Gedankenwelten Zeitreisen

Laubspiele

Er war verlockend, dieser kleine Berg. Auf dem Weg zur Pressekonferenz, mitten auf dem Bürgersteig, hatte sich das trockene Laub knöcheltief gesammelt. Es raschelte, während ich, ein wenig in Eile, einen Fuß vor den anderen setzte. Trotz der nahen Straße roch es angenehm nach Herbst und Baumharz. 

Als Kind wäre ich wahrscheinlich mitten durch gelaufen. In alle Richtungen wären die trockenen Blätter durch die Luft gewirbelt. Wahrscheinlich hätte ich sogar noch einmal umgedreht und wäre noch einmal hindurch gerannt, so viel Spaß hätte mir das gemacht. Dabei hätte ich den Rest der Welt vergessen, wie man es nur als Kind tun kann.

Vor einiger Zeit habe ich über eine Ausstellung berichtet, “Auf Augenhöhe” der Titel. Ein Fotograf und eine Designerin hatten Kinder portraitiert, indem sie ihnen Fragen wie “Was würdest Du machen, wenn Du Chef von Deutschland wärst” oder “Wo siehst Du die größten Probleme in der Welt”, aber auch “was machst Du, wenn Du Deine Hausaufgaben fertig hast” gestellt haben.

Die Antworten waren zum Teil beeindruckend. Heruntergebrochen auf die Lebenswelt der Acht- bis Zehnjährigen waren viele der vermeintlich kompliziertesten Probleme plötzlich ganz einfach. Ich frage mich, an welchem Punkt in unserer Entwicklung wir begriffen haben, dass die Welt eben nicht so simpel ist, wie klein Hänschen sie sich vorstellt. Und ich frage mich, ob wir mit dieser Erkenntnis richtig liegen.

Ein paar Schritte nur, ich hatte das Laub hinter mir gelassen. Ich bin nicht gelaufen und ich bin nicht umgedreht, um das Laub noch einmal links und rechts von mir hochfliegen zu sehen. Ich bin einfach weiter gegangen, schließlich hatte ich es eilig und ohnehin viel mehr Dinge im Kopf, als darin eigentlich Platz gehabt hätten. Trotzdem war da eine Antwort aus der Ausstellung, die mir einfach nicht aus dem Kopf wollte: Denis, 9 Jahre: “Das Schlimmste ist, erwachsen zu werden”.

In diesem Sinne, gute Reise!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

4 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Felix, mach es einfach! Geh zurück zu dem Berg aus Laub. So eine Chance darf sich nicht entgehen lassen. Scheiß auf das was die anderen sagen. Wenn Du am Wochenende nicht zu mir kommst tu mir den Gefallen und spring ins Laub und sag mir wie es war. Und ich werde sagen: Siehst Du, Du lebst! Es gibt viele Sachen, die sollte man als Erwachsener nicht mehr machen. Viele dumme Dinge fallen mir da ein, die ich als Jugentlicher gemacht habe. Aber ins Laub springen und sich selber fühlen ist nichts dummes. Das ist das was alle Erwachsenen wollen und sich nicht trauen weil sie ja soooo erwachsen sind und dabei merken sie nicht, dass sie nur abgestumpft und blöde werden. Du musst das machen, Du bist nicht abgestumpf und blöde. Du hast nur Angst, was die anderen sagen. Scheiß der Hund drauf. Spring rein, es ist Dein Leben!

  2. Warum bin ich so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich, Freundin weg, Diplomarbeit am Hals, ich fühle mich alleine gelassen und traurig. Ich kann es nicht verstehen, warum bin ich so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich, ich feier, sauf und rauche zuviel, aufgehört egal, warum geht’s mir trotzdem gut. Ich weine, ich zittere, ich vermisse sie so sehr, warum lach ich und tanze, warum geht’s mir so gut. Ich weine, ich zittere, ich vermisse sie so sehr, doch ich weiß, dass ich lachen kann und weinen und ich lebe weiter. Deshalb ist der nächste Laubberg meiner. Ich mache es wie Du Felix. Ich werde reinspringen, auch wenn es peinlich ist und noch einmal durchlaufen. Weil ich es bin und weil kein Arsch es mir verübeln kann, warum sollte ich dafür Kind sein. Deshalb mach was Du willst, mach woran Du Freude hast, es versaut Dir sowieso irgendwer. Aber trotzdem vergiss nie, Du darfst nie so weiß, so rein sein wie weißes Papier. Alles wird gespeichert, das Gute und das Schlechte. Das ist unser Leben und es macht Spaß und ist traurig, so soll es sein. Das Leben ist ein Laubberg, spring rein, aber wunder Dich nicht, wenn ein Hundehaufen drin ist.

  3. Erinnert mich irgendwie an die Werbung…von dieser Versicherungsgesellschaft…wie geht die noch?? Der Leispruch ist irgendwie: “Erinnern Sie sich noch, wie es war, sich um nichts Sorgen machen zu müssen? Wir bringen Ihnen dieses Gefühl zurück!”
    Wo der kleine Junge aus einem riesen Stapel Spielzeug, ausgerechnet das unterste heraus nimmt-er hat keine Angst, daß der Stapel zusammenfält. Er zieht diese Möglichkeit noch nicht einmal in Betracht. Wäre der Stapel zusammengebrochen (was er in der Werbung nicht tut), so hätte er eine Erfahrunge gemacht, die ihn lehren würde, so etwas nicht noch einmal zu tun.
    Diese Werbung hat auch etwas seltsam rühendes..
    Ich denke es sind die Erfahrungen, unsere Sozialisierung, die uns geprägt hat und die uns unsere Verhaltensweisen vorschreibt. Vielleicht sollten wir Drogen nehmen, um unser Gehirn für einen Moment aus zu schalten? Um unsere gemachten Erfahrungen für einen Moment aus zu blenden??
    Wenn du einmal Kinder haben solltest wirst du bestimmt einen großen Teil dieser Unbeschwertheit aus der Distanz genießen können, da bin ich mir ziemlich sicher.

    Aber mal ehrlich…um durch den Laubhaufen zu toben brauchst du keine Drogen, keine Versicherung und auch keine Kinder. Just do it…ich hätte auch Spaß dabei! Gibt doch diesen Spruch: Du wirst die Dinge die du nicht getan hast mehr bereuen, als die die du getan hast. Das bewahrheitet sich bei mir immer wieder!

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