Papawelten

Doppelt Papa oder: Warum Kinder wie Videospiele sind

Als das Klassentreffen anstand, war ich seit einem halben Jahr Vater. Unter den Vätern beim Treffen zählte ich damit eher zu den Spätzündern. Während ich mich noch mit Themen wie Durchschlafen und den ersten Krabbelversuchen meiner Kleinen beschäftigte, waren viele ehemalige Klassen- und Stufenkameraden längst bei den ersten Schulthemen angelangt.

Trotzdem waren Kinder bei denen, die welche hatten, neben der gemeinsam durchlebten Schulzeit der kleinste gemeinsame Nenner. Darüber redeten alle gerne.

Besonders hellhörig wurde ich, als eine ehemaliger Mitschüler mir von seinen inzwischen drei Kindern erzählte. “Irgendwie ging das Schlag auf Schlag und auf einmal waren es drei”, sagte er. Ich guckte ihn mit großen Augen an. “Da müssen Dir mein Gerede von einem Kind und wie anstrengend das manchmal ist reichlich albern vorkommen”, sagte ich. Er nickte. Das sei tatsächlich so. Nur merke man eben immer nur im Rückblick, wie vergleichsweise einfach es früher gewesen ist.

Mit drei Kindern kann ich immer noch nicht aufwarten. Ich behaupte aber, zwei reichen, um ihm Recht zu geben. Gerade wenn ich junge Eltern mit einem Kleinkind auf dem Spielplatz beobachte, möchte ich manchmal hinlaufen und ihnen sagen, dass sie ja keine Ahnung haben. Ein Kind – pah! Das ist doch gar nichts! Wartet mal ab, bis es mehr werden und ihr Euch wundert, wo eigentlich bei einem Kind das Problem war. Das lief doch nebenher! Keine Streitereien um Spielzeuge, die ihr schlichten müsst. Kein ständiges Hin- und Herlaufen auf dem Spielplatz, damit Kind 1 nicht von der Rutsche fällt, während ihr Kind 2 gerade an der Schaukel anschubst. Kein Kind 1 anziehen und gleichzeitig darauf achten, dass sich Kind 2 nicht gleichzeitig wieder auszieht.

Das alles möchte ich dann sagen. Tue ich natürlich nicht. Denn im Grunde genommen sind Kinder wie Videospiele. Man fängt mit dem ersten Level an. Alles ist neu und schwierig, weil man sich ja erstmal reinfinden muss. Hat man das erste Level aber erst einmal durchgespielt und Level zwei begonnen, kommt einem das gerade geschaffte plötzlich gar nicht mehr so schwierig vor. Denn jetzt geht es ja erst richtig los.

Ich erinnere mich an unzählige Gameboy Sessions “Super Mario Land”. Wenn man erst einmal die ersten Level geschafft hatte, galt es irgendwann nur noch, möglichst alle Leben zu den wirklich schwierigen Stellen zu kommen.

Bezogen auf meine Kinder macht mir das Mut. Mit ihren eineinhalb und bald vier Jahren stehe ich ja noch immer ziemlich am Anfang des Papaseins. Aber schon jetzt merke ich: man wächst mit seinen Aufgaben. Das Elternsein scheint einem immer nur genau so viel abzuverlangen, wie man gerade in dem Moment stemmen kann. Die Spiel-Level sind gut aufeinander abgestimmt. Und ganz am Anfang muss man zum Glück gar nicht mehr anfangen.

In diesem Sinne, wo ist eigentlich mein Gameboy? Mehr Papa-Content gibt es übrigens hier.

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, Indiana Jones, Papa von zwei Töchtern, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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