Papawelten

Doppelt Papa oder: Wie ich letztens fast einen Einkaufswagen-Dieb verhaften wollte

“Gerade war er doch noch da! Er kann doch nicht einfach weg sein!”

Es ist Mittwochabend und ich stehe im Supermarkt, während ich diese Sätze denke. Zumindest hoffe ich, dass ich sie nur denke. Oder habe ich das gerade laut gesagt? Wohl nicht. Und wenn, dann haben es die anderen Einkäufer um mich herum taktvoll ignoriert.

Ich suche meinen Einkaufswagen. Gerade noch habe ich tiefgekühltes Gemüse, eine Schachtel Pralinen und ein Paket Kaffee hinein gelegt. Jetzt ist der Wagen weg.

Hatte ich ihn nicht hier bei den Tiefkühlschränken stehen lassen? Anscheinend nicht, sonst stände er ja noch dort. Oder hat ihn irgendwer zur Seite geschoben? Die Verkäuferin vielleicht, die gerade irgendetwas vorbeigerollt hat. Ein anderer Kunde?

Normalerweise bewege ich den Einkaufswagen nur wenig. Ich empfinde es als nervig, ihn zwischen Regalen und Menschen vor mir her zu schieben. Statt dessen stelle ich ihn irgendwo verkehrsgünstig ab und pendele zwischen Wagen und den Dingen, die auf meinem Einkaufszettel stehen, hin und her. Habe ich die Umgebung abgegrast, schiebe ich ihn zur nächsten Stelle und beginne das Spiel von vorn.

Zwei Mal laufe ich nun sämtliche Reihen des Supermarktes ab, durchmesse jede von ihnen mit meinen Blicken. Wo ist dieser blöde Wagen? Plötzlich bin ich gar nicht mehr sicher, ihn bei den Kühlschränken abgestellt zu haben. Aber wo dann?

Anscheinend bin ich doch müder, als ich gedacht habe. Andererseits ist es nicht der erste Zwischenfall dieser Art. Erst kürzlich war nach dem Joggen plötzlich mein Handy verschwunden. Das Handy, mit dem ich die Laufstrecke getracked und beim Laufen Hörbücher gehört hatte. Das ich definitiv mit nach drinnen genommen habe. Was habe ich mit dem Handy gemacht? Ich finde es schließlich in meinen Laufschuhen liegend, die ich zum auslüften auf den Balkon gestellt habe. Keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe.

Ich schlafe zu wenig, eindeutig. Dabei ist es vor allem meine Frau, deren Nächte von unserer jüngsten Tochter unterbrochen wird. Sie stillt, das kann ich ihr nicht abnehmen. Ich komme vor allem dann zum Einsatz, wenn die jüngere und die ältere Tochter zur gleichen Zeit wach werden. Trotzdem sind die Tage gerade, zumindest gefühlt, länger, und die Nächte kürzer. Der Arbeitstag heute war auch eher lang. Den größten Teil des Wocheneinkaufs habe ich außerdem bereits hinter mir. Den zweiten Supermarkt habe ich nur deshalb angesteuert, weil ich hier noch einige Dinge besorgen will, die ich im ersten nicht bekommen habe. Aber bin ich schon so müde, dass ich anfange, Einkaufswagen zu verlieren?

Ich suche unauffällig mit den Augen die Schlangen an den Kassen ab. Hat jemand den Wagen vielleicht mit seinem eignen verwechselt und steht nun mit meinem Tiefkühlgemüse zum Bezahlen an? Einen kurzen Moment unterstelle ich sogar kriminelle Energie. Da wollte sich jemand das Einkaufen besonders leicht machen und nimmt deshalb einfach einen bereits gefüllten Wagen! Ha, wenn ich den erwische!

Doch dann steht er plötzlich vor mir. Der Wagen. Ganz unscheinbar und als wäre er nie weg gewesen wartet er zwischen dem Regal mit den Nudeln und den Fertigkonserven. Weit weg von dem Ort, wo ich ihn vermutet hatte und als wäre nichts geschehen. Fehlt eigentlich nur, dass er mich auslacht.

Doch Moment: Wo sind Tiefkühlgemüse, Pralinen und Kaffee? Die drei zuletzt hinein gelegten Waren fehlen. Es ist aber zweifelsfrei mein Wagen. Der restliche Einkauf deckt sich mit meiner Liste, die alte dm-Einkaufstasche, die am Wagen baumelt, gehört auch mir. Eigentlich gibt es nur zwei Erklärungen. Entweder habe ich Gemüse und Co. nicht in meinen, sondern in den Wagen von irgendjemand anderem gelegt. Oder jemand anderes hat diese Dinge aus irgendeinem Grund wieder aus meinem Wagen herausgenommen. So oder so: ich werde es nie erfahren.

In diesem Sinne, Papa mal zwei und was es sonst so an Papa-Content auf dem Blog findet Ihr hier gesammelt!

 

 

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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