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Datenwanderung II

“Du willst es. Du kriegst es.” Man könnte diesem Werbeslogan der Telekom-Tochter “Congstar” noch ein “Ob Du willst oder nicht” hinzufügen, denn seit einigen Wochen werden Congstar-Kunden mit regelmäßigen Anrufen von einem Call Center belästigt – eben ob sie wollen oder nicht.

Im Display angezeigt wird in der Regel die Nummer 04018026403 – tatsächlich melden tut sich allerdings oft niemand. Überhaupt klingelt es in der Regel nur wenige Male, bis der Anrufer aufgibt. Auch wer die Nummer zurückruft, hat wenig Glück. Ein Anrufbeantworter erklärt, unter dieser Nummer würden Beratungsgespräche für Congstar durchgeführt, nur leider sei  der zu Beratene nicht erreicht worden.

Da auch ich selbst mehrfach angerufen wurde, habe ich mich bei Congstar erkundigt, wie das sein kann – und wieso meine Nummer überhaupt an ein Call Center weitergegeben wurde. Die Antwort hat mich dann doch erstaunt:

congstar 1

Das interessante an diesem Schreiben ist, dass ich meine Congstar-Nummer noch nie irgendwo angegeben habe. Der Grund ist der, dass ich nicht immer zwei Handys mit mir rumschleppen möchte. Den Vertrag mit Congstar habe ich, um per Flatrate ins Festnetz zu telefonieren – für nichts anderes. Wenn mich jemand erreichen will, kann er das über meine reguläre Handynummer tun.

Das habe ich Congstar auch mitgeteilt und außerdem darum gebeten, mir mitzuteilen, wann und wie ich die “Zustimmung zur Verwendung der Rufnummer für Verkaufsanrufe” erteilt haben soll. Die Antwort kam heute:

congstar 2

Interessant ist nicht nur, dass die Congstar-Mitarbeiter sich offenbar nicht die Mühe machen, das richtige Geschlecht für die Anrede zu wählen, sondern dass man hier anscheinend nicht mal mehr weiß, woher Congstar seine Telefonnummern für Werbeanrufe bezieht  (zumindest in diesem Fall wohl nicht über Adresshändler – da ich meine Nummer nirgends angegeben habe, kann sie nur aus der eigenen Kundendatei stammen).

Von dem Problem mit ungewollt angerufenen Kunden dagegen weiß Congstar schon länger, wie mehrere Diskussionen im Congstar-eigenem Service Forum belegen. Auch der Datenschutzbeauftragte des Bundes und die Bundesnetzagentur sind wohl mittlerweile eingeschaltet. Bei mir kam der letzte Anruf gestern – ich bin gespannt, ob trotz Beschwerde weitere folgen.

Übrigens: Einen anderen Fall von Datenwanderung gibt es hier – nämlich den Weg meiner Email-Adresse über einen österreichischen Adresshändler zu einer Firma in Leipzig. Die rühmt sich zwar damit, eines der größten deutschen Studentennetzwerke zu betreiben, kauft für Newsletter wie ab-in-den-urlaub.de aber trotzdem fleißig Adressen im Ausland.

In diesem Sinne, gute Reise!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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