Karlsruhe Mitmenschen

Gut gebrüllt

2014-04-12-Fahrrad

Wer dies liest, könnte meinen, dass mein Leben ziemlich langweilig ist. Schon der zweite Eintrag in nur einer Woche, der vom Einkaufen handelt. Oder wenigstens: zu dem mich ein Einkauf inspiriert hat. Aber was soll ich machen – was kann ich für die komischen Schuhe? Und irgendwer muss ja darüber schreiben.

Der Mann wäre vermutlich gar nicht aufgefallen. Kurze Haare, ein schwarzes Sportshirt, Shorts – nichts, was sich besonders ins Gedächtnis gebrannt hätte. Wäre da nicht dieses laute Klicken gewesen. Jeder Schritt klang, als würde er mit einem Riesentacker etwas auf dem Fußboden fixieren. Klick, Klick, Klick!

Es dauerte einen Moment, bis ich verstanden hatte. Der Mann war Radfahrer. Das Klicken kam von seinen Schuhen, die sich über einen Klick-Mechanismus die Pedalen seines Fahrrades einhaken ließen und deren schuhseitiges Ende bei jedem Schritt ordentlich Krach machte. Klick, Klick!

Besonders zu irritieren schien das Klicken die beiden Kassiererinnen. „Was grinst Du denn so, Frau Meier?“, rief eine der Frauen kaum hatte der Mann den Laden verlassen. „Iiiich? Ich grinse doch nicht!“, antwortete die andere Kassiererin Nummer nicht minder leise und grinste noch ein wenig breiter. „Das sind Fahrradschuhe. Deshalb klicken die“, brüllte nun wieder Kassiererin Nummer eins. „Weiß ich doch“, antwortete Nummer zwei. „Trotzdem lustig.“

„Die kann man an den Pedalen einhaken, hatte ich auch mal“, mischte sich nun der erste Kunde ein. „Wozu soll das denn gut sein“, erkundigte sich eine Kundin, die ein paar Plätze weiter hinten in der Schlange stand. „Dann rutscht man nicht so leicht ab“, rief nun wieder die Kassiererin, während drei oder vier Leute in der anderen Schlange zustimmend nickten. „Na, da hab ich wieder was gelernt“, freute sich die Frau.

In diesem Sinne – schade nur, dass die Situation nicht in Berlin stattgefunden hat. Mit dem richtigen Dialekt hätte sie mir noch besser gefallen …

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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