Gedankenwelten

iPod

Welche drei Dinge würdest Du mit auf eine einsame Insel nehmen?

Es gibt verschiedene Methoden, diese Frage zu beantworten. Man kann pragmatisch argumentieren („Feuerzeug, Messer, dickes Buch“), romantisch entscheiden („Freundin, Massageöl, Kondome“) oder auch einfach ziellos vorgehen (ähhhhh). Irgendwer in der Runde wird auch immer auf die schlaue Idee kommen, ein Boot mitzunehmen (und damit zugeben, dass er das Prinzip des Spiels doch nicht so ganz verstanden hat).

Ich habe, auch wenn das Buch definitiv immer recht weit oben stand, zusätzlich immer „Musik“ gewählt. Es ist nämlich beängstigend, wie sehr einem Musik fehlen kann!

Als mir am Anfang meiner Weltreise mein Rucksack gestohlen wurde, verlor ich damit auch meinen MP3-Player. Kein besonderes teures oder exklusives Gerät, trotzdem ein herber Verlust. Das Gerät, ein Modell von vor einigen Jahren, fasste gut und gerne 75 Lieder, aber gerade die waren sehr gründlich ausgewählt und somit eine Art kunstvoll zusammengestellter Soundtrack meiner Reise. Nun waren sei weg.

Das klingt banal und war in diesem Moment auch sicher nicht meine größte Sorge. Über die folgenden Monate hinweg war aber gerade dieser Verlust schon mit der, der mich am meisten gestört hat. Ich erinnere mich, dass ich gerade in Asien manche Restaurants oder Bars weniger wegen dem Essen, sondern mehr wegen der Musik, die dort lief, ausgewählt habe.

Seit einigen Wochen bin ich Besitzer eines iPods. Zugegeben, ein Spontankauf. Vermutlich hätte es auch ein billigeres Gerät getan, zumal ich ohnehin nicht zu den Dauernutzern gehöre, die das Haus nicht mehr ohne Stöpsel im Ohr verlassen. Im Gegenteil: in der U-Bahn lese ich lieber, und auch sonst finde ich es oft interessanter mitzubekommen, was um mich herum passiert, als dass ich selbige mit einem Soundtrack übertönen suchen würde.

Trage ich das Gerät aber doch mal mit mir rum habe ich die Wahl zwischen mehr als 800 Songs – Musik für zweieinhalb Tage Dauerhören. Das Schöne dabei ist, dass ich viele dieser Lieder seit Jahren nicht gehört habe. Sie sind irgendwann auf der Festplatte meines Computers gelandet und wurden dort vergessen. Jetzt tauchen sie dank eines simplen Zufallsgenerators auf einmal wieder auf und mit ihnen die Erinnerungen. Alte Toten-Hosen-Songs erinnern mich an Abende am Rhein in Düsseldorf, fast vergessene Kravitz-Klassiker lassen mich im Auto nach Kroatien sitzen und Rod Stewart versetzt mich auf einen Campingplatz in Südfrankreich.

Manchmal frage ich mich, ob man sich bewusst für solche Assoziationen entscheidet. Kann ich Momenten mit Stichworten respektive Liedern verbinden? Werde ich später an diesen Moment, an „jetzt“ denken, wenn ich John Miles höre, bloß weil er gerade läuft, während ich dies schreibe? Es würde passen, immerhin singt er: „Music was my first love, and it will be my last!“

In diesem Sinne, Ohren auf!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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