Desillussionierend Karriere

Generation gebraucht

Generation Golf? Von wegen! Das war einmal. Wir sind hochqualifiziert, flexibel und leistungsbereit. Für einen Neuwagen reicht das Geld trotzdem nicht, ob nun VW Golf, Ford Fiesta oder Peugot 106. Bezahlbar muss er sein, das zählt. Warum nennt Ihr uns also nicht einfach „Generation gebraucht“?

Zugegeben, sogar in Deutschland gibt es wichtigere Dinge als ein Auto. Trotzdem sollte man meinen, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem der fahrbare Untersatz von mehr als nur von den Macken des Vorbesitzers zeugt (im wahrsten Sinne des Wortes). Abitur, Studium, Praktika und diverse Umzüge quer durch die Republik – sollte es nicht irgendwann über die befristeten Projekte und Jahresverträge hinaus gehen, mit denen man uns abspeist, seit wir die Hochschule verlassen haben?

Ich möchte hier nicht jammern. Trotz Krise haben es Akademiker immer noch vergleichsweise gut auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch sind es gerade wir Neuen, die als erste dran glauben müssen, wenn es hart auf hart kommt – und wir wissen das. Kündigungsschutz, Sozialplan und Co – wer neu ist, dem bringt das alles oft herzlich wenig. Und selbst wer einen verhältnismäßig sicheren Job hat, der wird den Teufel tun, sich mit Ratenzahlungen oder Einbauküchen zu sehr zu binden. Wer kann schon sagen, was morgen ist.

Warum etwas Neues kaufen, wenn es das Gebrauchte für die Hälfte gibt. Wir leben improvisiert und haben uns mit dieser Daseinsform recht gut arrangiert. Mein Hausstand passt – das gilt auch heute noch – in meinen (Gebraucht-)Wagen. Es geht mir gut! Trotzdem finde ich es manchmal frustrierend, wenn ich mir vor Augen führe, dass ich mit 30 immer noch eine Art Vagabundenleben auf Stand-By führe.

In diesem Sinne, gute Fahrt!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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