Gedankenwelten Karriere

Karriere

Robert Kennedy, der jüngere Bruder von John F., wollte ursprünglich Priester werden. Als er mit dem Wunsch zu seinem Vater Joseph kam, überlegte der einen Moment, dann sagte er: „OK Bob! Es wäre ganz schön, einen Papst in der Familie zu haben.“

Im Oktober werde ich 28 Jahre alt. Wenn alles klappt, habe ich bis dahin meinen Master erfolgreich abgeschlossen. Größenwahnsinnig wie ich bin, habe ich mich unter anderem bei der Süddeutschen Zeitung beworben. Wäre eben schon großartige, für eine Zeitung solchen Kalibers zu schreiben.
Auch in meinem Freundeskreis haben in den letzten Monaten einige Leute ihr Studium abgeschlossen oder schließen es bald ab. Einige sind auf Jobsuche, andere promovieren oder haben gerade zu arbeiten angefangen, wieder andere sind gerade sogar schon dabei, sich beruflich wieder neu zu orientieren.

Das ist in so fern angenehm, weil ich mir nicht mehr so sehr wie ein Exot vorkomme. Nicht wie vor dreieinhalb Jahren, als ich meinen Bachelor in der Tasche hatte und einige Monate gearbeitet habe, um mir meine Weltreise zu finanzieren, während das Gros meiner Freunde, Diplom, Magister und Lehramtsstudenten halt, zur Uni ging, über Scheine, Klausuren und Hausarbeiten diskutierte, während mir das alles schon so unendlich weit weg vorkam (vielleicht war ich auch ein wenig neidisch, denn ich habe eigentlich immer gerne studiert).

Jetzt steht wieder ein Abschluss vor der Tür. Ich gebe zu, ich finde das ein wenig unheimlich. Es steht (erstmal) keine größere Reise an, statt dessen muss ich eigentlich schon aus versicherungstechnischen Gründen schnell einen Job finden. Doch muss ich gleich anfangen, Karriere zu machen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns am Ende nicht an die beruflichen Erfolge und die vermeintlichen großen Dinge erinnern, die wir geleistet haben.
Sollten wir tatsächlich die Gelegenheit haben, den Tod vor Augen auf unser Leben zurück zu gucken. Vielmehr werden uns wohl vermeintliche Kleinigkeiten durch den Kopf gehen: Menschen, die uns etwas bedeutet haben, Orte die wir gesehen haben. Ist es da nicht eigentlich komisch, dass so viele von uns so energisch nach etwas streben, selbst wenn sie wissen oder ahnen, wie unwichtig das letzten Endes sein wird?

Ob Robert Kennedy zu einem Rückblick wie oben beschrieben in der Lage war, weiß ich nicht. Im Juni 1968 hatte er gerade die Vorwahlen in Kalifornien gewonnen und war einer der aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, als er in einer Hotelküche von mehreren Kugeln getroffen wurde. Wenige Stunden später starb er in einem Krankenhaus. Robert Kennedy wurde 43 Jahre alt.

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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