

Ich glaube, ich habe es schon einmal geschrieben: manchmal glaube ich, ich kann von meiner Tochter mehr lernen als sie von mir.

In diesem Sinne, die geballte Ladung Baby-Content gibt es hier!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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