Mitmenschen Tresenweisheiten

Nachttrümmer

Als hätte jemand seine Sammlung komischer Menschen verloren. Alle sind da: die Coolen und die weniger Coolen, die Schnapsleichen aus den Eckkneipen und die halbstarken Möchtegern-Rapper aus den Teeny-Bars.

Kleine Mädchen bibbern in Röcken, die sowohl für die Jahreszeit als auch für das Alter der Trägerinnen viel zu kurz sind, 15-Jährige Jungs vertiefen sich in Begrüßungsrituale, die vermutlich über Monate einstudiert wurden und nun zum ersten Mal auf der großen Bühne präsentiert werden.

Die Bühne, das ist in diesem Fall der Busbahnhof im Zentrum von Wuppertal-Elberfeld. Einmal in der Stunde, immer um zehn Minuten nach, fahren von hier am Wochenende die Nachtexpresse der Wuppertaler Stadtwerke sternförmig in die umliegenden Stadtteile.

Zehn Minuten am Busbahnhof warten bedeutet, das Wuppertaler Nachtleben auf 600 Sekunden zusammen geschrumpft präsentiert zu bekommen. Theoretisch. Praktisch sind es vor allem die Trümmer der Nacht, die sich hier versammeln. 

Früher habe ich wohl mal dazu gehört, doch das ist Jahre her. Mittlerweile fühle ich mich ganz wohl, das Schauspiel nur noch als Zuschauer zu verfolgen. 

In diesem Sinne, ein Hoch auf das Alter!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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